Wirtschaft : 30 000 Jobs im Einzelhandel abgebaut

BONN (AP).Angesichts des schwachen Konsumklimas in Deutschland haben die Einzelhandelsunternehmen 1998 knapp 30 000 Arbeitsplätze abgebaut.Hinzu kämen rund 4000 Insolvenzen, zehn Prozent mehr als 1997, erklärte der Präsident des Gemeinschaftsverbands des Deutschen Einzelhandels (GVE), Hermann Franzen, am Dienstag in Bonn.

Auslöser seien die schlechten Umsätze im Einzelhandel seit sechs Jahren.Franzen forderte eine kräftige Nettoentlastung aller Bürger im Zuge einer großen Steuerreform.Zugleich äußerte er scharfe Kritik an den derzeitigen Steuer- und Abgabeplänen der rot-grünen Bundesregierung, insbesondere zur Unternehmensbesteuerung.90 Prozent der deutschen Unternehmen seien Personengesellschaften und unterlägen damit der Einkommensteuer.Für viele dieser Firmen würde eine einheitliche Unternehmensbesteuerung in Höhe von 35 Prozent eine "kräftige Steuererhöhung" bedeuten.Für Einzelkaufleute und Personengesellschaften forderte Franzen ein Wahlrecht zwischen Einkommen- oder Unternehmensteuer.

Schon seit Mitte 1992 erlebe seine Branche "harte Zeiten", beklagte Franzen.Auch 1998 habe sich noch keine Trendwende beim Umsatz eingestellt.Im Schnitt hätten die Geschäfte im Facheinzelhandel nominal mit Umsatzstagnation abgeschlossen und damit real knapp ein Prozent verloren.Nur sechs Fachhandelsbranchen haben laut Franzen im vergangenen Jahr ein positives Umsatzergebnis vorweisen können.Dazu zählten Möbel, Radio-Fernsehen, Foto, Schuhe, Glas, Porzellan und Keramik sowie der Buchhandel.Umsatzrückgänge verbuchten die Bereiche Tapeten, Bodenbelag, Farben, Drogerien, Textil, Zweirad, Sportartikel, Blumen und Reformhäuser.Der Lebensmittel-Umsatz habe stagniert.

Der Abbau der Arbeitslosigkeit sei entscheidend für die Ankurbelung des Konsums, betonte Franzen.100 000 Menschen mehr in Lohn und Brot brächten dem Einzelhandel einen Mehrumsatz von etwa 350 bis 400 Mill.DM pro Jahr in die Kassen.Da die Steuerbelastung in Deutschland im internationalen Vergleich auf Rekordniveau liege, habe er überhaupt kein Verständnis dafür, daß die rot-grüne Bundesregierung in dieser Situation mit der Ökosteuer noch eine weitere Abgabe einführen wolle.Auch wenn die genaue Ausgestaltung der Ökosteuer noch unbekannt sei, laufe es unter dem Strich auf eine Mehrbelastung hinaus.Mit der Einführung der Ökosteuer will die rot-grüne Bundesregierung die Senkung der Sozialabgaben um 0,8 Punkte auf 19,5 Prozent finanzieren.Ebenfalls kein Verständnis äußerte der Verbandspräsident dafür, daß das produzierende Gewerbe bei der Ökosteuer begünstigt werden solle, der Einzelhandel aber nicht.Gerade bei vielen Lebensmittelgeschäften werde die Belastung durch Ökosteuern höher sein als die Entlastung durch die Reduzierung von Sozialabgaben.Daher müsse es die Möglichkeit der Befreiung des Einzelhandels geben.Der Einzelhandelsverband appellierte darüber hinaus an die Bundesregierung die Teilwertabschreibung, die partielle Steuerbefreiung etwa von Lagerbeständen, zu erhalten.

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