Wirtschaft : "35-Stunden-Woche im Osten unrealistisch"

Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall hat am Donnerstag seine Vorstellungen für die kommende Tarifrunde in der Metallindustrie vorgestellt.Mit dem Gesamtmetallpräsidenten Werner Stumpfe sprach Ursula Weidenfeld.



TAGESSPIEGEL: Herr Stumpfe, Sie versprechen mehr Geld und mehr Jobs - ist das mehr als Wahlhilfe für die CDU?

STUMPFE: Wir machen keinen Wahlkampf.Die Mehrheit unserer Unternehmen verdient nach wirklich harten Jahren wieder echtes Geld.Deshalb können wir eine Tarifpolitik machen, die sowohl die realen Einkommen der Arbeitnehmer verbessert als auch neue Möglichkeiten für Arbeitslose eröffnet.Dazu kommt, daß wir für 1999 keine zusätzlichen finanziellen Lasten aus politischen Entscheidungen erwarten: Die Steuer- und Abgabenbelastung dürfte eher sinken, die Inflation liegt bei Null.Das führt dazu, daß auch eine kleine Verbesserung der Tariflöhne reale Wohlstandsgewinne bringt.

TAGESSPIEGEL: Was ist mit den Unternehmen, die kein Geld verdienen?

STUMPFE: Für diese Betriebe brauchen wir eine angemessene Lösung, die es ermöglicht, zu den anderen aufzuschließen.In der Chemie- und in der Textilindustrie gibt es bereits tarifpolitische Modelle dafür.

TAGESSPIEGEL: Öffnungsklauseln?

STUMPFE: Wir müssen eine Lösung hinbekommen, die allen Unternehmen der Branche ein Leben im Tarifvertrag ermöglicht.

TAGESSPIEGEL: Wird es auch für die neuen Länder eine echte Lohnrunde geben?

STUMPFE: Dort verdienen die meisten Unternehmen noch kein Geld.Der Tarifabschluß muß dem Rechnung tragen.

TAGESSPIEGEL: Die IG Metall will die 35-Stunden-Woche und mehr Geld.

STUMPFE: Das ist völlig unrealistisch.

TAGESSPIEGEL: Haben Sie deshalb mit der Christlichen Gewerkschaft Metall einen Abschluß gemacht, der deutlich unter den Bedingungen der IG Metall liegt?

STUMPFE: Der Tarifvertrag mit der CGM sichert Arbeitsplätze und erhält die Tariflandschaft.Das ist ein moderner Vertrag.

TAGESSPIEGEL: Den Sie mit der IG Metall nie hinbekommen werden?

STUMPFE: Die Sachzwänge werden auch bei der IG Metall zu einem Umdenken führen.Eine Gefahr ist allerdings, daß die IG Metall erst einlenkt, wenn es zu spät ist.

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