Wirtschaft : 350 000 Euro für ein Interview

Rolf Breuer, einst Chef der Deutschen Bank, zahlt eine Geldauflage – der Kirch-Prozess wird eingestellt.

Axel Höpner (HB)
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München - Zehn Jahre ist es bald her, dass er seine umstrittenen Aussagen über die Kreditwürdigkeit der Kirch-Gruppe machte. Doch der ehemalige Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer wird diesen Jahrestag nicht feiern. Schließlich hat ihm das Interview nichts als Ärger eingebrockt. Eine Menge Zeit hat er in diesen zehn Jahren in Gerichtssälen verbracht. Am Montag immerhin gab es einen kleinen Grund zum Feiern: Das Strafverfahren gegen Breuer wegen versuchten Prozessbetrugs wurde eingestellt.

Ganz ungeschoren kommt Breuer aber nicht davon. Er muss eine Geldauflage von 350 000 Euro bezahlen. 250 000 davon fließen in die Staatskasse, der Rest kommt wohltätigen Zwecken zugute.

Mit der Einstellung können sich alle Seiten bestätigt sehen. Das Kirch-Lager, das das Verfahren mit einer Anzeige ausgelöst hatte, kann auf die hohe Geldauflage verweisen. Breuer und die Deutsche Bank darauf, dass mit der Einstellung kein Schuldeingeständnis verbunden ist. Breuer ist nach wie vor nicht vorbestraft.

Alle Rechtsstreitigkeiten zwischen der Kirch-Seite und Breuer drehen sich um ein Interview, das dieser Anfang 2002 gegeben hatte. Damals sagte Breuer, wie man lesen und hören könne, sei der Finanzsektor nicht mehr bereit, Kirch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Wegen dieser Aussage überzog Kirch die Deutsche Bank und Breuer mit Schadenersatzklagen.

In einem dieser Zivilverfahren beteuerte Breuer als Zeuge dann, er habe keine intimen Kenntnisse über die Kreditakte Kirchs gehabt. Die Staatsanwaltschaft glaubte ihm das nicht und erhob schließlich Anklage. In dem Verfahren gelang es den Anklägern allerdings nicht, Breuer nachzuweisen, dass er spezielle Insider-Kenntnisse gehabt hatte. „Es gab ein ständiges Hin und Her zwischen ,vielleicht hat er doch mehr gewusst’ und ,vielleicht doch ein Freispruch’", sagte Richter Anton Winkler am Montag.

Ein Freispruch mit Beigeschmack für Breuer, dennoch ließen er und seine Anwälte auf die Einstellung ein. Auch so wird Breuer noch genug Zeit in den Münchener Gerichtssälen verbringen. Im weiterhin laufenden Zivilverfahren ordnet der Richter regelmäßig sein persönliches Erscheinen an. Axel Höpner (HB)

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