Wirtschaft : 39 Milliarden Dollar Verlust in drei Monaten

General Motors schockt Börsen und Mitarbeiter

H. Mortsiefer/R. Obertreis

Berlin - General Motors (GM) schockt erneut seine Mitarbeiter und die Börse: Mit einem dramatischen Verlust von 39 Milliarden Dollar (26,8 Milliarden Euro) in nur drei Monaten hat der umsatzstärkste Autokonzern der Welt das dritte Quartal beendet. Der Verlust fiel trotz zuletzt sehr guter Absatzzahlen an.

Begründet wurde er mit unerwarteten Auswirkungen der US-Hypothekenkrise und steuerlichen Wertberichtigungen, wie GM am Mittwoch mitteilte. Letztere seien wegen gravierender Verluste in der Vergangenheit sowie eines weniger positiven Ausblicks auf die Geschäftssituation in Deutschland und den USA notwendig geworden. GM ist gerade dabei, den Konzern umfassend umzubauen. Dabei werden zwölf nordamerikanische Werke geschlossen und mehr als 34 000 Arbeitsplätze gestrichen. Rivale Toyota fährt derweil kräftige Gewinne ein. Die GM-Aktie fiel am Mittwoch an der New Yorker Börse um mehr als sechs Prozent.

Obwohl sich der Konzern beeilte, das gewaltige Quartalsminus als „buchungstechnische Größe“ zu erklären, die auf das operative Geschäft keinen Einfluss habe, sorgt die Meldung für Unruhe – vor allem an den europäischen und deutschen Standorten. Experten wie der Gelsenkirchener Auto-Professor Ferdinand Dudenhöfer rechnen damit, dass GM nun unter neuem finanziellen Druck „jeden Standort und jedes Werk auf den Prüfstand stellt“. „Es muss neu gerechnet werden“, sagte Dudenhöfer dem Tagesspiegel. Dies bleibe nicht ohne Folgen für Europa. Denkbar sei, dass GM die erfolgreiche Produktion des Opel Astra in die USA verlagere.

Erst Mitte Oktober hatten die deutsche GM-Tochter Opel und der Betriebsrat eine weitreichende Vereinbarung für das deutsche Stammwerk in Rüsselsheim getroffen. Danach soll das schlecht ausgelastete Werk in den kommenden Jahren zusätzliche Stellen und Fertigungsaufträge erhalten. Laut Betriebsrat steigt die Beschäftigtenzahl auf 3450 Mitarbeiter. Von Mitte 2008 an sollen in Rüsselsheim sechs Modelle von Opel und der GM- Marke Saab gebaut werden. In Europa hatte GM den Abbau von 12 000 Arbeitsplätzen – das Gros davon in Deutschland – 2006 fast komplett abgeschlossen.

Opel-Betriebsratschef Klaus Franz zeigte sich denn auch von den Hiobsbotschaften aus den USA wenig beeindruckt. Sie hätten keine Folgen für Europa und Deutschland. „Da müssen wir uns keine Sorgen machen, GM muss Vorgaben der US-Börsenaufsicht SEC erfüllen“, sagte Franz dem Tagesspiegel. Er räumte aber ein, dass das Geschäft in Deutschland sehr holprig läuft. Dafür gehe es in Europa umso besser. „Das, was wir in Deutschland verloren haben, konnten wir in Europa gutmachen.“ Traditionell sei das dritte Quartal für GM sehr schwierig.

GM hatte im dritten Quartal weltweit 2,38 Millionen Autos und Lkws abgesetzt, vier Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In Nordamerika fiel der Absatz um gut sechs Prozent. In Europa lief das Geschäft hingegen mit einem Plus von 15 Prozent glänzend. Der schwache deutsche Markt machte sich allerdings negativ bemerkbar. Laut Branchenverband VDA sanken die Opel-Neuzulassungen allein im Oktober um knapp 21 Prozent.

Nach Berücksichtigung der steuerlichen Abschreibungen verbuchte GMs Europa-Tochter im dritten Quartal einen Verlust von 2,9 Milliarden Dollar (2,0 Milliarden Euro). Der bereinigte Verlust erhöhte sich im Vorjahresvergleich von 39 auf 90 Millionen Dollar (62 Millionen Euro). H. Mortsiefer/R. Obertreis

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