Wirtschaft : 45 Millionen für den Porsche-Vorstand

Rekordgewinn lässt Bezüge von Wiedeking und Kollegen deutlich steigen – Betriebsrat verteidigt das

Alfons Frese

Berlin - Der Vorstand von Porsche hat ein glänzendes Jahr hinter sich. Wie das Unternehmen am Mittwoch bei der Vorlage der Bilanz in Stuttgart mitteilte, stiegen die Bezüge der sechs Führungskräfte von 26 Millionen auf 45,2 Millionen Euro. Darin enthalten sind erfolgsabhängige Zahlungen von 40,1 (Vorjahr: 20,7) Millionen Euro. Welches Vorstandsmitglied wie viele Millionen bekommt, teilte Porsche nicht mit. Vorstandschef Wendelin Wiedeking gilt mit einem geschätzten Jahreseinkommen von rund 17 Millionen Euro als der bestbezahlte deutsche Manager. Für Pensionszusagen an die Vorstände bildete Porsche zudem Rückstellungen von 26,6 (27,7) Millionen Euro.

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück bezeichnete die Vergütung des Vorstands als „angemessen“. Das Aufsichtsratspräsidium, dem er auch angehört, habe mit dem Vorstand ein niedriges Grundgehalt sowie einen variablen Anteil vereinbart. Deshalb und weil der Gewinn auf Rekordniveau sei, ist der variable Anteil dieses Mal entsprechend hoch. „Die Höhe dieses variablen Anteils hängt nicht vom Aktienkurs ab“, sagte Hück. Entscheidend seien vielmehr Gewinn und Produktivität sowie die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Dies alles in Betracht gezogen seien die Vorstandsbezüge „ausgewogen“, meinte der Betriebsratschef und wies ferner auf die Sonderzahlung für die Belegschaft hin, die er mit dem Vorstand ausgehandelt habe. Danach bekommen alle Mitarbeiter der AG für das abgelaufene Geschäftsjahr eine Prämie von jeweils 3500 Euro plus 300 Euro betrieblichen Rentenbaustein.

Ferner habe er beim Vorstand erreicht, dass 600 Millionen Euro in den deutschen Werken investiert würden. Schließlich erinnerte Hück an 1992: „Damals hatten wir sehr günstige Vorstände, die haben aber das Unternehmen fast in die Pleite geführt.“ Kurz darauf kam der heutige Chef Wiedeking zu Porsche und machte den Sportwagenhersteller zum profitabelsten Autohersteller der Welt.

Im vergangenen Geschäftsjahr sprang das Konzernergebnis vor Steuern auf 2,1 Milliarden Euro. Diesem Anstieg um rund 900 Millionen Euro liegen allerdings auch Einmaleffekte und Sondereinflüsse zugrunde. So brachte beispielsweise die Beteiligung an VW (derzeit 27,4 Prozent) einige hundert Millionen Euro. Nach Steuern blieben 1,39 Milliarden Euro übrig gegenüber 780 Millionen Euro im Vorjahr. Vom Rekordgewinn profitieren auch die Aktionäre: Die Dividende wird um einen Euro auf 5,94 (Stammaktien) und sechs Euro (Vorzüge) erhöht. Zusätzlich soll „als Ausgleich für die hohen Einmalerträge eine Sonderdividende von drei Euro ausgeschüttet werden“. Alles in allem bekommen die Aktionäre dann 157 Millionen Euro, ein Plus von 80 Prozent.

Die hervorragende Ertragslage zeigt sich auch in der Kasse: Nach eigenen Angaben stiegen die liquiden Mittel um 31 Prozent auf 4,75 Milliarden Euro. Die Nettoliquidität, mit der die liquiden Mittel abzüglich der Finanzschulden bezeichnet werden, „ist trotz des Erwerbs der Beteiligung an Volkswagen nur auf 1,88 Milliarden Euro zurückgegangen“. Für die Beteiligung an VW hat Porsche rund 4,5 Milliarden Euro gezahlt.

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