Wirtschaft : 50 000 Arbeitsplätze am Bau in Gefahr

BONN (aho).Das deutsche Baugewerbe blickt weiter düster in die Zukunft.Wie der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) am Montag in Bonn mitteilte, will die Branche in diesem Jahr rund 50 000 Arbeitsplätze abbauen: 20 000 Stellen im Westen, 30 000 im Osten.Der Grund dafür sei eine weitere "Abschwächung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" und die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen, sagte ZDB-Präsident Fritz Eichbauer.Falls die rot-grüne Regierung der Branche weitere Kosten auflade und die Investitionsbedingungen sich verschlechterten könne der "Arbeitsplatzabbau am Bau leicht in sechsstellige Dimensionen wachsen", sagte er.

Für das laufende Jahr rechnet der Verbandschef damit, daß die Bauinvestitionen real um 0,5 Prozent schrumpfen.Dabei ist die Entwicklung in West- und Ostdeutschland unterschiedlich.Der Westen könne 1999 ein leichtes Plus von 0,5 Prozent erwarten, der Osten müsse dagegen einen Abschwung der Bautätigkeit von 3,5 Prozent verkraften, sagte Eichbauer.Damit würde der Niedergang aber nicht so stark ausfallen wie 1998, als im Osten die Bauinvestitionen um 8,2 Prozent sanken.Im Westen betrug der Rückgang nominal nur 2,7 Prozent.

In den einzelnen Sparten erwartet Eichbauer unterschiedliche Entwicklungen.So sinken die Investitionen im Wohnungs- und öffentlichen Bau leicht, dagegen stagniert der Wirtschaftsbau.Der Verbandschef erklärt diese Trends mit mehreren Faktoren.So profitierte der Wohnungsbau - in den jede zweite Mark für Bauleistungen fließe - nur noch vom Eigenheimbau wegen der staatlichen Förderprogramme.Der Geschoßausbau leide dagegen unter den verschlechterten steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten.In den neuen Bundesländern sei der Markt gesättigt, weil in den letzten Jahren viele Häuser fertiggestellt worden seien.Vom Wirtschaftsbau erhofft sich der Verbandschef einen Zuwachs, zumindest im Westen.Dort würden die Firmen ihre Kapazitäten erweitern.Im Osten dagegen schreckten viele leerstehende Gewerbeimmobilien mögliche Investoren ab.Vom öffentlichen Bau erwartet Eichbauer wegen der leeren Kassen kaum Impulse.

Heftig kritisierte der Verbandschef die Politik der rot-grünen Regierung, die das "größte Hemmnis für die wirtschaftliche Erholung der Baukonjunktur" sei: "Wir wissen heute nicht, was morgen gelten wird." Insbesondere das Steuerentlastungsgesetz belaste die Baufirmen.So habe die Regierung die Verlustzuweisungsmöglichkeiten begrenzt, was viele Immobilienfonds steuerlich uninteressant gemacht habe.Die Folge: "Ich bin sicher, wenn wir Ihnen das nächste Mal unsere baukonjunkturellen Daten präsentieren, werden wir über gravierende Investitionsrückgänge im Wohnungsbau, aber auch im Gewerbebau berichten." Eichbauer kritisierte auch die Pläne der Bundesregierung, das Schlechtwettergeld wiedereinzuführen, um die Winterarbeitslosigkeit zu bekämpfen.Ursache seien nicht die Witterungsbedingungen, wie die IG Bau behaupte, sondern mangelnde Aufträge im Winter.

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