Wirtschaft : 500 Arbeitsplätze bei Berliner Baumaschinen-Werk bedroht

Spandauer Traditionsfirma CNH steht vor dem Aus / Wirtschaftssenator Wolf kündigt den Beschäftigten seine Unterstützung an

Flora Wisdorff

Berlin - In Berlin könnten weitere Arbeitsplätze verloren gehen. Im Werk der CNH-Baumaschinen GmbH im Bezirk Spandau sollen nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Christian Fromm bis Mitte nächsten Jahres rund 500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Darüber habe das Management den Betriebsrat bereits am Dienstag informiert. Als Grund habe die Geschäftsführung eine Unterauslastung des Werkes angegeben, bei der auch auf lange Sicht keine Änderung abzusehen sei, sagte Fromm dem Tagesspiegel. Der westeuropäische Markt gestalte sich zunehmend schwierig, habe es zur Begründung geheißen.

Wirtschaftssenator Harald Wolf sagte am Mittwoch, dass der Senat alles tun werde, was in seiner Macht stehe, um die Produktion im Spandauer Werk zu erhalten. „Wir stehen in Kontakt mit der Konzernleitung und haben sie darauf hingewiesen, dass es kurzsichtig wäre, eine hochmoderne und profitable Produktion, die zum Gewinn des Mutterkonzerns beiträgt und in die erst vor einigen Jahren investiert wurde, zu schließen“, sagte Wolf. Er werde alle Optionen ausschöpfen, die Schließung abzuwenden. Sollte CNH aber an der Schließung festhalten, werde er gemeinsam mit der Belegschaft nach Alternativen suchen und alle rechtlichen Möglichkeiten nutzen, bereits ausgezahlte Subventionen von CNH zurückzufordern. Der Bau des neuen Produktions- und Verwaltungsgebäudes der Firma in der Staakener Straße ist nach IG-Metall-Angaben 1989 mit Investitionszulagen des Senats erfolgt.

Die CNH Baumaschinen GmbH ist Teil des weltweit drittgrößten Bau- und Landmaschinenherstellers CNH, einer Tochter des Fiat-Konzerns. Fiat hatte 1998 das 1876 in Berlin gegründete Traditionsunternehmen Orenstein und Koppel vom Krupp-Konzern übernommen. Am Berliner Standort werden nach IG-Metall-Angaben jährlich 2000 Grader, Lader und Mobilbagger entwickelt und produziert.

Der Betriebsratsvorsitzende sieht den Grund für den Nachfrageeinbruch bei einem Managementfehler. Im März dieses Jahres hatte die Geschäftsführung beschlossen, die Traditionsmarke Orenstein und Koppel zusammen mit drei anderen Marken des Konzerns in eine einzige Marke aufgehen zu lassen, die Marke „New Holland“. Das habe nicht den Wünschen der Kunden entsprochen, die Händler hätten Probleme gehabt, die neue Marke zu verkaufen, sagte Fromm. Am Mittwoch wurde im Spandauer Werk eine Betriebsversammlung abgehalten. Zunächst wolle man die Geschäftsführung nun auffordern, auch die Betriebsräte an den anderen Standorten in Deutschland über die Pläne zu informieren, zudem werde der Betriebsrat nun strategische Absprachen mit der IG Metall halten, sagte Fromm. Das Werk müsse erhalten werden, sagte er. Ein Sprecher der Unternehmensführung in Italien war am Mittwoch nicht zu erreichen.

Orenstein und Koppel hat Ende des letzten Jahrhunderts Feldbahn- und Dampflokomotiven gefertigt, sowie Reisezugwagen und Güterwaggons. Die Geburtsstunde des ersten Löffelbaggers weltweit hat in Spandau stattgefunden, im Jahr 1908.

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