Wirtschaft : 529 530 810 000 Euro

Rund 800 Geldhäuser nehmen bei der Europäischen Zentralbank einen billigen Drei-Jahres-Kredit auf.

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Frankfurt am Main - Europas Banken, aber offenbar auch europäische Ableger amerikanischer und asiatischer Banken haben das zweite Angebot der Europäischen Zentralbank (EZB) für einen billigen Drei-Jahres-Kredit großzügig angenommen. Brutto teilten die Währungshüter am Mittwoch 800 Instituten exakt 529 530 810 000 Euro und damit mehr als eine halbe Billion Euro zu. Da viele Institute aber kürzer laufende Zentralbankkredite auf das lange Darlehen umstellten, flossen netto nur 310 Milliarden Euro an die Banken.

Die EZB will damit Finanzierungsengpässe beheben, weil sich die Banken nach wie vor gegenseitig kaum Geld leihen. Mit dem Zentralbank-Geld soll auch die vor allem in den Euro-Krisenländern schwache Kreditvergabe belebt und letztlich die Wirtschaft gestützt werden. Beim ersten so genannten Drei-Jahres- Tender (LTRO) im Dezember 2011 hatten sich 523 Banken knapp 490 Milliarden Euro geliehen, netto waren es damals 210 Milliarden Euro.

Details über den zweiten LTRO gab die EZB am Mittwoch nicht bekannt. Dem Vernehmen nach soll allerdings die stärkste Nachfrage aus den südeuropäischen Ländern gekommen sein, vor allem aus Italien und Spanien. Ähnlich war es auch im Dezember. Die deutlich gestiegene Zahl der Banken, die den Kredit jetzt in Anspruch nimmt, rührt, so ist in Frankfurt zu hören, vor allem daher, dass sich zahlreiche mittelgroße und kleinere Institute gemeldet haben. Wie viel Geld sich deutsche Institute besorgt haben, ist nicht bekannt. Angeblich soll sich die Commerzbank für ihre schwer angeschlagene Immobilien- und Staatsfinanzierungstochter Eurohypo zehn Milliarden Euro besorgt haben. Britische Banken hatten angekündigt, sie wollten sich einen zweistelligen Milliarden-Betrag leihen.

Wie die Banken das Geld einsetzen, ist offiziell nicht bekannt. Brutto sind ihnen mit den beiden Drei-Jahres-Krediten mehr als eine Billion Euro zugeflossen, netto sind es 520 Milliarden Euro. Beobachter zufolge lösen die Institute damit kürzer laufende Refinanzierungsgeschäfte mit der EZB ab (üblicherweise laufen sie maximal sechs Monate), oder sie ersetzen damit fällige Anleihen. Europas Institute müssen 2012 Anleihen im Volumen von einer halben Billion Euro tilgen. Banken in Euro-Krisenländern wie Spanien und Italien nutzen das billige EZB-Geld, für das sie nur einen Zins von einem Prozent zahlen, auch, um dafür deutlich höhere mit fünf oder sechs Prozent verzinste Staatsanleihen des eigenen Landes zu kaufen. Das ist ein gutes Geschäft.

Kritiker halten der Zentralbank vor, sie finanziere so indirekt die Krisenstaaten und setze die falschen Anreize. Allerdings legen die Banken, die sich gegenseitig misstrauen, nach wie vor auch riesige Beträge bei der EZB an, obwohl sie dafür nur 0,25 Prozent Zinsen erhalten und ein Verlustgeschäft machen: Am Mittwoch waren es 481 Milliarden Euro.

Der Bundesverband Deutscher Banken begrüßte den zweiten billigen Drei-Jahres-Kredit der EZB, von EZB-Präsident Mario Draghi auch als „Dicke Bertha“ tituliert,. Damit helfe die Notenbank bei der Eindämmung der Staatsschuldenkrise. Allerdings dürften darüber die Restrukturierung der Banken, die Haushaltskonsolidierung und notwendige Strukturreformen nicht vergessen werden, sagte Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer. Auch der Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) lobte den Schritt der EZB. Schon durch den ersten Kredit im Dezember hätten sich die Märkte stabilisiert. Kritik kommt dagegen von der Rating-Agentur Fitch. Sie hält den Notenbankern vor, mit dem billigen Geld den Zusammenbruch angeschlagener Banken hinauszuzögern.

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