Wirtschaft : 6400 Stellen weniger – trotz dicker Gewinne

Vorstandssprecher Ackermann baut Personal im Investmentbanking und der Geschäftsabwicklungab

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank streicht weltweit 6400 Stellen, obwohl sie im Geschäftsjahr 2004 so viel verdient hat wie seit vier Jahren nicht mehr. Der Gewinn nach Steuern stieg um 90 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Von ihrem selbst gesteckten Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent ist das Institut allerdings noch weit entfernt. 2004 lag sie bei 17 Prozent.

Vorstandssprecher Josef Ackermann verschärft deshalb den Sparkurs: Weltweit wird die Bank noch einmal fast zehn Prozent ihrer derzeit 65400 Stellen streichen – vor allem im Investmentbanking und den Bereichen für die Geschäftsabwicklung, dem so genannten Backoffice. Allein 2700 Arbeitsplätze fallen im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung weg. Im Gegenzug sollen in Ländern mit niedrigeren Kosten 1200 Stellen geschaffen werden. Ackermann nannte diesen Prozess am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz „Smartsourcing“.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi reagierte empört: „Es ist nicht akzeptabel, wenn eine Bank mit goldgeränderter Bilanz gleichzeitig Personal abbaut“, sagte Uwe Foullong, im Verdi-Vorstand für Banken und Versicherungen zuständig. Der Personalabbau müsse gestoppt werden. Die Börse reagierte hingegen freundlich: Die Aktie der Deutschen Bank stieg bis Handelsschluss um 1,3 Prozent auf 66,88 Euro.

Seit Ackermanns Amtsantritt im Mai 2002 sind bereits 19000 Stellen bei der Deutschen Bank weggefallen. In Deutschland sollen es im Zuge des neuen Sparkurses noch einmal 1900 weniger werden. Hierzulande arbeiten derzeit noch gut 27000 Menschen für die Deutsche Bank, sie macht aber nur noch ein Drittel ihrer Erträge im Inland. Der neuerliche Personalschnitt wird rund 1,3 Milliarden Euro kosten, wobei der größte Teil auf Abfindungen entfällt. Im Schnitt werden pro Kopf 200000 Euro gezahlt. Das „Smartsourcing“ soll vor allem Arbeitsplätze in Indien, China und in Osteuropa schaffen. Es gebe aber auch Verlagerungen von Großbritannien nach Deutschland, sagte Vorstandsmitglied Hermann Lamberti. Der Standort London ist auch der Deutschen Bank zu teuer geworden. Den Aufwand für die Restrukturierung hält Ackermann für überschaubar, zumal bereits ab 2006 die Kosten um 1,2 Milliarden Euro pro Jahr sinken sollen. „Wir müssen alles tun, um die Kosten zu reduzieren“, sagte Ackermann. Das Jahr 2004 sei insgesamt ein „äußerst erfolgreiches Jahr“ gewesen. Die Dividende soll deshalb zum dritten Mal hintereinander um 20 Cent auf 1,70 Euro angehoben werden.

Das neu aufgelegte Programm umfasst nach den Worten Ackermanns auch die Neuausrichtung des weltweiten Aktien- und Anleihegeschäfts, Veränderungen im Firmenkundengeschäft, in der Vermögensverwaltung und eine Stärkung des Geschäftes in Deutschland. Details nannte Ackermann allerdings nicht. Die Bank wolle mit fester Verankerung in Deutschland weltweit eine führende Rolle spielen. Die Übernahme einer anderen deutschen Großbank schloss Ackermann am Donnerstag kategorisch aus. Dies würde die Deutsche Bank angesichts von „Renditen im Null-Bereich bei der Konkurrenz“ nur nach unten ziehen. „Wir stünden nach einer Übernahme schlechter da.“ Auch müssten massiv weitere Arbeitsplätze abgebaut werden.

Ackermann sieht den deutschen Marktführer auch international gut aufgestellt. Aber: „Bei der Marktkapitalisierung liegen wir nur auf Platz 23. Damit sind wir nicht zufrieden.“ Um nach vorne zu kommen, müsse die Eigenkapitalrendite – nach Steuern und ohne Berücksichtigung der Kosten für den Stellenabbau – weiter verbessert werden. Das Renditeziel 25 Prozent relativierte er mit den Worten, die Marke sei nur eine Modellgröße. „Das wird hochstilisiert. 25 Prozent sind weltweit in der Branche Standard.“

2004 steigerte die Deutsche Bank ihr Vorsteuerergebnis um 50 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss verbesserte sich um 87 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro. So viel hat die Bank seit 2000 nicht mehr verdient. Die Erträge stiegen um drei Prozent auf 21,9 Milliarden Euro. Der Privat- und Geschäftskundenbereich habe mit einem bereinigten Gewinn vor Steuern von einer Milliarde Euro sein ehrgeiziges Ziel erreicht und bleibe Nummer eins in Deutschland, sagte Ackermann. „Deutschland ist für uns ein hochprofitables Geschäft, und da wollen wir weiter wachsen.“

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