• 660 Millionen für Frankfurter Flughafen Anteile an der Fraport AG werden in zwei Schritten veräußert / Hessen will Anteil behalten

Wirtschaft : 660 Millionen für Frankfurter Flughafen Anteile an der Fraport AG werden in zwei Schritten veräußert / Hessen will Anteil behalten

Flora Wisdorff

Berlin - Der Bund hat sich von seinem gut 600 Millionen Euro schweren Anteil an Europas zweitgrößtem Flughafenbetreiber Fraport getrennt und kann damit das Haushaltsloch wie geplant ein wenig verkleinern. Die Beteiligung von 18,2 Prozent an der Fraport AG wurde in zwei Schritten veräußert. Händlern zufolge wurden 10,6 Millionen Aktien zu je 38,40 Euro – also 407 Millionen Euro – an der Börse platziert. Nach Angaben der Rothschild Bank, die den Bund bei dem Verkauf berät, hat die Investmentbank JP Morgan über eine Kaufoption weitere sechs Millionen Fraport-Aktien übernommen, um eine Umtauschanleihe zu begeben.

Der Verkauf ist Teil der Gesamtprivatisierung des Bundes für das Jahr 2005, die im Haushalt mit 17 Milliarden Euro eingestellt sei, sagte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums in Berlin. „Wir sind mit Fraport auf gutem Wege, dieses Ziel zu erreichen“, sagte der Sprecher.

Nur so konnte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) es im Frühjahr schaffen, einen verfassungsgemäßen Haushaltsentwurf für dieses Jahr zu präsentieren, bei dem die Neuverschuldung nicht höher als die Investitionen ausfallen darf. Im Juli hatte Eichel bereits jeweils 7,3 Prozent von Post und Telekom verkauft. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hatte diese zunächst über ein so genanntes Platzhaltergeschäft übernommen. Die KfW wird die Anteile weiter verkaufen, wenn die Marktlage günstig dafür ist. Rund fünf Milliarden Euro wird der Verkauf für den Haushalt 2005 bringen. Jetzt hält der Bund gar keine direkten Anteile mehr an der Post, an der Telekom ist er noch mit 15,4 Prozent beteiligt.

Die Opposition hatte Eichel im Juni vorgeworfen, das Tafelsilber des Landes zu verscherbeln, um die Haushaltslöcher zu stopfen. Eichel konterte damit, dass es ordnungspolitisch sinnvoll sei, Unternehmen zu privatisieren, weil diese so effizienter seien. Hintergrund der CDU-Kritik war aber vor allem, dass der Zeitpunkt des Verkaufs nicht sehr günstig für einen maximalen Erlös auf dem Markt war. Das Parken der Anteile bei der KfW kostet den Bund einen Abschlag. Die größte Beteiligung, die der Bund derzeit noch hält, ist die Bahn, und zwar zu hundert Prozent – allerdings sollen die Erlöse beim geplanten Börsengang ausschließlich dem Unternehmen zugute kommen (siehe nebenstehenden Text).

Ansonsten bleibt dem Bund nicht mehr allzu viel Vermögen – er hält noch Beteiligungen an den Flughäfen Köln/Bonn, München und Berlin sowie 100 Prozent an der Deutschen Flugsicherung. Auch an der Duisburger Hafengesellschaft und den Osthannoverschen Eisenbahnen ist er beteiligt. Wie die Privatisierungsstrategie für den Haushalt 2006 aussieht, wird derzeit von Union und SPD diskutiert.

Dieter Vesper vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mahnt an, dass die Privatisierungen nicht immer Sinn machten. „Man muss abwägen, dass durch den Verkauf auch der stetige Fluss von Gewinnausschüttungen wegfällt“, sagt Vesper. Zudem müsse der Staat beachten, dass er dann keine strategischen verkehrspolitischen Ziele mehr verfolgen könne, wenn er etwa Flughafenanteile verkaufe.

Die im M-Dax notierte Fraport-Aktie verlor am Mittwoch 0,77 Prozent auf 39,73 Euro. Der Flughafenbetreiber war 2001 an die Börse gebracht worden. Durch den Verkauf von 10,6 Millionen Aktien des Bundes erhöht sich der Kreis der freien Aktionäre des Flughafenbetreibers auf 41,3 Prozent. Nach Ausübung der Kaufoption durch die Investmentbank JP Morgan seien es sogar 47,9 Prozent. „Das macht die Aktie aus Anlegersicht attraktiver“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Das Land Hessen und die Stadt Frankfurt am Main machten keinen Gebrauch von ihrem Vorkaufsrecht. Hessen hält 31,8 Prozent, Frankfurt 20,3 Prozent an Fraport.

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