Wirtschaft : 80 Jahre sind kein Alter

Das DIW feiert und erinnert sich an goldene Zeiten

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Berlin - So erfolgreich ist das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin, dass der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) es zum 80. Geburtstag voll vereinnahmt. „Es gibt mehrere Institute in Deutschland, aber es gibt eben nur ein Hauptstadtinstitut“, sagte er am Montagabend in seiner Ansprache beim feierlichen, von Sponsoren finanzierten Galadiner.

Das schönste Geburtstagsgeschenk für das DIW dürfte indes seine gesicherte Zukunft sein. Denn nach einer unabhängigen Bewertungsgruppe befürwortet nun auch der Senat der Leibniz-Gemeinschaft eine weitere öffentliche Förderung.

Im Gründungsjahr 1925 war die Welt in Ordnung, erinnerte Wowereit. „Berlin war der bedeutendste Industriestandort des Kontinents“, sagte er. „Für Berlin schien es nur bergauf zu gehen.“ Doch dann kamen die Weltwirtschaftskrise, die NS-Zeit, der Krieg und vor allem die Teilung Berlins, die verhinderte, dass Berlin seine wirtschaftliche Bedeutung behielt.

Ex-Daimler-Benz-Chef Edzard Reuter warnte davor, die Lage schlecht zu reden. Der Wandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft sei nicht aufzuhalten, doch diene die Globalisierung häufig als Vorwand. „Ernsthaft, nüchtern und ehrlich“ sei darüber zu sprechen. Doch Ökonomen trügen zur Verunsicherung bei. „Es soll Leute geben, die ganz genau wissen, wie viele Arbeitsplätze entstehen, wenn man die Lohnnebenkosten um einen halben Prozentpunkt senkt.“

Dass sich das DIW gleichwohl am Markt behauptet habe „als das größte und eines der erfolgreichsten“ deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, hob Wowereit hervor – und verwies auf die „kräftige Dynamik“, die es in einem seiner jüngsten Wochenberichte in Berlin ausgemacht hatte. Vor allem bei überregional gehandelten Dienstleistungen entwickle sich Berlin zu einem wichtigen Standort.

„Das war natürlich noch ein Bericht vor Mehdorn“, sagte Wowereit mit Blick auf die Umzugspläne des Bahn-Chefs. Einen Seitenhieb platzierte er gleich zu Beginn. „Ich bin eingeladen worden, um einen einstündigen Vortrag zur Bahn zu halten“, sagte er den zunächst irritierten Honoratioren, „aber ich glaube, ich komme lieber zu etwas Erfreulicherem.“ Doch bei aller Liebe zum DIW: Die Tischgespräche im Ritz-Carlton-Hotel neben dem Bahn-Tower drehten sich vor allem um Mehdorn und Berlin. mod

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