Wirtschaft : 80 Jobs zu vergeben

In Berlin produziert Siemens die größte Gasturbine der Welt – und ist einer der größten Arbeitgeber

Bernd Hops

Die größte Gasturbine der Welt wird aus Berlin kommen. Hier wurde sie entwickelt, die Produktion läuft. Ein bayerischer Versorger wird eine Turbine mit einer Leistung von 340 Megawatt erhalten. Der komplette Strombedarf Hamburgs könnte damit gedeckt werden. Hersteller der Turbine: Siemens.

In der Hauptstadt geht es dem Elektrokonzern gut. Der Standort profitiert vor allem vom weltweit zunehmenden Bedarf an Energie – durch das Bevölkerungswachstum, die Verstädterung in den Schwellenländern oder auch die Modernisierung der Kraftwerke in den Industriestaaten. Damit spielt Berlin eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die von Konzernchef Kleinfeld definierten Megatrends abzudecken. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Gerd von Brandenstein, Chef des Berliner Leitungsbüros, mit einem Anstieg des Produktionsvolumens um 200 Millionen auf 2,7 Milliarden Euro. Das schlägt sich positiv bei der Beschäftigung nieder. Unterm Strich seien dieses Jahr schon 150 zusätzliche Stellen besetzt worden, erklärt von Brandenstein. 80 Stellen seien noch offen. „Allerdings ist es schwierig, sie zu besetzen“, sagt der Berliner Siemens-Chef. Denn es werden vor allem erfahrene Facharbeiter und Ingenieure gesucht.

Zusätzlich schafft Siemens indirekt in der Region Arbeit. Jedes Jahr kauft der Standort weltweit für 1,5 Milliarden Euro Waren und Dienstleistungen ein, 400 Millionen davon gehen an Zulieferer in Berlin und Brandenburg.

Siemens wurde 1847 in Berlin gegründet und beschäftigt hier heute rund 14 000 Menschen. Die Hauptstadt ist damit der größte Fertigungsstandort des Konzerns weltweit, obwohl der Vorstandssitz seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs München ist. Seit dem Regierungsumzug nach Berlin hat die Anziehungskraft der Metropole wieder zugenommen. „Es ist zwingend, dass man in der Hauptstadt präsent ist“, sagt von Brandenstein. Dieses Jahr wird auch – das fünfte Jahr in Folge – die Siemens Business Conference in Berlin stattfinden. 400 bis 450 der wichtigsten Manager des Konzerns aus aller Welt kommen zusammen. Das stärkt das Renommee des Standorts.

Neben dem Geschäft mit Gasturbinen hat Siemens in Berlin ein Dynamo- und ein Schaltwerk. Die 100-prozentige Tochter Osram liefert Beleuchtungsmittel. Außerdem wird hier Verkehrstechnik produziert und ein Teil des Antriebs beim Transrapid. Bei der Gesundheitstechnik kooperiert Siemens unter anderem mit der Charité.

Unsicherheit herrscht bei der Telekommunikationsausrüstung. Die Sparte „Com“ hat rund 2000 Mitarbeiter in Berlin. Der Teil mit der Technik für Fest- und Mobilnetze wird in ein Joint Venture mit Nokia eingebracht. Was das für den hiesigen Standort bedeutet, ist noch nicht geklärt. Siemens-Manager von Brandenstein ist aber optimistisch: „Berlin hat mit dem Festnetz eine Perle.“ Auch Betriebsratschef Georg Nassauer sieht „sehr positive Ansätze“, denn „Nokia hat hier bisher gar nichts“. Auch bei mobilen Netzwerken sei Berlin relativ gut aufgestellt, sagt Nassauer. Unklar ist dagegen die Zukunft beim Netzgeschäft für Firmenkunden. Für die Sparte mit 380 Berliner Beschäftigten wird noch ein Käufer gesucht.

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