90 Jobs bedroht : Berliner Großbäckerei macht dicht

Erst vor einem guten Jahr hatte die Großbäckerei Havelbäcker den Betrieb in Weißensee übernommen. Nun ist schon wieder Schluss - gebacken wird nur noch in Brandenburg.

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Keine Brötchen backen - die Produktionsstätte in Weißensee wird geschlossen.
Keine Brötchen backen - die Produktionsstätte in Weißensee wird geschlossen.Foto: dpa

Die Großbäckerei Pro-hav in Berlin-Weißensee wird geschlossen. Betroffen sind 89 der insgesamt 114 Arbeitsplätze. Bereits am Sonnabend wurde die Belegschaft von der Geschäftsführung informiert, wie Frank Gebauer, Sprecher der Geschäftsführung der Pro-hav GmbH, sagte. Zuvor war auf dem schwarzen Brett des Unternehmens lediglich eine Betriebsversammlung angekündigt worden.

Derzeit stehe man in Verhandlungen mit den Betriebsräten, um eine sozial verträgliche Lösung für die Entlassenen zu finden. Grund für die Schließung seien eine dauerhafte Überproduktion und die im Vergleich zum Standort in der Wustermark höheren Arbeitskosten. „Insgesamt ist die Bäckerei ein hoher Kostentreiber gewesen. Wir haben dort hohe Verluste eingefahren“, so Gebauer.

Erst im Sommer 2011 hatte Der Havelbäcker die Produktionsstätte von Kamps übernommen und mitgeteilt, Arbeitsplätze in Berlin sichern zu wollen. Für den Betrieb wurde eigens die Pro-hav GmbH gegründet. Die Mitarbeiter haben vor allem Brot, Brötchen und Kuchen gebacken. Der Havelbäcker ist eine Tochter des Backkonzerns De Mäkelbörger mit rund 1500 Mitarbeitern.

In Zukunft soll allein in Wustermark produziert werden. Eine Erweiterung des Standorts sei aber nicht geplant – es gebe genügend Kapazitäten, teilte Gebauer weiter mit. Arbeitsplätze in den Filialen von Der Havelbäcker sollen nicht abgebaut werden. Auch Mitarbeiter im Innen- und Außendienst blieben an ihrem Standort.

„Das ist ein Stück aus dem Tollhaus“, sagte Uwe Ledwig, Geschäftsführer der Gewerkschaft für Nahrung, Genuss und Gaststätten (NGG) in Berlin Brandenburg. Die Mitarbeiter seien zur Arbeit gekommen, nur damit ihnen mitgeteilt wurde, dass sie wieder gehen könnten. „Stil sieht anders aus.“ Bisher sei außerdem nicht geklärt, wie das Unternehmen die Rechtsansprüche der entlassenen Mitarbeiter erfüllen wolle. Je nach Vertrag stehen den Entlassenen sowohl Übergangszahlungen als auch befristete Weiterbeschäftigungen zu. Da die Bäckerei in Weißensee kaum noch Gewinne erwirtschafte, sei unklar, ob genügend Geld für diese Leistungen vorhanden ist. „Wie man dort mit Informationspflichten umgeht, ist ja schon ein Stück weit haarsträubend“, sagte Ledwig.

Die NGG will zunächst am Interessenausgleich des Betriebsrats mitwirken und nach alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten für die Entlassenen suchen. Erst dann plant die Gewerkschaft, über Sozialpläne zu verhandeln. Die restlichen 25 Mitarbeiter in Berlin-Weißensee sollen nach Angaben des Unternehmens weiter im Vertrieb arbeiten.

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