[Kommentare: 16]

Interview

"Es wäre besser, wir ändern uns freiwillig"

Die Welt gerät aus den Fugen – und es wird noch schlimmer, sagt der Wissenschaftler Dennis Meadows. Doch immerhin: Barack Obama habe wirklich smarte Leute engagiert.
Anzeige
Bild vergrößern
Zukunftsforscher Dennis Meadows. - Foto: Mike Wolff
Herr Meadows, die Welt taumelt von einer Krise in die nächste. Sie können zufrieden sein.

Wieso denn? Nein, ich bin ganz und gar unglücklich über die Probleme, die die Finanzkrise bringt.

Allein in diesem Jahr hat die Zahl der Hungernden um fast 100 Millionen Menschen zugenommen, das Schmelzen des Packeises in der Arktis zeigt an, dass der Klimawandel sich beschleunigt – und die Öl produktion beginnt zu sinken. Sie haben das wissenschaftlich vorhergesagt, das muss Sie doch mit Befriedigung erfüllen.

Ich habe nichts in diesem Sinne vorhergesagt. Ich habe – mit anderen Kollegen – damals 13 verschiedene Szenarien entwickelt, wie sich die Menschheit entwickeln könnte. Einige mündeten in Katastrophen, fünf davon waren höchst attraktiv. Sie hießen etwa „Nachhaltige Entwicklung“ oder „Leben im Gleichgewicht“. Viele Medien haben sich nur die katastrophalen Teile herausgepickt. Nein, nein, glücklich wäre ich nur, wenn die Menschen auf uns gehört hätten. Und leider muss ich Ihnen sagen: Was wir derzeit an Krisen erleben, ist nichts im Vergleich zu dem, was uns in 10 bis 15 Jahren droht.

Sie schlagen nun lauter Alarm denn je?

Was würde es nützen? Ich wäre ja wie ein Brite, der in Frankreich Englisch spricht und, wenn ihn keiner versteht, sehr viel lauter Englisch spricht in der Hoffnung, dies würde helfen.

Die „FAZ“ schrieb über Sie: „Er schöpft seine Kraft aus der schaurigen Lust am Weltuntergang.“ Was gibt’s da zu lachen?


So ein Unsinn. Ich habe mich nie als Untergangspropheten verstanden. Ich sehe mich eher als Navigator am Radarschirm eines Schiffes. Der sieht auch: Wenn der Kapitän Kurs hält, wird das Schiff mit dem Eisberg kollidieren. Darum rennt er zum Kapitän und sagt: Sie müssen den Kurs ändern! Hätte ich 36 Jahre lang den Apokalyptiker gegeben, wäre ich ja längst verrückt geworden.

Immerhin begreifen heute viele Menschen, dass die Lage nun wirklich sehr ernst wird. Haben Sie viel zu früh Alarm geschlagen?

Das hängt von der Absicht ab. Wenn ich gewarnt hätte, um die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen, dann war es 1972 zu früh. Aber wir wollten ja erreichen, dass wichtige Leute frühzeitig einen Wandel in Gang setzen. Damals lebte die Menschheit noch weit unterhalb der Grenzen der ökologischen Belastbarkeit des Planeten. Es gab noch die Chance, abzubremsen und zu einem friedlichen Gleichgewicht zu kommen. Heute haben wir diese Grenze schon um 30 Prozent überschritten – und alles beschleunigt sich noch.

Der jüngst verstorbene Science-Fiction-Autor Michael Crichton sagte mal spöttisch: „Ich habe mich die längste Zeit meines Lebens mit Ängsten herumgeschlagen, die sich später als unbegründet erwiesen.“

So kann man das nicht sehen. Ein Beispiel: Die befürchtete Vogelgrippe-Pandemie ist nicht eingetreten, ja. Das heißt doch nicht, dass es nicht geschehen kann. Wegen der Warnungen hat die Weltgesundheitsorganisation ein Alarmsystem eingerichtet, und wir sind nun viel besser vorbereitet. Unsere Prognosen von 1972 werden inzwischen bestätigt, und der Moment, um eine sinnvolle, friedliche Entwicklung zu starten, wurde verpasst. Aber selbst heute können wir aktiv immer noch eine bessere Zukunft schaffen, als wenn wir gar nichts tun.

Hat sich denn seit 1972 etwas positiv entwickelt?

Selbstverständlich. Die Ausbildung unserer Kinder und das allgemeine Bewusstsein der Bevölkerung für die globalen Umweltprobleme haben sich dramatisch verbessert. Wir haben einen enormen Fortschritt bei den Technologien für erneuerbare Energien, und früher waren Umweltministerien völlig unbekannt, jetzt gibt es sie überall.

Sie haben als 27-Jähriger mit der Arbeit über diese Themen begonnen, als kaum jemand darüber auch nur nachdachte. Wie kam’s dazu?

Durch eine ganz persönliche Erfahrung. Nach meiner Promotion bekam ich eine Professur beim MIT in Boston, aber ich fuhr lieber mit drei Freunden ein Jahr lang von London kreuz und quer bis nach Sri Lanka und zurück, 100 000 Kilometer.

Mit der Bahn hoffentlich.

Mit zwei Landrovern. Diese Reise hat mich sehr geprägt. Ich komme aus den Vereinigten Staaten, wo die Menschen ein schlichtes Gemüt haben. Das 18. Jahrhundert ist für uns eine längst vergangene Zeit, an die niemand mehr denkt. Plötzlich war ich in Gegenden, die seit Tausenden von Jahren von Kulturvölkern besiedelt sind. In Afghanistan las ich, dass 50 verschiedene Zivilisationen dieses Land beherrscht haben – noch vor den Russen. So bekam ich ein ganz anderes Verständnis für die langzeit liche Dynamik gesellschaftlicher Entwicklung. Als ich zurück am MIT war und die Chance hatte, solche Langzeitthemen zu bearbeiten, fand ich das wahnsinnig interessant.

Herr Meadows, in Deutschland ist die Wirtschaft seit 1990 um 50 Prozent gewachsen, während der Energieverbrauch konstant blieb. Könnte das weltweit Schule machen?

Was in Deutschland und Japan geschieht, ist leider die Ausnahme. Der Rest der Welt tickt anders. Im Übrigen: Wenn man die Energie mitrechnet, die für die Herstellung jener Waren verbraucht wird, die Deutschland aus China und anderen Ländern importiert, ist die Bilanz viel schlechter. Ohnehin stehen viele Schwellenländer erst am Beginn ihrer Industrialisierung, insofern ist ihr Energieverbrauch nicht mit dem in Deutschland vergleichbar.

Manche argumentieren so: All unsere Anstrengungen, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken, sind nutzlos, weil allein der Zuwachs in China unsere Einsparungen um ein Vielfaches überschreitet.

Diese Leute wollen nur ihre geschäftlichen Interessen schützen. Ihr Argument ist schon deshalb falsch, weil die Minderung der Emissionen nicht nur dem Klimaschutz dient, sondern auch den Energieverbrauch senkt, was ganz unabhängig vom Klimaproblem langfristig viel Geld spart.

Im Rückblick, was war Ihr größter Fehler?

Wir haben die Eigendynamik der ökologischen Zerstörung unterschätzt. In unseren Modellen wurden die Umweltschäden automatisch geringer, wenn wir eine Minderung der Produktion annahmen. Beim Klimawandel erfahren wir nun: Selbst wenn der weltweite CO2-Ausstoß sofort auf null fallen würde, könnte der schon begonnene Klimawandel sich beschleunigen, weil es Effekte der Rückkoppelung gibt. Ist zum Beispiel die Eisdecke in der Arktis erst mal weg, dann nimmt die dunkle Wasseroberfläche dort viel mehr Wärme auf, die Erwärmung geht weiter ... Und es gibt noch viele solcher Mechanismen.

Könnte es sein, dass das Ökosystem der Erde viel widerstandsfähiger ist als angenommen und dass die Menschheit weit innovativer und flexibler ist, als Sie denken?

Ja. Das hoffe ich sogar. Nur sind Hoffnungen eine schwache Basis für politisches Handeln. Staaten ziehen ja auch nicht in den Krieg nur mit der Hoffnung, es werde schon irgendwie gut gehen, sie rechnen mit einem Sieg. Ich halte es eher mit dem Prinzip der Pokerprofis: Wer es sich nicht leisten kann zu verlieren, der sollte nicht spielen. Und was das globale Ökosystem angeht, können wir uns wirklich nicht leisten zu verlieren.

Große Hoffnungen gibt es nun in Amerika. Das Land bekommt einen neuen Präsidenten, und das britische Magazin „Economist“ titelte: „Die große Erwartung“. Sind Sie auch enthusiastisch?

Zunächst mal: 47 Prozent der Wähler entschieden sich für McCain. Das bedeutet, ein großer Widerstand bleibt. Ich war ganz stark für Barack Obama. Doch ich bin unsicher, was er leisten kann. Er erbt so viele Probleme, dass er womöglich all seine Zeit dafür braucht, aus dem Irak rauszukommen und mit einer Staatsverschuldung fertig zu werden, die jetzt doppelt so groß ist wie vor acht Jahren. Da fällt es schwer, magische Veränderungen etwa beim Klimaschutz zu erwarten. Obama hat zumindest den Vorteil, dass er nicht mit dem Geld der Ölkonzerne gewonnen hat. Er muss allerdings Gesetze durch einen Kongress bringen, wo viele Abgeordnete und Senatoren die Interessen der Öl- und Autoindustrie verteidigen.

Sie sind ein knochenharter Pessimist.

Nein, ich bin nur realistisch veranlagt. Ich habe ursprünglich Betriebswirtschaft studiert, ich bin gelernter Manager. Und ich kenne das System in Washington.

Wenn Sie Obamas wichtigster Berater wären, was würden Sie empfehlen?

Es gibt keinen Zauberknopf, auf den ich drücken könnte. Es muss immer um ein ganzes Bündel von Maßnahmen gehen, und Obama hat in seinem Wahlprogramm viele gute Ideen. Aber es gibt etwas, was essenziell wäre, worüber er nie gesprochen hat: den Zeithorizont! Alle möglichen Lösungen für unsere großen Probleme – Klima, Energie, Verschuldung – beinhalten, dass wir kurzfristig Opfer bringen müssen, damit wir langfristig gewinnen. Wenn wir künftig billigere und saubere Energie haben wollen, müssen wir sie jetzt teurer machen. Wenn wir eine zukunftsfähige Industrie wollen, müssen wir jetzt dafür sorgen, dass auf kurze Frist die Gewinne schrumpfen. Der Zeitraum aller Planung müsste erheblich ausgeweitet werden!

Das klingt fantastisch. Doch im Moment wird nicht mal an übermorgen gedacht.

Diese Orientierung an kurzfristigen Zielen ist nicht naturgegeben! Wenn jemand Kinder großzieht, denkt er auch lange voraus und bringt dafür Opfer. Zur Förderung des langfristigen Denkens gibt es Stellschrauben: zum Beispiel niedrige Zinsen und damit niedrige Gewinnerwartungen. Hohe Renditen verführen Investoren, nur auf kurze Frist zu planen.

Gerade konnte man lernen, dass die vom Ex-Notenbankpräsidenten Alan Greenspan verfügten niedrigen Zinsen die Finanzkrise erst heraufbeschworen haben.

Und warum? Nur, weil er andere nötige Regulierungen unterlassen hat. Eine weitere nötige Änderung für die Zukunft wäre, nicht mit jedem neuen Präsidenten die gesamte Führungsriege des Landes auszuwechseln. All diese Leute haben zwangsläufig eine kurze Perspektive und wiederholen oft nur die Fehler ihrer Vorgänger. Eine weitere Möglichkeit wäre die Einsetzung eines Rats aus Experten für Nachhaltigkeit, der völlig unabhängig von der Regierung ist und wichtige Veränderungen öffentlich fordern darf.

Derzeit fordert Obama etwas: Milliardensubventionen – ausgerechnet für die Autoindustrie.

Mag sein. Ich höre andererseits aus dem privaten Bekanntenkreis, dass Obama wirklich smarte Leute engagiert, um wichtige Behörden zu leiten. Die Richtung stimmt jedenfalls.

Wirklich? Ihre zentrale Forderung lautet: Wir sollten lernen, mit weniger Konsum zu leben.


Wir werden sowieso bald weniger konsumieren müssen. Ich sage nur, es wäre besser, wir änderten freiwillig unseren Lebensstil, damit es uns nicht unglücklich macht, wenn es erzwungen wird.

Sie glauben tatsächlich, der Kapitalismus könnte sich den ökologischen Notwendigkeiten anpassen?

Ja sicher. Es geht nicht um den Kapitalismus an sich, sondern um das politische System, das ihn steuert. Wenn wir Regierungen hätten, die – unterstützt von ihren Wählern – entschlossen sind, Nachhaltigkeit in der Wirtschaft durchzusetzen, dann geht das auch, ohne den Kapitalismus als solchen abzuschaffen. Davon bin ich überzeugt.

Die Partei der Grünen erlebte hierzulande ein schönes Desaster, als sie einmal forderte, der Preis für einen Liter Benzin solle durch Steuern auf fünf D-Mark angehoben werden. Die Leute wollen solche Botschaften nicht hören.

Weil sie in einem Käfig der Verdummung gefangen sind. Wenn wir wirklich einige mutige Führer hätten, die den Menschen jeden Tag erklären, dass der Wandel zwingend nötig ist und …

… Sie wünschen sich eine Art Ökodiktatur?


Gewiss nicht. Die Geschichte zeigt, dass Diktaturen auf Dauer nicht funktionieren. Die Sowjetunion ist der herausragende Fall. Leider funktionieren die Demokratien derzeit auch nicht gut.

Die Nachhaltigkeit unseres Lebensstils lässt sich mit dem sogenannten ökologischen Fußabdruck eines Menschen messen. Der weltweite Durchschnitt liegt derzeit bei 2,7 Hektar pro Kopf, obwohl eigentlich nur 2,1 Hektar für jeden zur Verfügung stehen. Der Durchschnittswert für einen Inder liegt bei einem Hektar, für jeden US-Bürger dagegen bei 9,4. Haben Sie je Ihren eigenen berechnet?

Ja, das habe ich mal gemacht. Im Prinzip lagen ich und meine inzwischen verstorbene Frau gut. Wir ernährten uns vegetarisch, das meiste kam aus dem eigenen Garten. Das Auto ist alt und steht die meiste Zeit nur rum. Doch meine vielen Flug reisen versauen meine Bilanz und bringen mich auf einen Spitzenwert. Doch ich sage Ihnen: Die Zeiten der massenhaften Flugreisen sind bald zu Ende. Auch für mich persönlich. Dies wird wohl meine letzte Vortragstournee sein.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, oder sind Sie frustriert?


Ich steige aus dem Geschäft aus, mit Reden ein Publikum zu unterhalten. Das können inzwischen andere auch. Ich verbringe den Rest meines aktiven Lebens lieber damit, Materialien für die Ausbildung junger Leute herzustellen.

Stehen Sie manchmal in einem Kaufhaus und entscheiden sich bewusst gegen ein Produkt, weil es Verschwendung wäre?

Ehrlich gesagt, ich gehe so selten wie möglich in Shopping-Malls, weil sie mich deprimieren. Einkaufen ist dort Selbstzweck, der Kauf selbst gibt den Menschen ein gutes Gefühl. Außerdem halte ich mich strikt an die Regel: Wann immer ich etwas Neues anschaffe, muss ich etwas vom Alten rauswerfen. Und ich mag meine alten Sachen. Dieser Anzug hier ...

... dunkle Nadelstreifen, elegante Weste ...


...ist ziemlich abgenutzt. Ich gehöre zu den seltenen Exemplaren, die nur eine Kreditkarte und keine Schulden haben.

Sind Sie manchmal froh, dass Sie schon 66 sind und nicht mehr erleben müssen, wie die Welt möglicherweise in Trümmer zerfällt?


Im Gegenteil. Ich verfolge mit großer Spannung, wie die Dinge sich jetzt entwickeln. Die meisten Wissenschaftler, die 50-Jahres-Prognosen machen, leben nicht lang genug, um zu sehen, ob sie richtig lagen. Ich habe das Glück, dass ich das meiste noch erleben werde, falls mir noch zehn Jahre bleiben.

Das Gespräch führten Harald Schumann und Norbert Thomma

Dennis Meadows, 66, machte 1972 mit der Studie „Grenzen des Wachstums“ weltweit Furore; sie wurde in 35 Sprachen übersetzt und machte den Auftraggeber „Club of Rome“ berühmt.Bis heute beschäftigt sich der US-amerikanische Wissenschaftler mit den großen Zukunftsfragen der Menschheit.


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.11.2008)
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Abstimmung :

Obama zittert um historische Reform
Die Abstimmung über die Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama ist am Sonntagabend zur Zitterpartie geworden. In den USA gilt das Votum als Wendepunkt der Präsidentschaft Obamas.

Spektakulärer Überfall:

Wurden Poker-Räuber den Fahndern ausgeliefert?
Die Polizei prüft, ob eine Großfamilie als Auftraggeber hinter dem waghalsigen Überfall auf das Pokerturnier steckt. Möglicherweise drängten Angehörige die Verdächtigen selbst zur Aufgabe.

Gefährlicher Leichtsinn:

Männer im Eis eingebrochen

Kommentare [ 16 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von holm holm ist gerade offline | 23.11.2008 7:31 Uhr
Thanks, Mr. Meadows
Gut, dass alle Betrachtungen nicht in irgendwelchen Ideologien enden... sondern beim individuellen Menschen! Es ist so viel Vernunft durchzusetzen, wie in jedem Einzelnen steckt! Oder, wie Brecht es sagte: "Es kann der Sieg der Vernunft nur ein Sieg der Vernünftigen sein."
Comment
von stefano1 stefano1 ist gerade offline | 23.11.2008 14:18 Uhr
Jetzt
Ein idealer Zeitpunkt für uns Deutsche, im Jahre 2009 umzuschwenken, wo sich das Wachstum eh auf einen leichten Minuswert belaufen wird, liebe Wir-brauchen-Wachstum-Politiker und -Experten.
Comment
von unbekannt | 23.11.2008 14:42 Uhr
das wäre
das erste mal, dass sich jemand oder gar eine mehrheit ändert, nur weil eine katastrophe hereingebrochen ist. das höchste der gefühle war immer ein gelübde, diese oder jene wallfahrt zu machen..jährlich. aber doch nicht veränderung.man hat gelernt im laufe der jahrtausende, mit schicksalsschlägen fertig zu werden. inzwischen weiß man sogar, dass nicht der böse liebe gott sie vom himmel wirft, sondern man selber. das ist noch leichter zu ertragen.
Comment
von commentator commentator ist gerade offline | 23.11.2008 15:20 Uhr
Ganze Heerscharen
von Wachstumsfetischisten sind über die "Limits to Growth" hergefallen. In seltener Ost-West-Einmütigkeit übrigens.

Obwohl Binsenweisheiten, waren sie richtig.

Potenzielles Wachstum schleicht langsam an, dann ist es urplötzlich die Explosion per se.

Alles was auch nur näherungsweise einem solchem Wachstum unterworfen ist, kann nicht stabil bleiben.

Wachstum ist möglich. Als Wachstum im Kreislauf. Uraltes Prinzip der belebten Natur.

Alles andere ist Krebs.

Wir sind leider noch immer Krebs. So wie es aussieht, ist er nicht heilbar.


Comment
von multiverus multiverus ist gerade offline | 23.11.2008 20:17 Uhr
Katastrophiker
Wieso schenkt man diesem Katastrophiker Meadows nur immer noch Glauben? Schon sein 'berühmter' Report 'Grenzen des Wachstums' ist durch die reale Entwicklung seit 1972 ad absurdum geführt worden. Ich weiss noch genau, wie mir damals als Jugendlicher in der Schule Angst und Schrecken eingetrichtert wurde - und damit zwangsläufig persönliche Zukunftsangst.

Doch nichts der Vorhersagen ist wahr geworden (wir fahren immer noch Auto. Öl, Kohle und alle wichtigen Rohstoffe sind verfügbar und auch die Zivilisation existiert noch). Die Zeithorizonte wurden hemmungslos und irreal dramatisiert.

Aber Konsequenzen hat der werte Herr in seinen "neuen Grenzen" nicht gezogen. Wie wenig rational seine Szenarien sind, gibt er ja selbst zu:
"Wenn ich gewarnt hätte, um die Leute in Angst und Schrecken zu versetzen, dann war es 1972 zu früh. Aber wir wollten ja erreichen, dass wichtige Leute frühzeitig einen Wandel in Gang setzen."

Deutlicher kann man nicht sagen, dass diese Szenarien zum Zweck der umweltpolitischen Indoktrination geschaffen wurden - deutlicher kann man nicht sagen, dass die wissenschaftlich-rationale Grundlage nur Fassade ist. Bedauert
Meadows doch tatsächlich, dass es ihm nicht gelungen ist, "genügend" Angst und Schrecken zu verbreiten.

Ja, sind wir denn im Mittelalter oder in der Neuzeit?

Wer selbst auch heutiger Sicht die wissenschaftliche Jämmerlichkeit seiner Vorhersagen von 1972 nicht wahrnimmt, offenbart damit ein quasi-religiöses Umweltverständnis. Auf eines würde ich blind jede Wette eingehen: dass Maedows alarmistisches Gezeter fern jeder Realität liegt - wie schon anno 1972.

Übrigen hat sich die Eisbedeckung der Arktis gegenüber 2007 im Minimum um 10% erhöht, die Dauer der Eisbedeckung kleiner 5 Mio.qkm hat sich gar um 40% (!) reduziert. Beides aus den Kurven der gleichen Institute ablesbar, auf die sich die
Katastrophiker berufen.
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 23.11.2008 21:33 Uhr
multiverus | 23.11.2008 20:17:46 Uhr
Wir spielen Heile Welt! Wer ist mir Würfeln dran?
Comment
von multiverus multiverus ist gerade offline | 23.11.2008 22:49 Uhr
@wilhelm
Fast. Nur nicht ganz.
IHR spielt nicht "Heile Welt", sondern "Zukunftspanik". Wer hat die schaurigste zu bieten, an der man sich berauschen kann.
Comment
von dali dali ist gerade online | 24.11.2008 1:11 Uhr
Es ist doch müßig, @multiverus
man könnte sich jetzt hinsetzen und Stück für Stück nachweisen, dass multi...s Behauptungen auf dünnem Eis gelagert sind.
Wir können uns aber einfach fragen, wo die Weltwirtschaft heute stünde, wenn wenigstens vor 20 Jahren die Zeichen der Zeit, die Energiegewinnung und die Umweltverschmutzung betreffend, weltweit zur Kenntnis genommen worden wären:
Amerika hätte seine Häuser isoliert, die Autos mit modernen und umweltschonenden Autos, die ja in Europa, wenn auch zögerlich entwickelt wurden, bestückt.
Allein dadurch wäre der weltweite Energiebedarf um rund 30% gesunken.
Wenn dazu noch Europa die USA und Japan Importe verweigern, die in Produktionsstätten hergestellt sind, die nicht zu definierenden Mindeststandards genügen, hätten wir die Explosion der Entwicklung von umweltschonenden Technologien längst hinter uns und wären tief in den schwarzen Zahlen.
Zu viele, auch multi.. haben noch immer nicht begriffen, dass Umweltschutz gleichzeitg die Probleme auf unserem Globus verringert UND eine gigantisches Geschäft FÜR ALLE, aber allen voran für die deutsche Wirtschaft sein kann und wird.
Aber so nebenbei,
inzwischen kann man problemlos Nordost-und Nordwestpassage BUCHEN,
irgenwie ist das eine neues touristisches Angebot und erscheint mir nicht unmittelbar als Zeichen für sich ausdehnende Eisflächen.
Auch hat in diesem Sommer zum erstmals ein Schiff im freien Wasser den Nordpol überquert, auch ja nicht unbedingt ein Zeichen dafür...
Comment
von multiverus multiverus ist gerade offline | 24.11.2008 22:21 Uhr
@dali
@dali
"... und wären wir tief in den schwarzen Zahlen."
"... das Umweltschutz gleichzeitig die Probleme auf unserem Globus verringert ..."
"... ein gigantisches Geschäft für Alle ..."

Lieber dali, kommen Sie mir doch nicht mit solch hohlen Phrasen aus dem Lager der Ökopaxe. Nichts davon können Sie beweisen (Sie versuchen es noch nicht einmal), Ihre Argumentation ruht auf rein hypothetischen Vermutungen.

Wie wäre es, wenn Sie sich einfach mal an die heutige Realität halten. Schauen Sie, wie die mutwillig ausgelöste Klima-Kostenlawine in vielfältiger Form die Bürger dieses Landes erdrückt. Die soziale Schere öffnet sich ungebremst weiter. Unter dem Deckmantel des sogenannten Klimaschutzes zockt die Politik die Bürger und die Wirtschaft ab - wobei letztere keine Probleme hat, ihre Zusatzkosten auf die gleiche Klientel abzuwälzen.

Die Zeche zahlt wie immer das schwächste Glied - der sprichwörtliche "kleine Mann". Und damit er brav stillhält, prophezeit man ihm eine goldene Zukunft in einem Umwelt-Schlaraffenland - wenn er sich nur brav kasteit bei Kerzenlicht, ohne Heizung und ohne einen Furz zu lassen. Denn auch der ist verboten.
Comment
von cermedes cermedes ist gerade offline | 23.11.2008 22:38 Uhr
Ich grenze die Welt ein
und gebe Ihnen 10 Hektar Land, mit 10000 Barrel Öl und von allen anderen Rohstoffen 1 Tonne. Auf diesen 10 Hektar leben 50 Menschen. Nun fordere ich Sie auf, mit diesen begrenzten Ressourcen ein immerwährendes Wachstum sprich Überschuss zu erzielen. Das ist unmöglich und kann zwangsläufig nur im Kollaps enden. Selbstvertändlich liegt Herr Meadows völlig richtig. Wichtig ist doch in erster Linie nicht, wann genau, sondern ob ein Ereignis eintreten wird - und das geschilderte Szenario muss eintreten, es hat gar keine ander Wahl! Unser ganzer Planet, ja die Natur an sich basiert auf dem Prinzip des Gleichgewichts. Sonst hätten im Laufe der Millionen Jahre Evolutionsgeschichte die Ozeane vor Fischbestand quasi überquellen müssen - tun sie aber nicht! Explosierende Population = höherer Nahrungsbedarf = sinkender Nahrungsbestand = sinkende Population. Das ist logisch und für jeden, der auch nur auf Erstklässlerniveau addieren kann realisierbar. Wir Menschen tun momentan nichts anderes als die erscghöpflichen Ressourcen des laneten zu verschleudern und das wird nur noch für eine begrenzte Zeit möglich sein. Wer das anzweifelt ist reif für die Klapse. Um dieses Problem zu lösen ist ein radikales ökolögisches und soziales Umdenken nötig, welches zwangsläufig, mit dem Ende der bestehenden Systeme einhergeht - leider, denn auch ich lebe in diesem System nicht schlecht (und das auf Kosten Anderer!, denn unser Überschuss wird auf Kosten der ärmsten Länder erwirtschaftet), nur musste ich erkennen, dass es keine stabile Zukunft bietet. Ich habe eigentlich nur Angst um die Zukunft meiner Kinder, denn in bereits 10 Jahren wird vermutlich nichts mehr so sein, wie wir es jetzt kennen, bzw. wie wir es in unseren schlimmsten Träumen vorstellen können,

Man ist das düster - cermedes



Comment
von multiverus multiverus ist gerade offline | 24.11.2008 1:30 Uhr
@cermedes
Um nur einen Punkt zu nennen: Herr Meadows hat das Ende der Rohstoffvorräte für 2000 vorhergesagt. Ist das eingetroffen? Definitiv nein! Wie können Sie da behaupten Meadows liege richtig?

Verwechseln Sie Zukunfts-Szenarien nicht mit der EINGETRETENEN Realität seit 1972. Ihre Angst um die Zukunft ihrer Kinder ist völlig irrational, ebenso wie die Angstszenarien der Vergangenheit erwiesendermassen keine Substanz besaßen. "Der Wald stirbt!" - hab ich auch mal geglaubt. Der hatte und hat zwar Schäden, ist aber dessenungeachtet quicklebendig. Also auch eine Lüge.

"Radikales ökologisches und soziales Umdenken" ist ja sehr schön, verkennt aber das Einflussgewicht der Menschen auf klimatologische Vorgänge in eklatantem Ausmass!

Zukunftsprognosen damit zu rechtfertigen, dass sie, wenn nicht in 10 Jahren, dann eben in 50, 100 oder 200 Jahren sich als richtig erweisen werden, verlängert zwar die 'Lebensdauer' dieser Prognosen - aber nicht ihre (fehlende) Substanz!
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 24.11.2008 10:27 Uhr
multiverus | 24.11.2008 01:30:29 Uhr
Meadows hat mehrere Szenarien entworfen. Er gab resp. gibt nicht den Hellseher, wie Sie hier anscheinend glauben machen wollen. Aus einem einzigen Detail ableiten zu wollen, wir hätten es überhaupt nur mit Hirngespinsten zu tun, ist grob fahrlässig und schlichtweg unlauter. Sie sprechen von Lügen. Wie könnte eine Prognose eine Lüge sein? Eine Prognose kann höchstens falsch sein. Aber „Lüge“ gibt in Sachen Diffamierung eben mehr her, nicht wahr?

Die Augen zu verschließen, das kann zwei Ursachen haben: Existenzielle Ängste oder monetäre Vorteile.
Comment
von multiverus multiverus ist gerade offline | 24.11.2008 21:35 Uhr
@wilhelm
Sicher hat Meadows mehrere Szenarien entworfen, die er aber, wie ich dargelegt habe, ABSICHTLICH zum Zwecke der politischen Agitation stark überzeichnet hat. Absichtlich falsche Prognosen kommen aus meiner Sicht einer Lüge sehr nahe - zu nahe!

Wenn man die Realität des Jahres 2000 gegen Meadows Prognosen aus "Grenzen des Wachstums" spiegelt, dann muss man blind sein oder es nicht sehen WOLLEN, dass er gnadenlos falsch liegt.

Statt mir völlig unsinnigerweise vorzuwerfen, ich wolle "etwas glauben machen", wenden Sie sich doch bitte den Tatsachen in Bezug auf die Meadow'schen Prognosen zu: Beantworten Sie die Frage, ob die Rohstoffvorräte heute erschöpft sind - und zwar mit JA oder NEIN (nicht herum-interpretieren, einfach ja oder nein).

Dann erübrigt sich auch die weitere Diskussion.
Comment
von kamy kamy ist gerade offline | 25.11.2008 10:27 Uhr
@multiverus: das ist doch nicht der Punkt
Prognosen sind immer unsicher. Und stellen Sie sich vor, wie schwierig Prognosen sind, die ihre eigene Wirkung mit einbeziehen sollen.
Prognosen sind keine Wahrsagerei. Man kann keine zukünftig entdeckten Rohstoffvorräte und keinen zukünftigen technischen Fortschritt vorhersehen und in die Prognose einbeziehen. Da haben Sie übersteigerte Erwartungen.

Trotzdem sind Prognosen notwendig, weil wir sonst keine vernünftigen Entscheidungen treffen können.

Der große Verdienst von Meadows prognostizierten Szenarien, war ja nicht ein bestimmten Wert, z.B. Rohstoffe zum Jahr 2000, sondern die Ökonomie als dynamisches System zu betrachten - damals etwas völlig neues. Man konnte die Folgen eines unbegrenzten Bevölkerungswachstums bei endlichen Ressourcen sehr plastisch erkennen. Diese und ähnliche Einsichten sind eine hervorragende Grundlage zum Verständnis unserer Ökonomie und der Folgen unserer Entscheidungen.
Comment
von commentator commentator ist gerade offline | 26.11.2008 12:45 Uhr
@ multiverus | 24.11.2008 01:30:29
"Um nur einen Punkt zu nennen: Herr Meadows hat das Ende der Rohstoffvorräte für 2000 vorhergesagt."


Nehmen Sie sich das Büchlein noch einmal zur Hand. Sie werden feststellen, "vorausgesagt" hat er gar nichts.

Er hat - wissenschaftlich absolut legitim - gesagt, nehmen wir diese und diese Randbedingungen an und lassen Entwicklung A, B, C im System dieser Randbedingungen ablaufen, dann wird mit einiger Wahrscheinlichkeit das Ergebnisfeld A1, B1 oder C1 eintreffen.

Sich immer wieder und immer wieder wie ein bockiges Kleinkind aufzupflanzen und zu lamentieren, er hat mir den Lolli Ökozid versprochen aber ich hab' ja keinen gekriegt, wirkt - Sie werden entschuldigen - unter diesem Aspekt, zunehmend peinlich.

Die Szenarien von Meadows sind simpel wie die Darwinsche Evolutionstheorie und simpel wie das Einsteinsche E-Gleich-M-Mal-C-Quadrat.

Sein Buch war wichtig.

Und wer ihn persönlich kennengelernt hat, hat einen richtig sympathischen Ami kennengelernt.
Comment
von wilhelm wilhelm ist gerade offline | 28.11.2008 19:30 Uhr
multiverus | 24.11.2008 21:35:23 Uhr
Zitat : „JA oder NEIN... Dann erübrigt sich auch die weitere Diskussion“. So billig geht’s nicht. Was Sie Meadows versuchen unterzuschieben, trifft in vollem Umfang und uneingeschränkt für die „Gegenseite“ zu: Interessengesteuerte Suggestion und Manipulation.

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 4 + 1 = 


Anzeige
Weitere Themen

Welche Rolle spielen Dumpinglöhne in der Arbeitswelt?` Lesezeichen hinzufügen

Befristete Arbeitsverhältnisse, Dumpinglöhne und Leiharbeit: Was die Politik in ... mehr...

Zeitarbeiter sind wieder gefragt Lesezeichen hinzufügen

Von Anna Sauerbrey
In der Krise waren Zeitarbeiter die ersten, die gehen mussten - nun gelten sie ... mehr...

Verschobene Rentenkürzungen belasten Rentner bis 2015 Lesezeichen hinzufügen

Selbst wenn die Löhne wieder steigen, werden die Rentner davon in den nächsten ... mehr...

Lufthansa beklagt "politische Kampagne" Lesezeichen hinzufügen

Von Moritz Döbler
Die Airline bestreitet, Emirates auf dem BBI  zu blockieren und beklagt ... mehr...

Opposition kritisiert Bankenabgabe Lesezeichen hinzufügen

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen, Gerhard Schick, fordert eine ... mehr...
Fotostrecken

Bilfingers Baustellen (6 Bilder)

Forbes-Liste: die reichsten Menschen der Welt (7 Bilder)

Genfer Autosalon 2010 (12 Bilder)

Die Mogel-Liste von Foodwatch (25 Bilder)

Lufthansa Streik (9 Bilder)

Militärtransporter - der Airbus A400M (8 Bilder)