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Bilanz

Deutsche Bank begeistert die Börse

Dank neuer Bilanzregeln rettet die Bank einen kleinen Gewinn. Bankchef Ackermann will jetzt wohl doch unter den Rettungsschirm der staatlichen Rettungspakete.
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Unruhige Zeiten. Bei Deutschlands größter Bank ist das Investmentbanking in Schieflage geraten. - Foto: ddp
Frankfurt am Main/Berlin - Die Deutsche Bank hält sich in der Finanzkrise besser als viele Konkurrenten. Für das abgelaufene dritte Quartal weist das größte deutsche Kreditinstitut einen Gewinn von 414 Millionen Euro aus. Der Großteil davon, 321 Millionen Euro, resultiert allerdings aus Steuergutschriften. Zudem profitiert die Bank von gelockerten Bilanzierungsregeln in der EU. Ohne diese Änderungen hätte sie einen deutlichen Verlust eingefahren. Die Anleger reagierten erleichtert auf die Zahlen. Viele Experten hatten einen Verlust erwartet. Der Kurs der Aktie stieg um 17,7 Prozent auf 29,20 Euro.

In einem Brief an die Aktionäre sprach Vorstandschef Josef Ackermann von „außergewöhnlich kritischen Bedingungen“, die sich auch im Oktober fortgesetzt hätten. Die Lage an den Finanzmärkten sei „nach wie vor extrem schwierig".

Kapitalhilfen vom Staat will die Bank dennoch nicht in Anspruch nehmen. „Noch einmal: Wir benötigen kein Kapital“, sagte Finanzvorstand Stefan Krause am Mittwoch bei einer Telefonkonferenz. Dagegen verdichten sich die Hinweise, dass die Deutsche Bank und weitere private Institute in den kommenden Tagen staatliche Garantien aus dem Rettungspaket der Bundesregierung nutzen werden. Krause wollte sich zu entsprechenden Fragen nicht äußern. Ackermann war in der vergangenen Woche mit der Aussage zitiert worden, er würde sich schämen, wenn er Geld vom Staat annehmen müsste. Die Bank hatte dies jedoch zurückgewiesen.

Das 480 Milliarden Euro schwere Rettungspaket ist seit Montag vergangener Woche in Kraft. Bisher haben lediglich drei Landesbanken (BayernLB, WestLB und HSH Nordbank) sowie die ohnehin auf Hilfe angewiesene Hypo Real Estate angekündigt, das Paket in Anspruch nehmen zu wollen. Die übrigen privaten Banken fürchten dagegen eine negative Reaktion der Börse sowie die großen Mitspracherechte des Staates. Deshalb ist in Finanzkreisen auch nur davon die Rede, staatliche Bürgschaften für Kredite in Anspruch zu nehmen, um den ausgetrockneten Markt zwischen den Banken wieder in Gang zu bringen. Dieser Teil des Rettungspakets ist mit vergleichsweise geringen Auflagen versehen, so gibt es zum Beispiel keine Gehaltsbegrenzung für Manager oder Eingriffe in die Dividendenpolitik der Banken, wie sie zum Beispiel bei Kapitalhilfen vorgesehen sind. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ermutigte die Banken am Donnerstag, staatliche Hilfe anzunehmen. „Ich könnte mir vorstellen, dass es auch ein Vorteil für die Banken und insbesondere ihre Kunden wäre, wenn sie wissen, dass ihre Banken von diesem Angebot Gebrauch machen, um sich zu stabilisieren.“

Die Deutsche Bank kam um den zweiten Quartalsverlust des Jahres nur herum, weil die Abschreibungen auf Wertpapiere nach den neuen Bilanzregeln der EU deutlich geringer ausfielen. 1,2 Milliarden Euro waren es im dritten Quartal. Nach alter Rechnung wären die Belastungen fast 900 Millionen Euro höher ausgefallen.

Insgesamt musste die Deutsche Bank in den ersten neun Monaten einen massiven Gewinneinbruch verkraften. Der Gewinn vor Steuern schrumpfte im Vergleich zum Vorjahr von 7,3 Milliarden auf nur noch 481 Millionen Euro, nach Steuern waren es 918 Millionen nach 5,5 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten 2007. Ob für das Gesamtjahr ein Gewinn übrig bleibt, ist noch keineswegs sicher. Analysten geben sich jedoch zuversichtlich. „Wir gehen davon aus, dass das Schlimmste für die Deutsche Bank vorbei ist“, sagte Dirk Becker von Landsbanki Kepler. Und auch Josef Ackermann verbreitete zumindest ein wenig Zuversicht: „Bisher haben wir die Finanzmarktkrise besser überstanden als einige unserer Wettbewerber.“

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 31.10.2008)
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Kommentare [ 3 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von bmberlin bmberlin ist gerade offline | 31.10.2008 6:58 Uhr
Marodes Finanzsystem - marode EU
"Der Großteil davon, 321 Millionen Euro, resultiert allerdings aus Steuergutschriften" -> es ist ein EU- Skandal, dass denen, die volkswirtschaftliche Wertschöpfung betreiben, diese 321 Millionen vorenthalten werden. Bis zum Sankt Nimmerleinstag dürfen Bewertungen der Aktiva nach eigenem Gusto durchgeführt werden. Damit bestimmt eine Bank zukünftig selber ihren Wert und auch, was sie an Steuern entrichtet. Jeder Angestellte muss auf Heller und Pfennig seinen Obulus zahlen, nicht jedoch, nach Segnungen der EU, die Banken.

Zudem vergaßen Sie zu erwähnen: dadurch, dass die Banken eine Selbstbewertung vornehmen, ist ein Investor ( Aktienkäufer ) nicht mehr in der Lage, den wirklichen Wert zu kennen.

Ein tolles System - dank EU.
Comment
von kupferfisch kupferfisch ist gerade offline | 31.10.2008 8:31 Uhr
Damit wären dann
ja auch die Boni erklärt, auf die "Herr" Ackermann zugunsten verdienter, zu Unrecht verarmter Mitarbeiter "verzichtet".
Hoffentlich bekommt der barmherzige Samariter dann dafür auch noch Spendenquittungen, damit er auf die Gutschriften auch noch Gutschriften bekommt!
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von medit medit ist gerade offline | 31.10.2008 14:15 Uhr
Demokratie adé
Milliarden aus Steuergeldern - immerhin stellte sich die Bank auch mit unterm Rettungsschirm an - und gefälschte Bilanzen auf Gesetz.
Widerlich und gegen den Willen des Volkes.
http://www.jjahnke.net/

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