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GSW

Berliner Wohnungen vor dem Verkauf an der Börse

Finanzinvestoren bereiten Rückzug aus der einst landeseigenen GSW vor – 130.000 Mieter sind betroffen. Weder die GSW noch die beiden Eigentümer wollten sich äußern.
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GSW-Zentrale. Das Wohnungsunternehmen verkaufte 2005 sein Hochhaus in der Kochstraße und zog als Mieter ein. - Foto: p-a/dpa
Berlin - Die 130 000 Mieter des Berliner Wohnungsunternehmens GSW bekommen womöglich bald einen neuen Vermieter. Fünf Jahre nach dem Verkauf der ehemals kommunalen GSW an Cerberus und Whitehall wollen die Finanzinvestoren das Unternehmen in Teilen 2010 an die Börse bringen. Das erfuhr der Tagesspiegel am Dienstag in Finanzkreisen. Experten zeigten sich von den Plänen nicht überrascht. Börsengänge und Kapitalerhöhungen von Immobilienfirmen stießen bei Investoren wieder auf Interesse, hieß es. Der mögliche Börsenwert der GSW wird auf 800 bis 900 Millionen Euro geschätzt. Weder die GSW noch die beiden Eigentümer wollten sich äußern. Whitehall gehört zur US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie bereitet zusammen mit der Deutschen Bank den Börsengang vor.

Die 1924 gegründete GSW ist mit 70 000 Wohnungen einer der größten Immobilieneigentümer Berlins. Cerberus und Whitehall hatten die GSW 2004 für 405 Millionen Euro vom Land Berlin gekauft. Übernommen wurden auch Schulden von 1,56 Milliarden Euro, die durch Verkäufe teilweise abgebaut wurden.

„Dass ein Finanzinvestor nach einigen Jahren eine rentable Möglichkeit zum Ausstieg aus seinem Investment sucht, macht Sinn“, sagte Christian Schulz-Wulkow, Immobilienexperte des Beratungsunternehmens Ernst & Young. „Ein Börsengang ist dabei die bevorzugte Exit- Strategie.“ Die GSW sei ein „exzellent geführtes Unternehmen“. Die Eigentümer hätten ihre Ankündigung wahr gemacht, zum Beispiel den Unternehmenswert zu steigern. „Die Effizienzsteigerung ist enorm – ohne dass Mieter auf der Straße sitzen“, sagte Schulz-Wulkow.

Das Investorenkonsortium hatte sich beim Kauf verpflichtet, in den bestehenden GSW-Bestand bis 2011 etwa 450 Millionen Euro zu investieren. Außerdem sagten die Käufer zu, die sozial- und wohnungspolitischen Ziele der GSW fortzusetzen und „breiten Schichten der Bevölkerung preiswerten Wohnraum“ zur Verfügung zu stellen, bestehende Mietverträge zu erfüllen und auf „Kündigungen wegen Eigenbedarfs oder zur wirtschaftlichen Verwertung“ zu verzichten. Die Investoren verpflichteten sich zudem, die Anteile an der GSW für mindestens zehn Jahre zu halten.

Die GSW-Mieter müsse der geplante Börsengang nicht beunruhigen, sagte Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. „Rein rechtlich ändert sich nichts, die Mietverträge bleiben erhalten.“ Künftige Großaktionäre könnten aber durchaus eine andere Geschäftspolitik anstreben, die sich auch negativ für die Mieter auswirke. Vetters Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre fällt wenig schmeichelhaft aus: „Es wurde rationalisiert, vor allem beim Personal und bei den Kosten.“ Hausmeisterstellen seien gestrichen und Betriebskosten massiv gedrückt worden, um Spielraum für Mieterhöhungen zu bekommen. „Wo Geld zu holen war, haben die Eigentümer es geholt“, sagte Vetter. Vorwürfen, die Mieten stark zu erhöhen, begegnete die GSW mit dem Hinweis, dass sie in großen Teilen ihrer Häuser nicht einmal die laut Mietspiegel zulässigen Durchschnittsmieten verlange.

Banker beurteilen die Chancen für Immobilienfirmen an der Börse positiv. „Es hat 2009 einige erfolgreiche Transaktionen – etwa Kapitalerhöhungen – in der Immobilienbranche gegeben. Das zeigt: Investoren sind daran interessiert, in bestehende Geschäftsmodelle zu investieren“, sagte Ralf Michaelis, stellvertretender Leiter des Aktienemissionsgeschäfts der Commerzbank. „Das Anlageprodukt Wohnimmobilien wird von privaten und institutionellen Investoren neu entdeckt“, bestätigt Berater Schulz-Wulkow. Finanzinvestoren haben in Berlin rund 200 000 Wohnungen erworben. Cerberus zieht sich wie andere auch schrittweise zurück: So wurden die Anteile an der Baubecon mit 7000 Wohnungen in Berlin verkauft. Auch die US-Firma Oaktree verkaufte 22 800 Wohnungen der früher landeseigenen Gehag. Apellas, ausgestattet mit Kapital des Großinvestors George Soros, verkaufte 6000 Berliner Wohnungen an die Gagfah. Die früher bundeseigene Gagfah gehört auch einem Finanzinvestor: Fortress ist mit knapp 23 000 Wohnungen einer der größten Vermieter in Berlin.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
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Kommentare [ 11 ] Kommentar hinzufügen »

Comment
von macthepirat macthepirat ist gerade online | 3.11.2009 21:28 Uhr
Von ehemals
etwa 1000 Mitarbeitern arbeiten dort wohl nur noch etwa 500, die anderen durften sich andere Jobs suchen, teilweise sicherlich auf Minijob-Basis. Und für diejenigen die noch dort arbeiten gilt der alte Spruch: Sklaven können nicht entlassen werden, sie müssen verkauft werden. Der Berliner Senat hat sie verkauft, die KÄufer haben einem Teil der Mitarbeiter die Freiheit geschenkt und jene die das Angebot nicht angenommen haben werden wieder verkauft.

Was hat das Disaster der GSW verursacht? Enorme Kosten für die Sanierung des Bestandes in Berlin (Ost), rücksichtsloses abzapfen der Unternehmensgewinne durch den Senat und andere undurchschaubare Geschäfte. Und nicht zuletzt dieses Bürohaus, das sogar einen Preis bekommen hat. Mit einem ideelen Preis kann man aber keine Geschäfte betreiben.
Der Berliner Senat sowie die Geschäftsführung haben in Teilen völlig versagt und damit ungeheure Mengen an Geld und etliche Arbeitsplätze vernichtet.

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von don_alfredo don_alfredo ist gerade offline | 3.11.2009 22:45 Uhr
Eingespart
wird auch bei den verbliebenden landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land und WBM seit Jahren.
Überschüsse werden schließlich an den Senat abgeführt, und dieser geht mit entsprechendem Nachdruck vor.
Alle lukrativen Wohnungen bzw. Objekte in Toplagen wurden jedoch längst vom Senat verkauft, sodass man nunmehr versucht, aus den verbliebenen Wohnungen Kapital zu schlagen.
Die Namen ''sozial'' und ''gemeinnützig'', wie bei einigen Landesunternehmen zu finden, sind längst ein Wunschglaube geworden.
Negative Auswirkungen hat das auf die Mieter, zum einen beim Preis, sowie beim Zustand und der Verwaltung der Objekte.
Ferner werden durch diese Wohnungspolitik soziale Brennpunkte geschaffen bzw. intensiviert, da zahlungsschwache Bevölkerungsschichten in bestimmte Gegenden gedrängt werden.
Investoren aus dem Ausland interessiert das dann freilich nicht mehr.
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von jetbundle jetbundle ist gerade offline | 4.11.2009 5:57 Uhr
Tja...
In Berlin laesst sich halt mit Wohnraum nachhaltig kein Geld erwirtschaften, und das haette der Senat auch vorher wissen sollen. Aber alzuviel kann man von Rot-Rot ja nicht erwarten.

Am Ende bleiben nur noch in paar Schrottimmobilien uebrig, und dann kommen die Insolvenz und der Abriss (oder eine teure Sarnierung) auf Staatskosten.
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von dali dali ist gerade online | 4.11.2009 12:24 Uhr
Das ist ja nun völliger BLÖDsinn, @jet
WEIL mit Wohnungen in Berlin kein nachhaltiges Geschäft gemacht werden kann, geht ein privater "Inverstor"
jetzt damit an die Börse?
Das ist doch völlig widersinnig.
Die machen das also um KEIN Geschäft zu machen,
aber so sind halt unsere Kampf-Liberalen,
der flotte Spruch ersetzt den Inhalt...
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von hannibal hannibal ist gerade offline | 4.11.2009 17:30 Uhr
Ach Herr Dali, empfanden Sie nicht immer
als Börsenspezialist? Und jetzt sowas?

Was wird denn an der Börse gehandelt, Herr Dali? Die Vergangenheit etwa?

Oder eher die Erwartung? Na, sehen Sie

Also der Satz: "WEIL mit Wohnungen in Berlin kein nachhaltiges Geschäft gemacht werden kann, geht ein privater "Inverstor" jetzt damit an die Börse? "

ist ja wohl weder ZWINGEND falsch, noch ZWINGEND richtig.

Man kann ihn nur auf jeden Fall keinesfalls ausschließen.

Das sind nun 3 Aussagen, die für den Ungeübten durchaus verwirrend sein können.

"aber so sind halt unsere Kampf-Liberalen,
der flotte Spruch ersetzt den Inhalt..."


Aber dass SIE sich als Liberaler bezeichnen ... bringt meine Position ... nein ... jetzt nicht ins Wanken, aber sie muss dann doch neu überdacht werden

(PREFA! Stark wie ein Stier!)
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von dali dali ist gerade online | 4.11.2009 18:06 Uhr
Wie immer völlig wirr @hanni
jet hatte behauptet,
"In Berlin laesst sich halt mit Wohnraum nachhaltig kein Geld erwirtschaften"
Wenn das auch die Erwartung der Höllenhunde wäre,
würden sie ja wohl nicht an die Börse gehen...
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von dali dali ist gerade online | 4.11.2009 20:15 Uhr
MIR ist das schon klar, @zeit...
nur unser hanni "übersieht" derartigen mit einer gewissen Noncharlance und wäre zeit.. schon 2 Tage länger hier,
dann wüsste er auch selbst,
dass ich sicher nicht finde, dass Wohnraum in Heuschreckenhand geört...
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von derfalkner derfalkner ist gerade offline | 4.11.2009 7:18 Uhr
BWL-Sprech und Grundbedürfnisse
Vielen Dank für diesen unkritischen Artikel! Gespickt mit dem schönen BWL-Sprech ("Effizienzsteigerung", "Exit-Strategie", "Anlageprodukt"), der sich im Zusammenhang mit der Befriedigung menschlicher Grundbedürfnisse (Wohnen) so herrlich bizarr ausnimmt! Das Bezeichnende an unserer derzeitigen Lage ist ja leider, dass auf allen Seiten, auch auf der staatlichen, nichts als Hundertsassas sitzen, die kaum weiter als bis zu ihrer eigenen Abfindung denken wollen oder können. Dass aber mehr als ein Jahr nach der gigantischen Sozialhilfe für die internationale Spekulantenelite noch nicht einmal der Slang geändert werden muss, könnte beinah traurig stimmen.


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von bigtomcat bigtomcat ist gerade offline | 4.11.2009 11:13 Uhr
Ein Heuschreckenschwarm.....
....zieht weiter und die nächste Plage steht schon in den Startlöchern.

BTC
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von Zeit-zum-Aufwachen Zeit-zum-Aufwachen ist gerade offline | 4.11.2009 15:26 Uhr
Da gibt es doch schöne rumänische Boiler
Auch ich bin ein GSW Geschädigter!
Im vorletzten Monat ging mein 80 Liter Warmwasserboiler kaputt. Die GSW hat mich hier 4 Wochen ohne einen Tropfen warmes Wasser sitzen lassen mit der Begründung ein Boiler müßte erst bestellt werden. Nach vier Wochen haben die hier ein Billigprodukt rumänischer Herkunft angeschleppt, mit dem Ergebnis, daß dieser nun nicht mehr das warme Wasser speichert und ich nun mit einem erheblich höheren Stromverbrauch zu rechnen habe. Ja ja, der Turbokapitalismus macht halt vor nichts halt!! Der Senat reibt sich natürlich die Hände in Unschuld! Wie kann man nur den sozialen Wohnungsbau an eine Heuschrecke verkaufen?
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von Zeit-zum-Aufwachen Zeit-zum-Aufwachen ist gerade offline | 4.11.2009 18:21 Uhr
@ dali @ hannibal
Ist doch ganz einfach: Ziel von Cerberus und Whitehall war es doch von Anfang an die GSW kaputt zu sanieren und schnellstmöglich mit Gewinn zu verkaufen. Für 405 Millionen gekauft, die Schulden abgetragen und nun für 800 bis 900 Millionen an die Börse. So einfach ist das. Aber vielleicht solltet Ihr hier nicht als "Börsenspezialist" auftreten sondern mal viel lieber an die 130.000 Mieter denken, die das ganze Theater mit der GSW gar nicht mehr lustig finden. Aber das sind ja nur Menschen, gelle.

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