Deutschland möchte härtere Sanktionen gegen den Iran durchsetzen. Bisher lassen sich die Firmen nicht davon beeindrucken.
Berlin -
Berlin - Es gibt Geschäfte, über die spricht man nicht. Geschäfte deutscher Firmen mit dem Iran gehören dazu. Die Bundesregierung nimmt eine klare Haltung ein: Sie will, dass die Unternehmen ihr Engagement in dem Land zurückfahren. Die USA und Deutschland forderten Teheran bei der Münchner Sicherheitskonferenz erneut auf, Beweise für die friedliche Nutzung der Atomenergie zu liefern. Sonst drohten schärfere Sanktionen. Medienwirksam kündigte Siemens- Chef Peter Löscher bereits vor einigen Tagen an, ab Mitte 2010 keine neuen Geschäfte im Iran mehr abschließen zu wollen. Doch in Deutschland sind es meist kleine und mittelständische Firmen, die ihre Produkte in den Iran liefern – vor allem Maschinen. Und diese Firmen ziehen sich keineswegs jetzt in großer Zahl aus dem Iran zurück, sagen Experten. „Wir halten uns an die Regeln“, sagen die Firmen – und machen weiter.
„Neues Geschäft sehe ich nur wenig“, sagt ein Jurist, der Firmen bei ihren Engagements im Iran berät und lieber ungenannt bleiben will. „Aber viele Mandanten haben jahrelange Beziehungen. So etwas gibt man nicht von heute auf morgen auf.“ Für Siemens war das leichter: In der iranischen Niederlassung arbeiten zwar immerhin rund 290 Mitarbeiter. Iran macht aber gerade einmal 0,7 Prozent des Konzernumsatzes aus. Dafür lohnt es sich nicht, das viel größere US- Geschäft zu gefährden. Bei deutschen Mittelständlern sieht das anders aus. Viele machen deutlich mehr Umsatz im Iran als in Amerika.
Die deutsch-iranischen Handelsbeziehungen haben eine lange Tradition. Bei den Ausfuhren ist Deutschland immer noch Irans größter Handelspartner in Europa. Nur die Italiener haben insgesamt ein größeres Handelsvolumen mit der islamischen Republik, denn sie importieren Öl von dort. Von Januar bis November 2009 sank der deutsche Export um acht Prozent auf 3,3 Milliarden Euro. Doch im Gegensatz zu den Einbrüchen, die gerade die Maschinenbauer in anderen Märkten im vergangenen Jahr erlebten, ist das annähernd eine stabile Entwicklung.
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„Bei vielen Unternehmen zählt aktuell jeder Auftrag, einschließlich legaler Iran-Exporte“, sagt Klaus Friedrich, Außenhandelsexperte des Maschinenbauverbands VDMA. „Hinzu kommt das langfristige hohe Potenzial der iranischen Wirtschaft, da will man sich nicht einfach herausdrängen lassen.“ Deutsche Unternehmen müssen fürchten, dass die Maschinen, die weiterhin im Iran gebraucht werden, künftig aus anderen Ländern geliefert werden – vor allem aus Asien. „China hat im Iran schnell und massiv an Boden gewonnen“, sagt Friedrich. Von fünf Milliarden Euro Maschinenexporten in 2008 entfielen 17,5 Prozent auf China, drei Jahre zuvor waren es nur 6,2 Prozent gewesen. „Hält der Trend, wird China 2009 die 20-Prozent- Marke überschreiten und hätte damit endgültig Italien und Deutschland eingeholt“, sagt Friedrich. Trotz der schwierigen Lage würde die Wirtschaft auch neue Embargomaßnahmen selbstverständlich strikt beachten, meint Friedrich. „Aber wenn China außen vor bliebe, wäre das exportstrategisch eine bittere Pille.“
Auch Volker Perthes, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, meint, dass Sanktionen von einem „breitestmöglichen internationalen Konsens getragen und durch ein Mandat des Uno-Sicherheitsrats legitimiert sein“ sollten. „Wenn der einzige Effekt des Verzichts einer deutschen Firma auf bestimmte Lieferungen ist, dass eine chinesische sie übernimmt, erhöht das den politischen Druck auf Iran nicht“, schreibt er im „Handelsblatt.“
Im Iran sind Produkte aus der ganzen Welt zu finden. Vieles fand bisher über Dubai seinen Weg in die islamische Republik. So kommt es, dass auch amerikanische Technik im Iran im Einsatz ist, obwohl in den USA ein Totalembargo für Lieferungen in den Iran gilt. In der EU besteht derzeit nur ein Teilembargo. Es gibt zum einen drei Embargolisten von Gütern, deren Lieferung entweder verboten oder genehmigungspflichtig ist, weil sie für Rüstungszwecke eingesetzt werden könnten. Die Listen reichen von kleinsten Dichtungsringen über bestimmte Fasern und Metalle bis hin zu ganzen Maschinen. Zum anderen gibt es eine schwarze Liste von Personen und Institutionen, die keine wirtschaftlichen Ressourcen erhalten dürfen. Dazu gehören auch zwei iranische Banken, was die Geschäftsabwicklung zusätzlich erschwert.
Dennoch sind es etwa 100 deutsche Firmen, die Mitglied in der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer in Teheran sind, berichtet der Geschäftsführer Daniel Bernbeck. Dass nun viele von ihnen dem Beispiel von Siemens folgen und das Land verlassen, sieht Bernbeck derzeit noch nicht. „Jedes Unternehmen muss das selbst entscheiden“, sagt Bernbeck. „Viele beobachten die Situation und warten die weitere Entwicklung ab.“ Bernbeck kritisiert, dass Wirtschaftssanktionen zu oft politische Strategien ersetzen sollen. „Wir sollten uns vielmehr überlegen, wie wir mit dem Land langfristig umgehen“, sagt Bernbeck. „Iran wird auf lange Sicht in dieser Weltregion unbestreitbar eine zentrale Rolle spielen – unabhängig davon, wer das Land führt.“ Seit vielen Jahren aber nehme die Rolle, die deutsche Firmen in der Wirtschaft des Landes spielen, kontinuierlich ab.
Gerade wird eine Liste im Internet diskutiert, die von der Deutsch-Iranischen Industrie- und Handelskammer stammen soll. Ob dies stimmt, konnte Bernbeck derzeit noch nicht sagen, da er diese Information selbst über die Presse erhalten habe. Zu den Unternehmen auf der Liste gehören große Konzerne wie etwa Daimler, Bayer, BASF, die Hypo-Vereinsbank oder Siemens. Zu ihrem Iran-Engagement befragt, bleiben alle recht knapp: Daimler etwa betont, nur noch eine kleine Beteiligung an einem iranischen Hersteller von Aggregaten für Omnibusse zu besitzen – und das bereits seit den 60er-Jahren. Ein Büro oder gar eine Landesgesellschaft habe Daimler dort nicht. Der Sprecher von Babcock Borsig Service aus Oberhausen sagt, er könne sich nicht erklären, wie sein Unternehmen auf die Liste kommt. Man liefere lediglich zweimal im Jahr kleinere Ersatzteile für ein in den 70er-Jahren gebautes Kraftwerk. Auch vier Berliner Firmen stehen auf der Liste. Von denen sagt auch eine: „Wir haben Kontakte zu Wissenschaftlern im Iran, aber Geschäftsbeziehungen gibt es keine.“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.02.2010)
Kommentare [ 18 ] Kommentar hinzufügen »
Welcher hat wohl den A-Sprengstoff ?
Und welcher möchte ihn denn geren haben ?
Und wer ist wohl gefährlicher von den beiden,
der der ihn hat oder der der ihn nicht hat ?
Israels Atomwaffen sind Bedrohung an sich.
Israel besetzt fremdes Land und eignet es sich widerrechtlich an.
Israel unterdrückt die benachbarte Bevölkerung und demütigt sie seit Jahrzehnten.
Israel ist aktiv gewalttätig und droht Staaten in seiner Nachbarschaft und der Region wiederholt mit militärischen Aktionen und führt sie immer wieder durch.
Ursache und Wirkung dürfen auch in diesem Fall nicht unbeachtet bleiben.
Israel ist der Eindringling in Nahost, der sich nicht an seine Nachbarschaft anzupassen vermag, der unfähig ist, wohl gerade wegen seiner Macht Frieden zu schließen.
Irans Krieg gegen den Irak wurde ihm vom damals westlichen Verbündeten Saddam aufgezwungen. Kein cm Land wurde von Iran annektiert, keiner seiner Nachbarn ist von ihm angegriffen worden.
Die seit Jahren geschürte Hysterie gegen den Iran ist pure Kriegstreiberei, die den Kriegs-Vorbereitungen der USA gegen den Irak gleichkommt. Liberman (USA) und Liberman (Israel) sind Brüder im Glauben wie im Geiste. Sie sind eine Gefahr für den Weltfrieden.
Handel unf Wandel hingegen sind Brücken, über die Bürger wie Staaten zu Zusammenarbeit und Frieden gehen können.
Ich ging davon aus, da die Worte relativ einfach gewählt waren sodass dies jeder erkennen kann.
Offensichtlich sind auch sie bereits auf die
Mains-Stream-Medienverblödung herein gefallen.
Noch nie was davon gehört, dass die Aussage, die sie da erwähnen nicht war ist, die man dem Ahmadinedschad da unterstellt.
Ich dachte es wäre inzwischen allgemeines Gedankengut zu wissen dass diese Aussage falsch wiedergegeben wurde.
Da sieht man mal ganz deutlich wie das dauernde wiedergeben von falschen Aussagen doch seine Wirkung zeitigt wenn man es oft genug wiederholt.
Mir ist dieser Präsident auch nicht besonders angenehm, aber da gehören auch noch andere Staatsmänner dazu.
Überigens, es bedarf nicht einer wörtlichen Bedrohung um vor radikal religiösen Regierungen (auch sich demokratisch nennende) ein gewisses Unwohlsein zu verspüren.
Das Unausgesprochene ist oft viel hinterhältiger und gefährlicher als ein offen ausgesprochenes Wort.
Welche Bombe? Geht's noch? Falls es Ihnen noch nicht aufgefallen ist, geht es um die Auslegung des NPT und um die Deutung des zivilen iranischen nuklearen Programms auf der einen Seite und das vorgeschobene israelische Misstrauen gegenüber dem Iran auf der anderen Seite (weitgehend entkräftet durch die IAEA) ... plus dem US-amerikanischen Bestreben, einen Vorwand zu haben um den Iran anzugreifen; es geht da um viel Energie, sowohl im Iran selbst als auch die, die täglich die Strasse von Hormus in Tankern passiert.
Wenn die USA nämlich die Kontrolle über die Strasse von Hormus haben, werden auch China und Indien wieder abhängig vom Wohlwollen der (völlig bankrotten) USA, und das perfide Spielchen mit der Ton-angebenden "Weltpolizei" kann dann noch eine Weile weiter gehen.
Ihr Kommentar tut ja gerade so, als ob eine iranische Bombe Tatsache ist, obwohl noch immer keinerlei Beweise (also Fakten!) vorliegen, dass der Iran überhaupt an einer Bombe arbeitet, geschweige denn bereits über eine Bombe verfügt -- ich könnte mir allerdings wünschen, dass dem so wäre, denn es würde die Sicherheit des Iran gegen einen Angriff durch Israel oder die USA erhöhen, genug Geschrei gibt es ja hier zur Genüge, mal aus Israel, mal aus den USA.
Israel werden rd. 200 Sprenköpfe zugerechnet, den USA über 2000. Wenn also, völlig theoretisch, der Iran es schaffen würde, mal 10 Sprengköpfe auf seinem Gebiet zu dislozieren (als Abschreckung für einen Angreifer), dann wäre das durchaus sinnvoll. Diese theoretischen 10 Sprengköpfe allerdings so zu verplanen, dass diese einem "Angriff" auf irgendwen dienen könnten, wäre der reinste Selbstmord für den Iran, denn der Vergeltungsschlag käme sofort.
Was meinen Sie also mit krimineller Energie? Kriminell sind die, die ständig vom Angriff auf den Iran faseln!
Die "WMDs" des Irak sind wohl schon vergessen, oder?
denn man muss die Bombe erst einmal haben.
So lange die Jungs die Anreicherung nicht mal auf 3% bringen, ist als GAU maximal die Explosion einer Zentrifugenkaskade möglich.
Sie sind ja richtig auf Du mit den iranischen Atomexperten. Wenn Emotionen im Spiel sind, dann erklärt das natürlich die gefärbte Brille.
Ich bin kein großer Fan von Israel und sehe persönlich keine besondere Verantwortung für diesen Staat, vor allem wegen der absolut verfehlten Siedlungspolitik, aber ich denke ein recht neutrales Verhältnis zu haben und kann daher ihre Anfeindungen nicht nachvollziehen. Der Staat ist umschlossen von aggrressiven Nachbarn die diesem Staat seine existenzberechtigung absprechen, die ihm mit Vernichtung drohen, und Israel hat sich bis dato nur verteidigt bzw. auf große Bedrohungen und Provokationen reagiert, ohne je einen anderen Staat der Region mit der Auslöschung zu drohen.
Es gibt Interessenkonflikte zwischen Israel und seinen Nachbarn, bei denen ISrael auch überzogene Forderugnen stellt. Aber es ist an einer Aussöhnung interessiert und stellt keine Bedrohung dar für seine Nachbarn.
Solange Israel okkupiert und okkupiertes Land besiedelt und "Präventivschläge" im Libanon, auf dem Gazastreifen oder im Irak (Bombardierung nuklearer Anlagen) führt, ist es nicht nur "Bedrohung" als Möglichkeit, sondern verifizierte Bedrohung/Bedrohung per se.
Von den permanenten Planungen und Übungen des israelischen Militärs zur militärischen Aggression gegenüber dem Iran haben Sie sicher auch noch nichts gehört, vermute ich.
Zweitens gibt es noch keinen offiziellen, international verbindlichen Wirtschaftsboykott gegen den Iran, dem man das Recht auf friedliche Nutzung der Kernenergie ohne jede Rechtsgrundlage abspricht.
Drittens würde erfahrungsgemäß ein freiwilliger Boykott durch deutsche Firmen nur dazu führen, dass die Franzosen, Japaner, Chinesen und Italiener den frei gewordenen Markt besetzen; für uns nur Schaden ohne jeden Nutzen.
Viertens müsste eigentlich jeder aus geschichtlicher Erfahrung wissen, dass solche Boykotte bei autoritären Regimes keinerlei Wirkung zeigen.
Es ist nicht Aufgabe der Wirtschaft, auf eigene Kosten zweifelhafte Ziele der Außenpolitik durchzusetzen, die die deutsche Regierung im Alleingang verfolgt.
http://de.stopthebomb.net/de/start/deutschland/d-iran/who-is-who-im-iran-business.html
Jedoch mal so objektiv betrachtet, eine sehr, sehr seltsame Seite. Im Impressum keine verantwortlichen Personen genannt, nur ein "Verein". Der wiederum nennt auch weder seine Satzung, sein Anliegen noch Mitglieder. Die Texte sind, salopp gesagt, ziemlich polemisch und recht einseitig. Beim lesen bekomme ich als neutrale Person das Gefühl, ich lese eine Rede von Herrn Rummsfeld. Ziemlich viele kuriose Unterstellungen mit einem gewissen "Geschmäckle", wie die Schwaben sagen würden.
"Der Marktführer im Tunnelbohrsektor Herrenknecht und die Firma Wirth liefern Bohrtechnik, mit der Anreicherungsanlagen unterirdisch versteckt werden können." ... "Sogar für die Lieferung von fahrzeuggestützten Kränen wird geworben, obwohl längst bekannt ist, dass sie im Iran für Hinrichtungen eingesetzt werden." [Quelle: http://de.stopthebomb.net/de/start/deutschland/d-iran/who-is-who-im-iran-business.html]
Insgesamt bekommt einem beim Lesen das Gefühl, man hätte soeben die BILD-Zeitung aufgeschlagen. Plump und Boulevardmäßig.
Man sollte es wohl nicht so ernst nehmen.
Man darf nur hoffen, dass Merkels wiederholte Ankündigung von Sanktionen nur Maulheldentum ist.
Und die Mehrheit der deutschen Bevölkerung auch nicht.
Denn, nicht "Deutschland" möchte gegen den Iran zu Felde ziehen, sondern die gegenwärtigen Machthaber Deutschlands.
Das ist nicht nur ein kleiner, aber feiner, sondern sogar ein großer Unterschied.