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US-Wirtschaft

In den USA verpuffen die Geldgeschenke vom Staat

Die Bush-Regierung hat 170 Milliarden Dollar für eine Konjunkturspritze ausgegeben - doch die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft halten sich in Grenzen.
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New York – Lange hat der Scheck über 1200 Dollar bei Sara Kramer nicht gereicht. Die alleinerziehende Mutter zweier halbwüchsiger Söhne aus einem Vorort von St. Louis kaufte neue Kleidung für ihre Kinder, glich die Kreditkarte für die Tankstelle aus und bezahlte die Strom- und Gasrechnungen für ihr Haus. Danach war das Geld weg. „Ich konnte nichts sparen“, sagt Kramer, „und besonders viel geholfen hat es eh nicht.“ So wie Kramer haben die meisten Amerikaner das Geld genutzt, das das staatliche Konjunkturpaket seit Mai in ihre Taschen spült. Sie gaben es aus für die notwendigen Dinge im Leben, und wenn noch etwas übrig war, legten sie es auf die hohe Kante.

170 Milliarden Dollar gab die Regierung von George W. Bush für die Konjunkturspritze aus. Der Großteil (125 Milliarden Dollar) ging direkt als Schecks an die Steuerzahler. Single bekamen 600 Dollar, Haushalte 1200 und jeweils 300 für Kinder unter 16 Jahren. Die volkswirtschaftlichen Effekte lassen sich bislang nur schwerlich messen. Die Ausgaben für Konsumgüter stiegen im Juni um 0,8 Prozent, der größte Sprung seit neun Monaten. Die Sparquote wuchs um 0,4 Prozentpunkte auf fünf Prozent. Die gesamtwirtschaftlichen Aussichten bleiben jedoch grau. Die Federal Reserve Bank (Fed) spricht in ihrer jüngsten Studie davon, dass der Konsum „gemischt, schwach oder sinkend“ sei. Die Autoverkäufe, die in den USA als sicherer Indikator für das Verbraucherverhalten gelten, sind quer durch die Bank schwach. Das macht sich auch beim Wirtschaftswachstum bemerkbar. Am Montag senkte die US-Regierung ihre Prognose für das laufende Jahr von 2,7 auf 1,6 Prozent.

Die Zuversicht der Konsumenten ist unlängst laut einer Studie der University of Michigan auf das niedrigste Niveau seit 56 Jahren gesunken. „Die steigenden Benzinpreise, die hohen Lebensmittelkosten, die schwindenden Jobs, die sinkenden Immobilienwerte und das Rekordniveau an Zwangsversteigerungen sind die Grundlage für diesen Pessimismus“, sagt Richard Curtin, der die Erhebung leitete, „und die meisten Konsumenten erwarten, dass die Probleme in den kommenden Monaten noch größer werden.“

In Washington denkt man deshalb schon über ein zweites Konjunkturpaket nach. Bush und Fed-Chef Ben Bernanke fordern dagegen Geduld. Ihnen bereitet das ausufernde Staatsdefizit Sorgen. Für 2009 rechnet die Regierung hier mit einem Rekordstand von 482 Milliarden Dollar.Matthias E. Krause

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 29.07.2008)
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