Die Konkurrenten der Deutschen Post bündeln ihre Kräfte. Die deutsche Tochter des niederländischen Postunternehmens TNT plant mit anderen privaten Briefdienstleistern die Gründung eines gemeinsamen bundesweiten Zustellnetzes unter dem Namen Mail Alliance.
Berlin - Die Konkurrenten der Deutschen Post bündeln ihre Kräfte. Die deutsche Tochter des niederländischen Postunternehmens TNT plant mit anderen privaten Briefdienstleistern die Gründung eines gemeinsamen bundesweiten Zustellnetzes unter dem Namen Mail Alliance. Auch die Berliner Pin Mail AG, weitere Postdienste der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und andere Firmen wollen sich an der Gemeinschaftsfirma beteiligen. Eine Sprecherin von TNT sagte am Montag, TNT arbeite europaweit an Kooperationen, um seine Zustellnetze zu stärken. Details zur Mail Alliance nannte sie nicht.
Florian Gerster, Präsident des Arbeitgeberverbands Neue Brief- und Zustelldienste, rechnet damit, dass die Mail Alliance die Konkurrenten der Post stärken wird. „Das bringt höhere Sendungsmengen und somit neue Wachstumschancen für die Unternehmen“, sagte Gerster dem Tagesspiegel. „Und die Kunden können in der Folge mit niedrigeren Preisen rechnen.“
Schon bisher arbeiten regionale Briefdienstleister bei der Zustellung überregionaler Post zusammen. Für eine bundesweite Zustellung sind sie aber in einigen Bereichen auf Leistungen der Deutschen Post angewiesen. Das soll sich künftig ändern. „Die Mail Alliance wird zum ersten Mal eine bundesweite Vernetzung ermöglichen“, sagte Gerster. „Die Unternehmen sparen nicht nur Geld, weil sie die Leistungen der Post nicht mehr in Anspruch nehmen müssen, sie können jetzt auch bundesweit für die eigenen Qualitätsstandards geradestehen.“ Die Aussicht auf eine stärker werdende Konkurrenz hat die Aktie der Deutschen Post am Montag unter Druck gesetzt. Sie verlor zeitweise mehr als ein Prozent.
Widerspruch vom Bundeskartellamt gegen den Zusammenschluss erwartet Gerster nicht. „Es geht nicht um eine Fusion, sondern eine Kooperation und es ist nicht zu erwarten, dass das Kartellamt etwas gegen den David unternimmt.“ Die Mail Alliance werde zu transparenten Konditionen agieren und sei für weitere Unternehmen offen. Derzeit kommen alternative Postunternehmen im Briefgeschäft zusammen auf einen Marktanteil von rund zehn Prozent. Größter Wettbewerber der Deutschen Post ist TNT mit drei Prozent.
Gerster rechnet mit weiteren Verbesserungen der Wettbewerbssituation. „Wir gehen davon aus, dass die Koalition im Jahressteuergesetz 2010 das Mehrwertsteuerprivileg der Post aufhebt“, sagte er. Bisher ist allein die Deutsche Post im Briefgeschäft von der Mehrwertsteuer befreit. Zudem erwarten die Konkurrenten, dass das Bundesverwaltungsgericht zum Jahresende den Post-Mindestlohn von 9,80 Euro pro Stunde kippen wird, den die Branche als viel zu hoch erachtet. „Zu Gesprächen über einen Mindestlohn im Bereich von 7,50 Euro pro Stunde sind wir bereit“, sagte Gerster.
Corinna Visser
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 13.10.2009)
Kommentare [ 4 ] Kommentar hinzufügen »
Die NEUe Billig-Post (Briefmarken, Pächen, etc.) hat demnach bald das Niveau von 1-Euro-Shops und ist nurnoch ein Supermarkt-Regal OHNE Infrastruktur.
Bezüglich der Post-Bank wurde ja bereits dessen Schließung und Integration in den noch verbliebenen Zweigstellen der Deutschen Bank eingeläutet. Die Aktienkurse der Deutschen Bank mögen dadurch kurzfristig gestiegen sein, aber die Arbeitslosenzalen im Bankbreich auch. Und dies wird wohl kaum zu einer Ankurbelung der Wirtschaft beitragen
Außerdem und da hat mein Vorkommentator unbedingt Recht, hat die Post wirklich alles unternommen, um sich bei Ihren Kunden unbeliebt zu machen.
Kinder, vergesst es. Seid nicht so naiv. Macht euch keine Hoffnungen darauf, dass die Post langfristig Konkurrenz aus dem Ausland bekommen könnte. Das Bundeskartellamt sitzt in Bonn, genauso wie die Deutsche Post.Und jetzt ratet mal, wer sich morgen Nachmittag im Restaurant am schönen Rhein zum Essen verbredet, um die Einzelheiten zu klären! Ich gebe euch einen Tip: "David" wird ganz bestimmt nicht mit am Tisch sitzen.