Das Amtsgericht Essen eröffnet das Insolvenzverfahren. Nach nur sechs Monaten verlässt Vorstandschef Eick das Unternehmen - mit dem gesamten Gehalt für fünf Jahre.
Düsseldorf - Schwarzes Hemd, den obersten Knopf geöffnet. Ohne Jackett. Das Gesicht gut gebräunt. Wer Karl-Gerhard Eick am Dienstagmorgen beim Frühstück am Düsseldorfer Flughafen erlebte, konnte den Eindruck bekommen, er genieße bereits seinen Ruhestand. Seit Wochen war berichtet worden, wenn das offzielle Insolvenzverfahren gegen Arcandor eröffnet wird, muss Eick gehen und der bisherige vorläufige Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg übernimmt endgültig den Nachlass des maroden Konzerns. Am Dienstag war es nun so weit.
Damit endet eine kurze Episode an der Spitze von Arcandor. Genau sechs Monate stand Eick dem Konzern vor, vor knapp drei Monaten musste er Insolvenz anmelden. Inzwischen ist klar: Die drei Konzerntöchter werden künftig getrennte Wege gehen (siehe Kasten) und zumindest Karstadt und Quelle stehen schmerzvolle Sanierungen bevor. Der einzige Gewinner, so scheint es, ist Eick selbst: Seinen noch über fünf Jahre laufenden Vertrag bekommt er inklusive der variablen Bestandteile ausgezahlt – insgesamt 15 Millionen Euro. Die Privatbank Sal. Oppenheim hatte ihm diese Summe auch für den Fall der nun eingetretenen Insolvenz garantiert.
Dafür hat Eick viel Kritik bekommen. Nach den Arbeitnehmervertretern von Karstadt und Quelle äußerte am Dienstag auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihr Unverständnis. Eick selbst versteht die Aufregung nicht. „Ich habe nie einen Hehl aus meinem Gehalt gemacht“, sagte er am Dienstagmorgen. Über seine Verbindung zu Sal. Oppenheim hatte Eick frühzeitig informiert. Ohne deren Garantie wäre er bei Arcandor gar nicht erst angetreten. „Kein vernünftiger Mensch würde eine so hochriskante Aufgabe ohne Absicherung übernehmen“, erklärte Eick. Am Nachmittag kündigte er dann aber doch an, ein Drittel der Abfindung „zur sozialen Abfederung von Insolvenzfolgen für die Mitarbeiter im Konzern“ spenden zu wollen – ähnlich wie der kürzlich abgetretene Porsche-Chef Wendelin Wiedeking.
In der Essener Konzernzentrale hat seit Dienstag nun endgültig der Kölner Anwalt Görg mit seinem Team das Sagen. Er wird die Verhandlungen bei Quelle und Karstadt koordinieren. Beim fränkischen Versandhaus verhandelt Görg aktuell mit einem Bankenkonsortium um die Finanzierung des überlebenswichtigen Weihnachtsgeschäfts, wie Görgs Sprecher am Dienstag versicherte. Bei Karstadt spreche man mit allen Beteiligten, um Beiträge für eine Sanierung auszuloten. Auch hier drängt die Zeit. Bis zu den Gläubigerversammlungen Mitte November sollen fertige Konzepte für die beiden Handelshäuser vorliegen.
Unterdessen forderte Verdi die Insolvenzverwaltung auf, die Suche nach einem Investor für Karstadt zu beschleunigen. „Bis zum Weihnachtsgeschäft muss klar sein, wo es hingeht, mit wem und wie“, sagte die stellvertretende Verdi- Vorsitzende Margret Mönig-Raane am Montagabend in Berlin. Sie habe die Sorge, dass die Suche nach einem Investor weitere Monate dauern könne.
Zudem kritisierte die Gewerkschafterin, die auch im Aufsichtsrat von Arcandor sitzt, die Einschnitte, die von den Mitarbeitern erwartet würden. „Wir wissen weder etwas über den Sanierungsplan noch über interessierte Investoren außer Metro“, sagte Mönig-Raane. „Wir wissen nur, dass die Insolvenzverwaltung der Meinung ist, dass die Mitarbeiter wieder einen Beitrag leisten sollen.“ Da es aber keinen Plan für die Zukunft gebe und zugleich auch keine Zusagen wie Standort- und Beschäftigungssicherung, „geht der Beitrag, den die Beschäftigten leisten sollen, eher in Richtung Spende als in Richtung Sanierungsbeitrag“. Die Belegschaft habe seit 2004 bereits rund 324 Millionen Euro zur Sanierung des Unternehmens beigetragen.
Auch der scheidende Chef Eick lobte an seinem letzten Tag die Beschäftigten. „Bei Arcandor wurden viele Fehler gemacht, für die die Mitarbeiter überwiegend gar nichts können.“
„Wenn jemand, der ein insolventes
Unternehmen leitet, für sechs Monate Arbeit
das gesamte Gehalt für fünf Jahre bekommt,
wie der Herr Eick in Höhe von 15 Millionen,
dann habe ich dafür absolut kein Verständnis“
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 02.09.2009)
Kommentare [ 23 ] Kommentar hinzufügen »
Wie man schon vorher eine Abfindung für den Fall des Scheiterns vereinbaren kann, bleibt mir ein Rätsel. Aber unter den Managern gilt ja sowieso, die eine Krähe (hier: Sal. Oppenheim Manager) hackt der anderen (hier: Eick) kein Auge aus.
Die sollten allesamt wegen Untreue verurteilt werden, denn sie veruntreuen mit solchem Verhalten Gelder ihrer Aktionäre.
Ich frage mich aber, was das für "Aufsichtsräte" sind, die solche Verträge billigen. Offenbar war Sal.Oppenheim ja ganz versessen darauf, diesen Vertrag zu schließen. War Eick der einzige Manager auf dem Markt, dem diese Aufgabe zuzutrauen war? Ist er so über alle Maßen hochtalentiert, dass sein "Kompensationspaket" gerechtfertigt war? Ist der Steuerzahler an dem Deal beteiligt? Man steht da und wundert sich.
Der Fall Eick ist ja kein Einzelfall. Wo bleiben die staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen organisierter Verantwortungslosigkeit der Aufsichtsräte? Wäre es übertrieben einem Anfangsverdacht auf Untreue durch die Aktionärsvertreter nachzugehen? Lassen sich die Eigentümer alles bieten?
Das sind die Dinge, die ich nicht verstehe.
Die "da oben" verarschen die "da unten"...systematisch gewollt und geplant.....
Danke, Herr Eick, mehr wollten wir nicht hören. Endlich einer, der es ausspricht: Der Manager einer großen Kapitalgesellschaft muss - anders etwa als der kleine Lebensmittelhändler, der kleine Friseur, der kleine Anwalt, der kleine Architekt, der ein paar Leute beschäftigt hat, deren täglich Brot er erwirtschaften, andernfalls aus seinem privaten Geldbeutel zahlen muss - keinerlei Risiken tragen, denn er bekommt in jedem Fall sein Geld, selbst wenn der Laden an die Wand fährt. Er muss im Übrigen auch nicht mal ungewöhnliche Leistungen zeigen. Denn ungewöhnlich wäre es gewesen, den von Herrn Middelhoff ausgebluteten Konzern aus dem Dreck zu ziehen. Gewöhnlich und von jedermann zu bewältigen war es hingegen, Arcandor gänzlich an die Wand zu fahren.
Vor diesem Hintergrund stellt sich nicht nur die Frage, warum Herrn Eick eine Jahresvergütung von 3 Mio. Euro gezahlt wird, sondern er diese auch noch im Falle der Pleite des Unternehmens bekommt, ohne dass er dafür irgend etwas leisten muss. Klar, es hat sich ein Dummer (Bankhaus Salomon Oppenheimer) gefunden, der für diese Nicht-Leistung zahlt. Solche Dummen wird es immer geben. Wir müssen uns aber auch ab und an vergegenwärtigen, dass die Summen, die gezahlt werden, an Leute gehen, die keinerlei Risiken tragen und nicht einmal besonders überdurchschnittliche Fähigkeiten haben.
Da ziehe ich vor jedem kleinen Friseur, Architekten, Gemüsehändler den Hut, der über Jahrzehnte seine Hand voll Angestellten versorgt mit dem Risiko, dabei persönlich pleite zu gehen. Das sind die wahren Helden, nicht ein Herr Eick oder Wieandt oder oder!
Was leisten unsere "Leistungsträger" eigentlich, das sie soviel Geld wert sind.
Sie "deligieren" Arbeit an andere. Aber nicht wie ein Kapitän auf einem Schiff, sondern wie ein Lotto Spieler. Sie haben keine Ahnung ob ihre Entscheidungen was bringen oder nicht.
Man könnte auch jemanden mit einer Münze auf die Brücke stellen und 3 Millionen in die Hand drücken. Komm mach mal!
Behaupte da keiner, das Geld gehöre schließlich einer Bank.
Im Kapitalismus hat die Bezahlung mit der Leistung ziemlich wenig zu tun, sonsern die Bezahlung richtet sich nach dem Angebot und der Nachfrage.
Die Leistung kann ohnehin nicht objektiv bewertet werden !
Also zuckt mal wieder vollkommen unkontrolliert der Gigantus Musculus Neidreflexus !
So einfach ist die Welt.
Oder suchen nur einige, sie so einfach zu machen? Der Einfachheit des Raffens halber?
Das perverse zerstörerische Verhalten der letzten Jahrhunderte ist aber vorallem auf die Erfindungen in der Waffentechnik und des Bankensystems mit Zins und Zinseszins zurück zu führen. Diese beiden Erfindungen ermöglichen gigantische Hebelwirkungen die den recht ungefährlichen Wahnsinn (Hitler) oder die Raffgier Einzelner (z.B. WestLB Vorstand) zu schrecklichen Krisen weiter Teile eines Volks oder der ganzen Welt werden lassen.
Der Mensch an sich ist weder gut noch schlecht. Sowas wie Gut und Böse existiert nur in Märchen und der Bibel.
Und ?
Was involviert dieses "Und?":
Es sei nun 'mal so. Es sei normal. Es sei üblich. Es sei Usus modernus.
Das alles ist es aber nicht. Es ist pervers. Jede Putzfrau hat in dieser Zeit mehr für die Allgemeinheit getan.
Eine Gesellschaft, die solche Zustände nicht sekretiert, beginnt zu vereitern.
Nee, @commentator, das ist wohl Ansichtssache !
1. Boris hat natürlich nicht nur in den paar Stunden des Turniers geniales Tennis gezeigt, sondern er hat auch viele Jahre vorher täglich hart trainiert. Vorbereitungs- und Ausbildungszeiten müssen sicher auch mitgerechnet werden.
2. Millionen Menschen hat er riesiges Vergnügen bereitet ! Hunderte Fernsehanstalten übertrugen das Spektakel in die ganze Welt. Das hat die Lebensqualität der Zuschauer verbessert.
3. Tausenden von Menschen hat er durch durch seine Leistungen Arbeit verschafft, direkt (Fernsehleute, Kommentatoren, Linienrichter, Organisatoren, Stadionbetreiber samt Personal, ...), als auch indirekt (Chemiefabriken für Linoleumbeläge, Fleischer für die Würstl, Gärtner für den Kunstrasen, ...).
Hat jede Putzfrau in dieser Zeit wirklich mehr für die Allgemeinheit getan ?
Wer will das objektiv und gerecht bewerten ? Nach welchen Maßstäben ?
Wenn Sie bessere Kriterien haben als die bisherigen (Marktwert, erbrachte Vorleistungen, Ersetzbarkeit, Wichtigkeit für die Allgemeinheit ...) nur heraus damit ! Die Menschheit wäre dankbar und die Welt wäre schöner.
Aber solange ...
Was bitte ist keine "Ansichtsache"?
Und Foren setzen verschiedene Ansichten von Sachen voraus. Anderenfalls könnte man sie sich sparen.
Aber zurück zu Pingpongboris & Co:
Juvenals "panem et circenses" thematisiert wohl erstmals das verängstigte und entpolitisierte Volk, das sich mit Brot und Spielen abspeisen lässt.
Die alten Römer wussten das System der politischen Einschläferung immer weiter zu perfektionieren. Wahre Meister allerdings finden sich heute. Sie rekrutieren nicht nur Abertausende sozialdekadente Nonsenskonsumenten, sondern auch noch erbitterte Verteidiger des gegen sie gerichteten Systems aus den Reihen der Geschädigten selbst.
Besonders erheiternd bei diesem traurigen Thema ist übrigens Ihr Boris als Arbeitsbeschaffer des Berufsbildes „Gärtner für den Kunstrasen“ …
Er kann nicht zu den Gier-Managern gezählt werden.
Herr Eick ist ein Mensch wie jeder andere auch.
Was nehmen sich diverse Pomaden heraus? Weil sie sich im Vorstand der Telekom (ausgerechnet!!!) den schnöseligen Managerhintern breit gesessen haben, erwerben sie 15-Mio-Ansprüche für den Fall bankrottierender Abwerbungen???
Wenn dieser Irrsinn nicht schleunigst aufhört, wundern Sie sich bitte nicht, wenn die "blöden Kleinen" demnächst nicht mehr nur noch "neidisch" sind.
Um ihn zu verpflichten, mußten ihm die Eigentümer von Arcandor (in erster Linie Sal. Oppenheim und M. Schickedanz) einen Anreiz geben. Das geht am besten, indem man jemandem mehr bezahlt, als er anderswo bekommen hätte.
Wenn die Eigentümer eines Unternehmens der Meinung sind, auch im Falle eines Scheiterns ein üppiges Gehalt zu zahlen, dann sollen sie das bitteschön tun. Wer sind Sie, verehrte Kritiker dieser Praxis, dass Sie sich das Recht nehmen, sich in dieser Sache so zu äußern? Es geht Sie schlicht nichts an, was Herr Eick verdient, wenn er scheitert und was er verdient hätte, wenn dies nicht geschehen wäre.
Darüber hinaus hat Herr Eick die Gründe seines Scheiterns auch öffentlich dargestellt: Die mangelnde Bereitschaft der Eigentümerseite (eben Frau Schickedanz und Sal. Oppenheim), neues Kapital, welches dieses am Boden liegende Unternehmen gebraucht hätte, zur Verfügung zu stellen.
Ich kann mir vorstellen, dass den Damen und Herren bei dieser Entscheidung voll bewußt war, dass sie Herrn Eick dann ausbezahlen müssen.
Steuergelder flossen im übrigen weder an Frau Schickedanz noch an Sal. Oppenheim, die Herrn Eick bezahlen. Geld floss an Quelle, damit ein Katalog gedruckt werden kann, was dann ja wohl auch geschah.
Hier ist also ganz klar: Erwachsene Menschen haben ein Geschäft miteinander geschlossen. Sie haben alle Modalitäten miteinander vereinbart, die sie für wichtig hielten, das Geschäft lief nicht, wie erhofft und nach den vereinbarten Modalitäten wurden die geschäftlichen Beziehungen beendet.
Ich sehe keinen Ansatzpunkt für Kritik.