Gerd Billen ist Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Im Tagespiegel-Interview erklärt er, warum er derzeit Wut auf die Banken verspürt.
Herr Billen, muss der Staat den Banken wirklich mit 480 Milliarden Euro helfen?
Die Regierung hat keine andere Wahl, als milliardenschwere Garantien und Finanzspritzen zur Verfügung zu stellen, damit die Kreditvergabe wieder in Schwung kommt. Der Staat ist der Einzige, der derzeit Vertrauen schaffen kann.
Ärgert es Sie nicht, dass der Steuerzahler für die Fehler der Banken haften muss?
Doch, natürlich. Wenn man bedenkt, wie viele Kinderkrippen man mit einem Bruchteil dieses Geldes bauen könnte oder wie man die berufliche Bildung stärken könnte, dann packt mich große Wut. Aber es gibt keine Alternative. Auch die Verbraucher sind darauf angewiesen, dass der Bankenmarkt funktioniert und die Anlagen sicher sind. Und auch die Industrie darf nicht ins Trudeln kommen, damit die Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze nicht verlieren.
Kann man nach der Krise einfach so weitermachen wie vor der Krise?
Nein. Wir brauchen eine grundlegende Neuorientierung der Finanzmärkte. Wir müssen die Kontrollen der Banken verbessern, die Aufsicht effektiv und verbraucherorientiert gestalten, für risikoreiche Finanzprodukte eine Zulassung einführen. Vor allem aber muss der Anlegerschutz gestärkt werden und Anbieter müssen gezwungen werden, Produkte nach Bedarf und nicht nach Provision zu vertreiben. Die Regierungen in Bund und Ländern müssen mehr Geld für den Ausbau einer unabhängigen Verbraucherberatung zur Verfügung stellen. Kanzlerin Merkel muss mehr für den kleinen Mann tun. Tausende von Sparern sind auf die falschen Versprechen der Bankberater hereingefallen. Es gibt einen Riesenbedarf an objektiver Beratung zu Finanzprodukten.
Gerd Billen
ist seit gut einem Jahr Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Mit dem obersten deutschen Verbraucherschützer sprach
Heike Jahberg.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 14.10.2008)
Kommentare [ 1 ] Kommentar hinzufügen »
Auch in der Koalitionsvereinbarung wird der Deregulierung das Wort geredet. Überflüssige Regulierungen sollen abgebaut und der Ausbau des Verbriefungsmarktes, von PPP, von Reits und die Fortentwicklung des Unternehmensbeteiligungsgesetzes gefordert. Produktinnovationen und neue Vertriebswege müssen nachdrücklich unterstützt werden, heißt es dort. Die Finanzmarktaufsicht soll mit Augenmaß vorgehen. Das alles und vieles mehr seien vordringliche Maßnahmen zur Stärkung des Finanzplatzes Deutschland.
AHA - Asmussen und Steinbrück haben sich dran gehalten.
Auch die Berliner Bankenkrise hätte seinerzeit anders ausgehen könnnen, ohne das Berlin mit 64 Milliarden verschuldet ist - aber in dem Dreckhaufen steckten wohl alle Parteien bis zum Hals mit drin, sodaß man diesen Weg gewählt hat und sich z.B. Herr Lewandowsky weiter seines teuren Lebens erfreuen kann zu Lasten des Steuerzahlers.