A380 : Der Superflieger

Der A380 ist das größte Passagierflugzeug der Welt. Die Lufthansa setzt auf den Riesenairbus. Jetzt fliegt er auch nach New York.

von
Rollen ist schwieriger als Fliegen. Die Flügel haben eine Spannweite von 80 Metern, Kameras helfen den Piloten bei der Orientierung. Foto: ddp
Rollen ist schwieriger als Fliegen. Die Flügel haben eine Spannweite von 80 Metern, Kameras helfen den Piloten bei der...Foto: ddp

Das größte Passagierflugzeug der Welt wird mit einem Joystick gesteuert. Zumindest erinnert der Steuerknüppel, den Lufthansa-Pilot Geert Prüß in der linken Hand hält, eher an Computerspiele als ans Fliegen. Ein kleiner roter Knopf leuchtet auf dem Steuerknüppel, ein Druck reicht, um den Autopiloten auszuschalten. Dass mit diesem kleinen Gerät die A380 bewegt wird, ist kaum zu glauben. Das Riesenflugzeug ist 73 Meter lang, 24 Meter hoch, wiegt vollgetankt 560 Tonnen und bietet 526 Passagieren Platz. Auf dem Weg von Frankfurt am Main nach New York schwebt die Maschine über der Wolkendecke, in zehn Kilometern Höhe, und lässt Irland und den Atlantik unter sich.

Ein großer Laptop-Bildschirm zeigt dem Piloten auf einer Karte den Standort der Maschine an. Prüß klickt auf Belfast, und innerhalb weniger Sekunden spuckt der Computer alle wichtigen Informationen über den Flughafen aus, etwa wie lang und breit die Start- und Landebahn an dem irischen Airport ist. Der Pilot greift neben sich und holt eine Papierkarte hervor: „Die haben wir trotzdem immer dabei“, sagt Prüß und lacht.

Seit 27 Jahren ist er schon im Dienst und fliegt nun eine der hochtechnisiertesten Passagiermaschinen der Welt. Und trotzdem fühlt es sich kaum anders an, eine A380 zu steuern, als im A340 zu sitzen, den Prüß zuvor geflogen ist. „Die zusätzlichen 200 Tonnen merkt man nicht, nur die Instrumente sind ein bisschen anders“, berichtet er. Prüß ist einer von 120 Lufthansa-Piloten, die für die A380 ausgebildet sind, 30 Mal ist er die Maschine schon geflogen. Am Boden aber gibt es einen Unterschied. „Die Spannweite der Flügel ist mit knapp 80 Metern so groß, dass das Rollen schon schwieriger ist als mit anderen Fliegern“, weiß Prüß. Mehrere Kameras helfen den Piloten dabei, die Abstände richtig einzuschätzen.

Zum ersten Mal fliegt die Lufthansa an diesem Tag offiziell die Strecke zwischen Frankfurt und New York mit der A380. Es ist damit neben Tokio, Johannesburg – das im vergangenen Jahr der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen Trip mit der A380 beschert hatte – und Peking das vierte Ziel, das die deutsche Fluggesellschaft mit dem Super-Jumbo ansteuert. Ab Mai kommt auch San Francisco hinzu. Und auch bei den Maschinen will die Lufthansa aufstocken. Bis Ende des Jahres sollen acht ausgeliefert sein, bis 2015 kommen weitere sieben hinzu.

Der Flieger hilft der Lufthansa, auf dem hart umkämpften amerikanischen Markt zu wachsen. „Die A380 spielt für unser Wachstum in Nordamerika eine große Rolle, weil sie einen Kapazitätsausbau erlaubt“, sagt Jens Bischof, verantwortlich für das Amerikageschäft der Lufthansa. Mehr Slots seien schwer zu bekommen. Künftig kann sich die Lufthansa auch vorstellen, weitere Ziele in den USA wie Miami und Chicago mit der A380 anzufliegen. Bisher bietet die Gesellschaft insgesamt 257 wöchentliche Flüge zu 21 Städten in den USA und Kanada an, unter den europäischen Fluglinien fliegt nur British Airways noch häufiger nach Nordamerika. Eigene Inlandsflüge darf die Lufthansa in Amerika nicht fliegen. Sie kooperiert dafür mit United, die mit Continental zusammengegangen sind, und Air Canada. Gemeinsam mit diesen beiden Partnern deckt die Lufthansa 30 Prozent aller Flüge aus Europa über den Nordatlantik ab.

Bei der Landung des Riesenfliegers am John F. Kennedy Airport in New York ist die Begeisterung groß. Flughafenmanager Jerry Spampanato spricht von Millioneninvestitionen, damit der Flughafen fit für die A380 gemacht werden konnte. Und auch Airbus nutzt die Chance des Jungfernflugs, um sich in New York zu präsentieren. Die Luftfahrttochter des deutsch-französischen Konzerns EADS betont, ein globales Unternehmen zu sein. Zwar hat EADS den Kampf gegen Boeing um den Rüstungsauftrag der amerikanischen Regierung zunächst verloren, dennoch sieht die Tochter Airbus ihren Stand nicht bedroht. Zwar arbeiten nur 900 Menschen direkt für Airbus in den USA, unter anderem in Kansas und Alabama, mit allen Zulieferern hängen nach Angaben des Konzerns aber 180000 Jobs von Airbus ab. Der US-Stahlkonzern Alcoa etwa fertigt die äußere Hülle des Riesenfliegers für Airbus. Jedes Jahr kauft der Konzern Teile und Materialien im Wert von zehn Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten ein. „In jedem Motor unserer Maschinen stecken Teile aus den USA“, sagt Clay McConnell, ein Sprecher von Airbus in Amerika.

Bereits jetzt beziffert der Flugzeugbauer seinen Marktanteil in den USA auf 50 Prozent. United ist nach Angaben des Konzerns der größte Betreiber von A320-Fliegern in Amerika. „Die Flottenmodernisierung in den USA ist längst überfällig, das Alter der Flieger ist sehr hoch“, betont auch Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath. Das biete gute Marktchancen für die A380. Allerdings sind noch längst nicht alle Flughäfen in Amerika auf die Riesenflieger eingestellt.

Airbus vermarktet die A380 als Drei-Liter-Flieger, pro Gast und 100 Kilometer. Das ist besonders in Anbetracht der Preissteigerungen bei Kerosin für die Konzerne wichtig. Bisher etwa liegt der Verbrauch der Lufthansa-Flotte bei 4,3 Litern. Erst im Januar hatten British Airways und Lufthansa ihre Kerosinzuschläge erhöht. In dieser Woche legte die Lufthansa noch einmal nach. Seit Freitag zahlen Kunden für einen Flug in die USA 102 statt 97 Euro.

Ob es bald auch einen echten Lufthansa-Direktflug von Berlin nach New York über den neuen Großflughafen BBI geben könnte? Derzeit kabbelt sich die Lufthansa noch mit Air Berlin um das Drehkreuz in der Hauptstadt. Im Laufe des Jahres werde man weitere Pläne für den Flughafen vorstellen, sagt Lufthansas Amerika-Vize Bischof. „Eine vernünftige Infrastruktur, wie sie am BBI entsteht, ist die beste Voraussetzung dafür“, sagt er. Allerdings, so klagt der Manager wie alle in der Branche, störe ja weiterhin die Luftverkehrsabgabe, die bis zu 20 000 Jobs in Deutschland aufs Spiel setzen könne. Dennoch bekennt sich die Fluglinie zum Standort Deutschland. „Wir wollen weiter wachsen, auch im innerdeutschen Luftverkehr“, betont Bischof.

A380-Pilot Prüß macht sich derweil wieder auf den Rückweg nach Frankfurt. Dieses Mal ist er Passagier in einer normalen A340er Maschine, die er früher immer geflogen ist. Das Beifahrersyndrom habe er nicht. „Ich fliege auch gerne einfach nur mit.“

1 Kommentar

Neuester Kommentar