A380-Triebwerk : Lufthansa ist sauer auf Rolls-Royce

Lufthansa fürchtet nach der Triebwerksexplosion bei einem A380 von Qantas, dass das Vertrauen der Passagiere in den Großraumjet schwinden könnte. Grund ist eine Äußerung des Triebwerkherstellers Rolls-Royce.

J. Koenen, K. Slodczyk
November 2010: Aus ungeklärter Ursache gab es am Triebwerk des A 380 eine Explosion.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
04.11.2010 15:23November 2010: Aus ungeklärter Ursache gab es am Triebwerk des A 380 eine Explosion.

Eigentlich hatte Lufthansa nach der Explosion eines A380-Triebwerks der australischen Fluglinie Qantas und der Untersuchung der eigenen drei A380 ohne Befund Entwarnung gegeben. Doch dann äußerte sich der britische Triebwerkshersteller Rolls-Royce, der auch in Dahlewitz bei Berlin produziert, zu dem Vorfall: Die Explosion des Qantas-Triebwerks vom Typ Trent 900 habe nichts zu tun mit der Explosion einer Turbine des Typs Trent 1000 im August, hieß es. Der größere Typ für das Großraumflugzeug Dreamliner von Boeing war den eigenen Technikern auf einem Prüfstand um die Ohren geflogen. Der A380-Fall sei aber „ein Vorfall speziell des Trent 900“. Diesen letzten Satz nimmt die Lufthansa dem Hersteller übel.

Offiziell will sich der Konzern zwar nicht äußern. Wer aber mit Führungskräften spricht, merkt: Die Airline hegt einen gewaltigen Groll. „Rolls-Royce hat damit erklärt, dass es offensichtlich ein Problem mit dem A380-Triebwerk gibt. Wir haben alles geprüft, alles ist in Ordnung. Aber so ein Satz hilft nicht gerade, bei unseren Passagieren Vertrauen zu schaffen“, wettert ein Manager. Rolls-Royce wolle nur das Prestigeprojekt Dreamliner retten.

Die Beruhigungspille hat die Stimmung verdorben. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber Rolls-Royce-Chef John Rose sollen in direktem Kontakt stehen. Auch Singapore Airlines, die dritte Fluggesellschaft im A380-Bund, die auf die Turbinen aus London setzt, macht Druck. Denn jeder, der derzeit in eine A380 steigt, hat die Bilder von Singapur vor Augen: Teile des geborstenen Triebwerks hatten den Flügel durchschlagen, knapp am Tank vorbei. „Jeder hier weiß, dass die Ursachenforschung dauert. Aber etwas mehr Informationen wären gut gewesen, auch für unsere Passagiere“, klagt ein Lufthansa-Manager. Darauf warten alle Beteiligten.

Lufthansa hat mit größeren Flugzeugen und besserer Auslastung ihr Wachstum gesteigert: 8,5 Millionen Passagiere im Oktober – 6,2 Prozent mehr als 2009. Die Auslastung der Sitzplätze stieg um 0,6 auf 81,3 Prozent bei leicht sinkender Flugzahl. Rolls-Royce will am Freitag Konzernzahlen präsentieren, bis dahin nichts Neues mitteilen und lässt Raum für Spekulationen. (HB)

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben