Ab dem 1. Juli : Mehr Geld für Rentner

Rentner im Westen bekommen 2,1 Prozent mehr, Rentner im Osten 2,5 Prozent. Doch bei immer mehr Rentnern schlägt jetzt die Steuer zu.

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Alte Freunde: Diese beiden genießen ihren Ruhestand, bald sogar noch mehr.
Alte Freunde: Diese beiden genießen ihren Ruhestand, bald sogar noch mehr.Foto: imago/Westend61

Rentner können sich freuen. Um 2,5 Prozent steigen die Bezüge an diesem Mittwoch im Osten, um 2,1 Prozent im Westen. Und glaubt man dem Rentenexperten der Union-Bundestagsfraktion, Peter Weiß, steht im nächsten Jahr ein noch deutlicheres Plus an. „Man kann dann sogar mit 4,51 Prozent im Westen und 4,62 Prozent im Osten rechnen“, sagte Weiß am Dienstag in Berlin. Die Ruheständler würden von der guten Konjunktur und den deutlich steigenden Löhnen profitieren.
Während Weiß von einer „kleinen Sensation“ schwärmt, spricht Gerd Bosbach nur von einer „kleinen Oase“.

Die 20 Millionen Rentner hätten seit dem Jahr 2000 nämlich massive Einbußen hinnehmen müssen, hat der Mathematiker, der an der Hochschule Koblenz lehrt, ausgerechnet. Zwar seien die Renten im Westen von 2000 bis 2014 um 15,9 Prozent und im Osten sogar um 22,9 Prozent gestiegen, im selben Zeitraum seien die Lebenshaltungskosten aber um 24,4 Prozent in die Höhe gegangen. Die Rentner, kritisierte Bosbach am Dienstag, seien von der wirtschaftlichen Entwicklung abgekoppelt worden.

Immer mehr Senioren zahlen Steuern

Hinzu kommen die Steuern, die der Professor bei seinen Berechnungen außen vor gelassen hat. „Immer mehr Senioren zahlen Steuern“, heißt es beim Bund der Steuerzahler. Das liegt am Steuersystem. Nur ein Teil der Rente ist garantiert steuerfrei. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wann man in Rente gegangen ist. Wer 2005 Rentner geworden ist, kann 1577 Euro im Monat steuerfrei einstreichen. Wer in diesem Jahr Rentner wird, hat dagegen nur noch 1191 Euro, die auf jeden Fall steuerfrei bleiben. Die Freibeträge sind ein Leben lang gleich. Wer eine hohe Rente bekommt oder zusätzliche Einnahmen aus Betriebs-, privaten Renten, Kapitalanlagen oder Vermietungen hat, kann daher durch die Rentenerhöhungen in die Steuerpflicht rutschen. Von dem Rentenplus bleibt dann nur noch ein Teil übrig.

Wie groß ist der Spielraum? Steuerfrei ist für alle Steuerzahler – auch Rentner – der Grundfreibetrag. Der soll in diesem Jahr rückwirkend zum 1. Januar von derzeit 8354 Euro auf 8472 Euro angehoben werden, der Bundesrat muss dem noch am 10. Juli zustimmen. Das steuerfreie Existenzminimum in Zusammenspiel mit den Renten-Freibeträgen führt dazu, dass Rentner in den alten Bundesländern, die im Jahr 2005 oder früher in Rente gegangen sind, erst ab einer Monatsrente von 1650 Euro Steuern zahlen müssen – vorausgesetzt, sie haben keine weiteren Einnahmen. Wer aber erst 2015 in den Ruhestand gegangen ist und ausschließlich von der Rente lebt, hat nur noch rund 1300 Euro im Monat steuerfrei.

Viele Rentner wissen das nicht. Sie geben keine Steuererklärung ab, obwohl sie das müssten. Dem Finanzamt entgeht das nicht. Denn die Rententräger übermitteln die Daten an die Finanzverwaltung. „Aus diesem Datensatz werden von der Steuerverwaltung die Fälle herausgefiltert, die steuerlich bisher nicht erfasst sind und bei denen sich anhand der Rentenzahlung eine Steuer ergeben könnte“, sagt Jens Metzger von der Senatsverwaltung für Finanzen in Berlin. Als Steuerhinterzieher werden die Rentner aber nicht behandelt. Die Rentner würden in solchen Fällen zur Abgabe einer Steuererklärung aufgefordert, berichtet Metzger.

Unter dem Strich müssten aber nur wenige wirklich zahlen, weil sie Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen und weitere Ausgaben gegenrechnen könnten. „Sammeln Sie Belege“, rät daher auch der Steuerzahlerbund. Ausgaben für Handwerker, Haushaltshilfen oder die Gesundheit können die Steuerlast senken.

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