Wirtschaft : Ab in den Müll

Bewerbungsmappen per Post sind out. Die meisten Unternehmen fordern die Unterlagen jetzt via Internet. Viele Bewerber haben damit Probleme. Was Experten raten.

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Weg mit dem Papier.
Weg mit dem Papier.

Beim Technologiekonzern Siemens ist die klassische Bewerbungsmappe out. Wer sich um einen Ausstellungsplatz bewirbt, füllt online standardisierte Formulare aus. Auch Hochschulabsolventen, Young Professionals und Berufserfahrene schicken ihre Unterlagen via Internet.

Nicht nur die großen Firmen setzen inzwischen auf die digitale Variante. „Gerade in akademischen Berufen sind Online-Bewerbungen heute die Regel“, sagt die Karriereexpertin Svenja Hofert aus Hamburg. Nur in Branchen, die sich langsamer entwickeln, sei die Mappe noch üblich, in der Schifffahrtsbranche etwa oder vereinzelt vielleicht bei Wohnungsbauunternehmen, die seit Jahrzehnten ihre Arbeitsweise nicht geändert haben.

Ende der 90er Jahre, kam die virtuelle Bewerbung auf. An den inhaltlichen Anforderungen habe sich aber kaum etwas geändert. Was in die Bewerbung hineingehört, wie man sie strukturiert – das sei so gut wie gleich geblieben. „Der entscheidende Unterschied ist vor allem technischer Natur“, sagt Hofert. Dennoch stellen solche Verfahren immer noch viele Bewerber vor Probleme. Dabei gibt es inzwischen auch für die Online-Version eine Art Knigge.

DER ADRESSAT

Etwa die Hälfte der Online-Bewerbungen gehen bei den Firmen per standardisiertem Formular ein, die andere Hälfte per E-Mail, schätzt der Karriereberater Christian Püttjer aus Bredenbek. Einige Unternehmen bieten auch Mischformen an. Beim ABB Technologiekonzern, der in Deutschland 10 000 Mitarbeiter beschäftigt, muss man sich auf der Webseite registrieren, bevor man sich online bewirbt. „Außer bei den Stammdaten sind aber keine Pflichtfelder auszufüllen“, erklärt Personalerin Caroline Wörner. Die üblichen Unterlagen werden hochgeladen. Beim Softwareunternehmen Oracle dagegen sind offene E-Mail-Bewerbungen gefragt, sagt Ines Baumung, die am Firmenstandort in Potsdam arbeitet. Formulare gibt es nicht.

DAS ANSCHREIBEN

Auch bei der Onlinebewerbung darf das Anschreiben nicht fehlen. Die Karriereexpertin Hofert rät, den gesamten Text der Pdf-Datei beizufügen, in der die Bewerbungsunterlagen zusammengefasst werden (siehe Kasten). Zusätzlich sollte eine Kurzfassung des Textes direkt in die E-Mail kopiert werden.

Der Karriereberater Püttjer empfiehlt, ein Kurzprofil in die Begleitmail zu stellen, drei bis vier Punkte anzugeben, die zeigen, dass man auf die Stelle passt, und wegen der Übersichtlichkeit dabei ruhig mit Spiegelstrichen zu arbeiten. Das angehängte Anschreiben sollte eine DIN A4-Seite nicht überschreiten.

DER LEBENSLAUF

Zwei Seiten hält Püttjer für Hochschulabsolventen und Berufserfahrene für durchaus angemessen. Zu den relevanten beruflichen Stationen sollten die dortigen Tätigkeiten angegeben werden – ausgerichtet auf das Profil der ausgeschriebenen Position. Wird in einer Stellenanzeige etwa verlangt, dass der neue Mitarbeiter PR-Konzepte erstellt, sollte der Bewerber seine Erfahrungen in diesem Bereich im Lebenslauf angeben.

Ob man seine Unterschrift unter dem Lebenslauf einscannt ist unwichtig, meint Hofert. Das sei für die Personalentscheider nicht relevant.

DAS BEWERBUNGSFOTO

Die anonyme Bewerbung ist auf dem Vormarsch, modernere Unternehmen in Zukunftsbranchen fordern deshalb häufig kein Foto mehr. Ingenieure oder IT-Experten kommen inzwischen gut ohne aus. Auch beim Softwarekonzern Oracle müssen Bewerber kein Foto mitschicken.

„In konservativeren Branchen sollte man allerdings nach wie vor eher eines anhängen“, rät Hofert. Richtig platziert ist es rechts auf dem Kopf des Lebenslaufes. Eine Alternative ist das Foto auf dem Deckblatt. „Es kann dann ruhig etwas größer sein und sollte mit zentralen Aussagen zum Profil des Bewerbers kombiniert werden“, empfiehlt die Karriereexpertin.

Püttjer rät, neben dem Foto auf dem Deckblatt die Stelle anzugeben, um die man sich bewirbt, den Namen des Unternehmens und die persönlichen Daten.

DIE ZEUGNISSE

Welche Zeugnisse angehängt werden, hängt von der ausgeschriebenen Stelle ab. Wer als Rechtsanwalt in einer Kanzlei einsteigen will, sollte alle Zeugnisse, inklusive dem Abiturzeugnis mitschicken. Im Allgemeinen reiche aber eine vernünftige, auf die Position ausgerichtete Auswahl oder auch die Arbeitsbelege der vergangenen zehn Jahre. Gegebenenfalls sind Zertifikate relevant, sagt Hofert. Wer sich mit dem Einscannen der Unterlagen nicht auskenne, könne sich im Kopierladen helfen lassen.

Neben den Arbeitszeugnissen rät Püttjer auch dazu, einen Beleg des berufsqualifizierenden Abschlusses, einen Ausbildungsbrief oder etwa die Diplomurkunde, beizulegen – auch wenn der Abschluss weit zurückliege. Der Ausbildungsabschluss sei oft Grundlage für die tarifliche Eingruppierung.

DIE REFERENZEN

Es macht durchaus Sinn, Referenzen anzugeben. „Erwartet wird das aber erst bei der Bewerbung um Führungspositionen“, sagt Püttjer. Zwei Kontakte mit Namen, Position, Arbeitgeber und eventuell der E-Mailadresse, besser aber der telefonischen Durchwahl sollte man im Lebenslauf nennen. Oder man führt die Referenzen gleich im Anschreiben auf. Die ausgewählten Personen sollten mit der Zeugnissprache vertraut sein – und darüber informiert werden, dass sie demnächst vielleicht einen Anruf erhalten.

DIE EIGENE HOMEPAGE

Ein Link oder ein „QR-Code“ zur eigenen Homepage lohnt sich nur, wenn die Seite tatsächlich einen Mehrwert hat. IT-Experten, Grafiker oder Journalisten könnten dort auf spezielle Kompetenzen, auf Arbeitsproben oder einen Blog hinweisen. Grundsätzlich sind solche Seiten aber zu wenig auf den potenziellen Arbeitgeber ausgerichtet.



DIE BEWERBUNGSFORMULARE

Die Bewerbung per Formular ist häufig mit Online-Assessments gekoppelt, wie beim Flugkonzern Lufthansa und bei Siemens, weiß Hofert. Stellen Firmen standardisierte Formulare auf ihre Seiten, haben Bewerber in der Regel keine andere Wahl, als sie Punkt für Punkt auszufüllen. Gestalten lässt sich da wenig.

Gerade deshalb sei es wichtig, dort nicht nur seine berufliche Stationen aufzuführen, sondern anhand von drei bis vier Beispielen anzugeben, was man dort konkret gemacht hat. „Besteht die Möglichkeit, ein Anschreiben oder einen Lebenslauf hochzuladen, sollte man das nutzen“, sagt Püttjer. Auch bestimmte Tätigkeiten, die zu den Aufgaben des neuen Mitarbeiters gehören, sollten als Schlagworte nicht fehlen (siehe Lebenslauf). Sie könnten von automatisierten Programmen herausgefiltert werden.

DIE INITIATIVBEWERBUNG

„Die Initiativbewerbung ist immer eine Kurzbewerbung“, sagt Hofert. Sie sollte aus einem Anschreiben und einem Kurzprofil bestehen.

Bei großen Firmen geht sie an die Personalabteilung, bei kleineren an die Fachabteilung, rät Püttjer. Im günstigen Fall hat der Bewerber einen konkreten Ansprechpartner, den er etwa auf einer Messe oder Konferenz kennengelernt hat. Mindestens sollte es aber ein Vorgespräch am Telefon gegeben haben.

Wichtig sei es außerdem, ein Profil und einen entsprechenden Einsatzbereich zu definieren. Welche Fähigkeiten kann man einbringen? In welcher Abteilung kann man sich vorstellen, für das Unternehmen zu arbeiten?

DIE BEWERBUNG IM AUSLAND

Die Pdf-Datei ist ein deutsches Phänomen. Wer sich in den USA oder Großbritannien bewirbt, sollte einzelne Worddateien anhängen, rät Hofert. Pdf-Dateien seien dort weitgehend unbekannt.

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