Wirtschaft : ABB-Gewinn höher als erwartet

Umstrukturierung gut verkraftet / ABB Einigungsstelle entscheidet nicht über Berliner Werk BADEN (dpa).Hohe Restrukturierungskosten und die Verschiebung eines Großprojekts in Malaysia haben 1997 beim Elektrotechnikkonzern ABB für einen deutlichen Gewinnrückgang gesorgt.Der Reingewinn sank von 1,23 Mrd.auf 572 Mill.Dollar, sagte Konzernchef Göran Lindahl am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Baden (Schweiz).Der Umsatz der ABB Asea Brown Boveri AG, Zürich, nahm um sieben Prozent auf 31,26 Mrd.Dollar (54,24 Mrd.DM) ab.Lindahl nannte diese Umsatzentwicklung enttäuschend.Der Auftragseingang von ABB wuchs um drei Prozent auf 34,80 Mrd.Dollar, wobei allerdings der Auftragswert des auf unbestimmte Zeit verschobenen Bakun-Wasserkraftwerkprojektes in Malaysia ausgeklammert worden ist.Für 1998 rechnet Lindahl bei einem unveränderten Dollarkurs mit einem Anstieg des Gewinns.In Westeuropa, dem ABB-Kernmarkt, zeigt sich laut Lindahl eine Belebung der Konjunktur."Die Wende dort ist geschafft" sagte er.Der starke Dollar sorgte aber für eine Verbesserung des Reingewinns pro Aktie bei beiden Muttergesellschaften, der schwedischen ABB AB und der schweizerischen AB AG.Sie rechnen in lokalen Währungen ab.ABB will die Dividendenzahlung an die beiden Gesellschaften um acht Prozent auf 700 Mill.Franken erhöhen.Trotz eines dreistelligen Verlustes im Dampfkraftwerksgeschäfts habe ABB Deutschland wieder mit Gewinn abgeschlossen, war in Zürich zu erfahren.Lindahl sagte, Ziel von ABB sei es, die jetzige Gewinnmarge von 3,8 in wenigen Jahren auf sechs Prozent zu steigern.Der Auftragseingang werde - durch die Asienkrise jetzt wohl um ein oder zwei Jahre verzögert, zu Beginn des neuen Jahrtausends bei rund 50 Mrd.Dollar liegen.Die Anzahl der Mitarbeiter von ABB sank von knapp 216 000 Ende 1996 auf 213 000 zum Jahresende 1997.Die IG Metall Berlin erklärte unterdessen, die Auseinandersetzung in der Mannheimer Konzernzentrale zwischen Betriebsrat und Vorstand betreffe nicht das ABB-Werk in Berlin Pankow (Wilhelmsruh).In Mannheim hatte der Vorstand am Dienstag im Streit um die Umstrukturierung des Unternehmens die Einigungsstelle angerufen.In Berlin aber wolle man noch am Donnerstag die Gespräche mit dem ABB Deutschland Vorstand Hubert Lienhard über die Weiterführung der ABB Kraftwerke Berlin GmbH fortsetzen.Lienhard ist innerhalb des Konzerns auch weltweit zuständig für den Bereich Dampfkraftwerke.Betriebsrat und IG Metall gingen weiterhin davon aus, daß das Werk in seiner gegenwärtigen Personalstärke erhalten bleiben könne."Die vorliegenden Ergebnisse aus den betrieblichen Arbeitsgruppen belegen eindeutig, daß das Pankower Werk wettbewerbsfähig ist", heißt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft vom Donnerstag.Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall, Verwaltungsstelle Berlin, Arno Hager, warnte den ABB Konzern von wirtschaftlichen Verlusten: Das Berliner ABB-Werk verfüge über spezielles Know-how in der osteuropäischen CIS-Technologie.Falls das Werk Pankow aufgegeben würde, verliere ABB einen wichtigen Wettbewerbsvorteil bei der Akquisition von Aufträgen in Asien und Osteuropa, wo die CIS-Technologie weit verbreitet sei.Der Konzern ABB AB (Schweden) und die ABB AG (Schweiz) sind zu gleichen Teilen die einzigen Besitzer der ABB Asea Brown Boveri AG, Zürich.Diese widerum ist die Holdinggesellschaft für rund 1000 Unternehmen weltweit.

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