Wirtschaft : ABB-Kraftwerke schließt Werk in Pankow Ende 1998

MARGARITA CHIARI

Fertigung geht nach Mannheim / 415 Beschäftigte betroffenVON MARGARITA CHIARI

BERLIN .Schlechte Nachrichten für die ABB-Kraftwerke Berlin GmbH: Am Montag wurde die Belegschaft informiert, daß das Werk in Pankow mit derzeit noch 415 Beschäftigten und 200 Auszubildenden wegen des absehbaren Rückgangs im Deutschland-Geschäft bis Ende des Jahres geschlossen werden soll.Die Sparte Dampfkraftwerke soll am Standort Mannheim konzentriert werden, in Berlin wird lediglich ein Servicebetrieb mit 80 Mitarbeitern verbleiben.Weiteren 85 Mitarbeitern könnte eine Stelle in Mannheim angeboten werden, doch für die übrigen 215 Beschäftigten bedeute das das Aus, bestätigte der Pressesprecher der ABB Kraftwerke AG, Martin Büllesbach, dem Tagesspiegel.Nach Angaben des Betriebsrates aber stehen weitaus mehr Arbeitsplätze auf der Kippe.Im Rahmen der Umstrukturierung des Werkes Pankow, dem früheren VEB Bergmann-Borsig, der 1991, bei der Übernahme durch ABB noch 3400 Beschäftigte zählte, seien zahlreiche Betriebsteile ausgegründet worden, darunter die EDV, die Personalabrechnung, die Kantine aber auch Fertigungen."Alles in allem sind durch die Schließung der Fertigung 800 bis 1000 Arbeitsplätze bedroht", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Horst Krippner, auf Anfrage. Der Konzern begründete seine Entscheidung mit dem schwieriger werdenden Deutschland-Geschäft, dem Auslaufen der Großaufträge in den neuen Bundesländern und dem drastischen Preisverfall weltweit.Büllesbach bestätigte zwar, daß das Berliner Werk derzeit durch den Großauftrag für die Ausrüstung des Kraftwerkes Lippendorf, mehrere Serviceaufträge der Veag sowie Aufträge in Indien und Polen bis Ende des Jahres "gut ausgelastet" sei und - im Unterschied zu Mannheim - "deutlich schwarze Zahlen schreibt".Doch fehlten Folgeaufträge, "spätestens ab 1999 gibt es Probleme".Hinzu kämen die Schwierigkeiten im internationalen Geschäft.Mit der Krise in Asien, auf das 70 bis 80 Prozent des weltweiten Kraftwerksgeschäfts entfallen, werde sich der Wettbewerb dramatisch zuspitzen, sagte Büllesbach.Bereits in den letzten Jahren seien die Preise für Kraftwerksanlagen um 60 Prozent gefallen, ABB verbuchte 1996 in der Sparte Stromerzeugung einen 40prozentigen Ertragsrückgang auf 561 Mill.Dollar (Umsatz: 9,6 Mrd.Dollar).Mit dieser Perspektive sei es nicht zu verantworten, zwei Produktionsstätten für Dampfkraftwerke in Deutschland zu erhalten.Daß die Entscheidung für Mannheim ausfiel, wo ebenfalls 550 Stellen gestrichen werden, begründete der Sprecher mit der Größe.In Mannheim seien noch 2500 Mitarbeiter tätig."Den Mitarbeitern in Berlin ist das aber sicher schwer zu vermitteln", räumte Büllesbach ein. Betriebsrat und Vertreter der IG Metall in Berlin werfen dem Konzern vor, den Standort ausgeschlachtet zu haben, um sich die Aufträge in den neuen Bundesländern, Osteuropa und den GUS zu sichern."Mit unserem Geschäft wurden andere Standorte gestärkt", sagte Betriebsrat Krippner.Nach Ansicht des ersten Bevollmächtigten der IG Metall, Manfred Foede, wurde der Ausstieg gezielt vorbereitet.Erst im vergangenen Jahr habe sich der Konzern die Umwidmung der Flächen in Pankow für die Ansiedlung von Dienstleistung und Handel genehmigen lassen."Nun gibt es keine Schamfrist mehr", sagte Foede.Er forderte die Senatsverwaltung auf, die Umwidmung rückgängig zu machen und einen Teil der Fördergelder zurückzuverlangen.Michael Wehran, Sprecher der Wirtschaftsverwaltung, äußerte sich noch zurückhaltend.Mit dem ABB-Konzern werde derzeit über die Ansiedlung neuer Investoren verhandelt, da wolle man "nicht gleich mit dem Holzhammer kommen".Insgesamt hat der Standort Pankow GA-Mittel in Höhe von 15 Mill.DM erhalten.

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