Wirtschaft : ABB-Standort in Pankow bleibt erhalten

Mehr Stellen als erwartet gesichert / Auch das Ausbildungszentrum ist nicht mehr gefährdet BERLIN (mo).Der ABB-Standort Pankow-Wilhelmsruh bleibt erhalten.Über 200 Arbeitsplätze mehr als ursprünglich erwartet werden in Berlin gesichert, ebenso wie die 200 Ausbildungsplätze.In einem Spitzengespräch am Donnerstag abend wurde im Beisein von Vertretern der Vorstände aus Mannheim und Berlin, der IG Metall und des Betriebsrates eine einvernehmliche Lösung gefunden.Demnach ist vorgesehen, die ABB Kraftwerke Berlin GmbH in ein Service-Leitungszentrum umzuwandeln.Das Neuanlagengeschäft für Dampfkraftwerke soll aber, wie beabsichtigt, in Mannheim konzentriert werden.In Berlin werden die Bereiche Engineering, Produktion und Montage zusammengeführt.Von den bisherigen 415 Arbeitsplätzen sollen so 250 erhalten werden.Für weitere 50 Mitarbeiter wird eine Lösung durch die Ausgliederung von Schweißteilbau-Aktivitäten im Rahmen eines Management-Buy-Outs gesucht, wie ABB-Sprecher Ralph Seibt bestätigte.15 Mitarbeitern wurde eine Arbeitsstelle im Werk Mannheim in Aussicht gestellt und 30 Kollegen im Hause ABB, erläuterte der Betriebsratsvorsitzende der ABB Kraftwerke GmbH, Berlin, Wolfgang Beyer, auf Anfrage.Für die übrigen 70 Mitarbeiter würden sozialverträgliche Lösungen gesucht.Dabei ist die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft im Gespräch.Auch das Ausbildungszentrum mit 200 Ausbildungsplätzen bleibt bestehen.Bis Ende Juni wird mit einem Abschluß aller Verträge gerechnet.Die Auftragslage sei überdies zur Zeit ausgesprochen gut, sagte Beyer.Auch die Vertreter der IG Metall zeigten sich zufrieden.Angesichts des vorhandenen Maschinenparks in Pankow-Wilhelmsruh bestünden gute Chancen, daß die nun geplante Servicefabrik auch ausreichend ausgelastet werde, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel.Anfang Januar war die Belegschaft der ABB-Kraftwerke Berlin GmbH überraschend davon in Kenntnis gesetzt worden, daß das Werk in Pankow wegen eines zu erwartenden Einbruchs im Deutschland-Geschäft bis zum Jahresende geschlossen werden soll.Das Dampfkraftwerke-Geschäft, hieß es, werde in Mannheim konzentriert.In einem Servicebetrieb in Berlin würden lediglich 80 Personen beschäftigt werden können.Durchsetzen konnte sich die Konzernleitung nun mit ihrem Vorhaben, den Standort für Dampfkraftwerke in Mannheim, dem mit 2500 Mitarbeitern größten Standort in Deutschland, zu konzentrieren.Verwiesen wird dabei unverändert auf die jüngsten Rückgänge im Bereich Stromerzeugung, den drastischen Preisverfall auf den Märkten und die absehbaren Engpässe infolge der anhaltenden Asien-Krise.Ohne den Einsatz von Belegschaft und Senat wäre es allerdings nicht zu der nun gefundenen Einigung gekommen.Die Wirtschaftsverwaltung hatte das Unternehmen unter Druck gesetzt, im Ernstfall die bereits ausgereichten Investitionszuschüsse zurückzufordern.Verärgert waren die Mitarbeiter nach der unerwarteten Ankündigung im Januar aber nicht nur über die Art der Informationspolitik im Hause.Unverständnis für die Vorhaben der Konzernleitung zeigte man auch zuletzt deshalb, weil das Werk Berlin gegenüber dem Mannheimer Werk vergleichsweise gut ausgelastet ist und auf eine ausreichende Auftragslage verweisen kann.1991 wurde das Werk in Pankow, einst VEB Bergmann-Borsig, von ABB übernommen.Damals waren dort 3400 Mitarbeiter beschäftigt.In mehreren Schritten und im Rahmen umfangreicher Ausgliederungsmaßnahmen wurde die Belegschaft kontinuierlich auf zuletzt 415 Mitarbeiter ausgedünnt.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar