Wirtschaft : Abend-Handel am Aktienmarkt steht vor dem Aus

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Der Wertpapierhandel in den Abendstunden wird wahrscheinlich schon im ersten Halbjahr 2002 wieder eingestellt oder zumindest nur auf Sparflamme weiterbetrieben. Ein Sprecher der Deutsche Börse AG bestreitet zwar, dass es entsprechende Pläne gibt. Der Börsenrat allerdings hat die Börse in der vergangenen Woche beauftragt, Lösungen zu erarbeiten, wie der Wertpapierhandel zwischen 17 Uhr 30 und 20 Uhr wieder abgeschafft oder auf deutlich reduziertem Niveau weitergeführt werden kann. Grund: Die Umsätze in den Abendstunden sind den Banken und Maklern viel zu gering. Ihre Kosten können sie damit kaum decken.

Die Deutsche Börse AG hatte den Handelsschluss in Absprache mit den Großbanken im Juni 2000 von 17 Uhr 30 auf 20 Uhr nach hinten verlegt und zugleich den Handel an Feiertagen eingeführt. Damit wollte man vor allem Privatanlegern weitere Handelsmöglichkeiten eröffnen und bessere Reaktionsmöglichkeiten auf das Börsengeschehen in den USA schaffen. Doch relativ schnell stellte sich heraus, dass das Angebot nur begrenzt angenommen wurde. "Die Umsätze sind abends viel zu gering", sagt Commerzbank-Sprecher Peter Pietsch. "Es fehlen einfach die großen institutionellen Anleger wie etwa die Versicherungen." Mit den wenigen Privatanlegern könne man die Kosten nicht hereinholen. "Da gibt es nur ein paar Freaks, die handeln." Börsensprecher Frank Hartmann bestreitet allerdings die angebliche Erfolglosigkeit des längeren Handels. Die Abendstunden hätten einen Anteil am täglichen Handelsumsatz von zehn bis zwölf Prozent. Genug für die Deutsche Börse AG, viel zu wenig für Banken und Makler. Angeblich soll der Abendhandel für Direkt-Banken von besonderer Bedeutung sein. Doch comdirect-Sprecher Mathias Hajek sieht das anders. "Die wichtigsten Handelszeiten für unsere Kunden sind morgens gegen 9, mittags gegen 12 und nachmittags gegen 16 Uhr, als Reaktion auf die Börsenöffnung an der Wall Street." Angesichts der breiten Ablehnungsfront gilt als sicher, dass die Tage des Abendshandels in der heutigen Form gezählt sind. Allerdings ist noch unklar, ob auch die Regionalbörsen ihre Handelszeiten wieder verkürzen.

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