• Abendhandel an der Börse: Höhere Risiken für Anleger - Bundesaufsichtsamt fordert mehr Aufklärung für die Kunden

Wirtschaft : Abendhandel an der Börse: Höhere Risiken für Anleger - Bundesaufsichtsamt fordert mehr Aufklärung für die Kunden

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Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) ist durch den Feiertages- und Abendhandel an der Börse zwar kaum gefordert. Aber die Aufseher verfolgen das Geschehen vor allem mit Blick auf das Verhalten der Banken genau. Diese müssten die Anleger auf die größeren Risiken in diesen Handelszeiten hinweisen. Weil die Umsätze im Feiertags- und Abendhandel bislang sehr niedrig sind, kann es zu größeren Kursausschlägen kommen, so dass eine Aktie möglicherweise teurer ist als zu den normalen Handelszeiten. "Das muss der Anleger wissen, seine Aufträge müssen gerade für den Handel an Feiertagen oder abends mit einem Limit versehen werden", sagt BAWe-Präsident Georg Wittich.

Vor allem bei den Discount-Brokern sehen die Wertpapieraufseher mögliche Defizite. Hier sei die Frage, ob die Anleger die schriftlichen Hinweise auch genau lesen würden. "Der Kunde, der das Risiko in illiquiden Märkten nicht kennt, bekommt eventuell einen schlechteren Kurs", betonte Günter Birnbaum, beim BAWe für Verhaltensregeln zuständig. Ob auch die Banken und Sparkassen ihre Kunden schon auf dieses besondere Risiko durch die Ausdehnung der Handelszeiten hinweisen, lässt er offen. Das BAWe will dies kontrollieren. Allerdings warnt Präsident Wittich auch davor, schon jetzt generelle Rückschlüsse über die Folgen von Feiertags- und Abendhandel zu ziehen. "Wir stehen erst am Anfang und müssen sehen, wie sich das entwickelt". Schon im vergangenen Jahr musste das BAWe etliche Banken auf, so Wittich, zum Teil "sehr deutliche Mängel" in ihrem Verhalten hinweisen. Bei 582 Prüfungen gab es in zwei Dritteln der Fälle Beanstandungen. Dabei ging es vor allem um mangelhafte Transparenz über das Zuteilungsverfahren bei Neuemissionen von Aktien. Es sei zwar nicht Sache der Aufsicht, ein bestimmtes Verfahren vorzuschreiben. "Wichtig ist jedoch ein transparentes Verfahren, das das Verständnis der Anleger bei einer Nichtberücksichtigung erhöht." Ein jüngst formulierter freiwilliger Verhaltenskodex soll die Defizite beseitigen. "Ich bin optimistisch, dass sich diese Selbstregulierung durchsetzen wird", sagt der BAWe-Präsident.

Mit der Verfolgung von Insidervergehen ist man beim BAWe offenbar noch nicht zufrieden. 1999 wurden 39 mögliche neue Insiderverstöße aufgedeckt. Dabei kam es zum ersten Mal zu einer öffentlichen Hauptverhandlung, bei dem der Ex-Oberstadtdirektor und SPD-Oberbürgermeister-Kandidat von Köln, Klaus Heugel, vor drei Monaten in erster Instanz wegen Insiderhandels mit Aktien der Felten & Guillaume AG zu einer Geldstrafe von 37 500 Mark verurteilt wurde. Es blieb aber der einzige spektakuläre Fall. 13 Fälle gab das BAWe im vergangenen Jahr an die Staatsanwaltschaft weiter, davon wurde das Verfahren zehn Mal gegen die Zahlung von Geldbußen eingestellt. Dies war für BAWe-Präsident Wittich eher fragwürdig. "Eine Einstellung auch gegen Geldauflagen ist keine echte Sanktion". Besser wäre es, so Wittich, wenn das BAWe selbst Geldbußen aussprechen könnte.

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