Wirtschaft : Abgang erster Klasse

Gewerkschafter Bertin Eichler zieht sich nach Kritik an Luxusreisen aus dem Thyssen-Krupp-Aufsichtsrat zurück.

Reisefieber. Bertin Eichler flog bei Thyssen- Krupp erster statt zweiter Klasse. Foto: dpa
Reisefieber. Bertin Eichler flog bei Thyssen- Krupp erster statt zweiter Klasse. Foto: dpaFoto: dpa

Düsseldorf - Thyssen-Krupp kommt nicht zur Ruhe: Nachdem jüngst der halbe Vorstand gehen musste, kündigte am Freitag auch Aufsichtsrats-Vize Bertin Eichler seinen Rückzug an – nur wenige Stunden nach dem „Handelsblatt“-Bericht über teure Reisen auf Firmenkosten. Eichler war in die Kritik geraten, weil er erster statt zweiter Klasse auf Kosten des Stahlkonzerns geflogen war. Er habe sich zwar nichts zuschulden kommen lassen, sagte der mächtige IG-MetallFunktionär. „Dennoch ist nicht alles richtig, was zulässig ist und üblich war.“ Die Differenz der Kosten seiner ErsteKlasse-Flüge nach China, Thailand, Kuba und in die USA zum Preis für Flüge der Business-Klasse wolle er dem mit Milliardenverlusten kämpfenden Ruhrkonzern erstatten. Thyssen-Krupp dürfe nicht durch die Vergangenheit belastet werden, erklärte Eichler. „Aus diesem Grund werde ich bei der 2013 anstehenden Wahl der Arbeitnehmerseite in den Aufsichtsrat nicht mehr kandidieren.“

Am Vormittag hatte die IG Metall über den Fall beraten. Der 60-jährige Eichler ist seit 45 Jahren in der Gewerkschaft, seit 1996 geschäftsführendes Vorstandsmitglied und Hauptkassierer. Es sei nicht geplant, dass Eichler bei der Gewerkschaft Posten abgibt, sagte eine Sprecherin. „Eichler hat gegen keine Richtlinien der IG Metall verstoßen.“ In den zehn „Leitlinien der IG Metall für gute Aufsichtsratsarbeit“ ist ein solcher Fall allerdings auch nicht geregelt.

Eichler verwahrte sich dagegen, es mit der Kontrolle des Thyssen-Krupp-Managements nicht so genau genommen zu haben. „Den Vorwurf, durch diese Reisen sei meine Aufsichtsratstätigkeit vom Unternehmen beeinflusst worden, weise ich entschieden zurück. Ich habe meine Pflichten als Aufsichtsrat bei ThyssenKrupp nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt“, erklärte der Gewerkschafter, der auch bei BMW im Aufsichtsrat sitzt. Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger lässt die Reisekriterien des Unternehmens derzeit überprüfen. Erste-KlasseFlüge für tausende Euro dürften danach nur noch die Ausnahme sein. Der Manager hat jedoch derzeit eine ganze Reihe von Baustellen. Thyssen-Krupp steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte. Im vergangenen Jahr fuhr das Traditionsunternehmen einen Verlust von fünf Milliarden Euro ein. Ein wesentlicher Grund dafür waren die neuen Stahlwerke in Übersee, auf die Hiesinger Milliardenabschreibungen vornehmen musste. Er will die Werke in Brasilien und den USA jetzt so rasch wie möglich abstoßen. rtr

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