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Abgas-Skandal : VW streicht Boni an Vorstände zusammen

Insidern zufolge ist eine deutliche Senkung der variablen Vergütung geplant. Auch Aufsichtsratschef Pötsch betroffen.

VW-Chef Matthias Müller soll eine 30-prozentige Kürzung angestrebt haben.
VW-Chef Matthias Müller soll eine 30-prozentige Kürzung angestrebt haben.Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Volkswagen will die Bonuszahlungen an Vorstände wegen der Abgaskrise kräftig senken. "Aufsichtsrat und Vorstand sind sich einig, dass angesichts der aktuellen Lage des Unternehmens ein Zeichen auch beim Thema Vorstandsvergütung gesetzt werden muss", teilte der Wolfsburger Konzern am Mittwoch mit und bestätigte damit Informationen der Nachrichtenagentur Reuters vom Vorabend. Derzeit würden verschiedene Modelle diskutiert und abgestimmt, hieß es in der knappen Pressemitteilung weiter.

Die Kürzung gelte rückwirkend auch für Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der zuvor Finanzvorstand von Volkswagen war. Die Neuregelung soll in der Aufsichtsratssitzung am Freitag nächste Woche verabschiedet werden.

Kürzung von mindestens einem Drittel

Zur Höhe der geplanten Bonus-Kürzung machte VW keine Angaben. Nach Angaben eines Insiders ist der Vorstand nach zähem Ringen offenbar zu einer Kürzung der Bonuszahlungen von mindestens einem Drittel bereit. "30 Prozent sind es auf jeden Fall", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Darüber seien weitere Ansätze in der Diskussion, um die Bezüge zusätzlich zu verringern.

Denkbar sei auch, dass die Vorstände in das Unternehmen investierten und damit ein Bekenntnis zu VW abgäben. In diesem Zusammenhang käme zum Beispiel infrage, dass Vorstandsmitglieder VW-Aktien kaufen. Volkswagen äußerte sich nicht dazu.

Vorstandschef Müller dringt auf baldige Lösung des Streitthemas, weil er sonst einen weiteren Imageverlust für Volkswagen befürchten muss. Am Mittwoch will Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Landtag in Hannover über die Lage bei VW unterrichten. Es wird erwartet, dass er sich dabei auch zu den Bonuszahlungen äußern wird. Das Land, das mit 20 Prozent an Volkswagen beteiligt ist, fordert Insidern zufolge einen Komplettverzicht des Managements auf Boni.

VW-Arbeitnehmer müssen auf Gewinnbeteiligung verzichten

Das Präsidium um Aufsichtsratschef Pötsch hatte zu Wochenanfang über die umstrittene Absenkung der Bonuszahlungen beraten, konnte sich aber nicht einigen. Das Thema ist kompliziert, weil die variablen Sonderzahlungen aus mehreren, teils langfristigen Komponenten bestehen. Während eine Streichung der Boni für das abgelaufene Jahr Experten zufolge denkbar wäre, dürfte es bei dem auf vier Jahre angelegten langfristigen Anreiz (Long Term Incentive) schwieriger sein. Insidern zufolge pochten einige Vorstände darauf, dass diese Sonderzahlung nicht gekippt wird.

Volkswagen hatte im September zugegeben, millionenfach Diesel-Abgaswerte manipuliert zu haben. Angesichts der drohenden Strafen und Schadensersatzforderungen muss der Konzern Milliardensummen zur Seite legen und kräftig sparen. Europas größter Autobauer war deswegen im dritten Quartal erstmals seit vielen Jahren in die roten Zahlen geraten. Einige Analysten rechnen auch für das Gesamtjahr mit einem Verlust.

Die VW-Arbeitnehmer müssen für 2015 auf die sonst übliche Gewinnbeteiligung verzichten. Sie erhalten stattdessen eine sogenannte Anerkennungsprämie, über deren Höhe derzeit verhandelt wird. Betriebsratschef Bernd Osterloh will erreichen, dass die Arbeitnehmer nicht alleine die Lasten durch "Dieselgate" tragen müssen und verlangt einen Beitrag des Managements. Auch die IG Metall fordert dies. Konzernchef Müller hatte bereits Ende 2015 erklärt, dass auch der Vorstand den Gürtel enger schnallen müsse. (Reuters)

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