Abgasaffäre : VW-Chef Müller wird neuer Audi-Aufsichtsratsvorsitzender

Audi füllt die Lücken in der Unternehmensführung wieder auf: VW-Chef Matthias Müller wird Aufsichtsratsvorsitzender. Knirsch kommt für Hackenberg.

Matthias Müller übernahm im September 2015 den Vorstandsvorsitz der Volkswagen AG.
Matthias Müller übernahm im September 2015 den Vorstandsvorsitz der Volkswagen AG.Foto: AFP

Neuer Aufsichtsratschef, neuer Entwicklungschef, neue Kontrolleure: Die VW -Tochter Audi füllt die Lücken in der Unternehmensführung wieder auf, die die Abgasaffäre und der Machtkampf im Mutterkonzern VW gerissen hatten. Der Aufsichtsrat wählte am Donnerstag VW-Chef Matthias Müller zu seinem neuen Vorsitzenden. Außerdem trennte sich Audi vom bereits suspendierten Entwicklungsvorstand und hob einen Nachfolger aus dem eigenen Haus auf den Schild: Stefan Knirsch, derzeit Leiter der Aggregateentwicklung, tritt den neuen Posten am 1. Januar 2016 an. Das Kontrollgremium beschäftigte sich in seiner letzten turnusgemäßen Sitzung des Jahres zudem mit der Abgasaffäre. "Die Aufklärung geht voran", lobte der stellvertretende Aufsichtsratschef, der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber. "Das ist ein notwendiges und gutes Zeichen."

Ferdinand Piech zieht sich aus Kontrollgremium zurück

Müller tritt seinen neuen Posten als Audi-Oberaufseher mit sofortiger Wirkung an, wie es in der Mitteilung hieß. Huber bleibe Stellvertreter. Müllers Vorgänger als Audi-Aufsichtsratvorsitzender, der frühere VW-Chef Martin Winterkorn, war wegen des Abgasskandals von seinen Ämtern zurückgetreten. Auch VW-Patriarch Ferdinand Piech und seine Frau Ursula hatten sich nach dem Machtkampf bei Volkswagen aus dem Kontrollgremium zurückgezogen. In den Audi-Aufsichtsrat ziehen dafür andere Mitglieder der Eigentümerfamilie ein: Piechs Nichte Julia Kuhn-Piech, bereits Kontrolleurin bei der Konzerntochter MAN, sowie sein Neffe Josef Ahorner, der lange Jahre im Gesellschafterausschuss der Salzburger Porsche Holding saß.

Stefan Knirsch kommt für Ulrich Hackenberg

Wie Audi mitteilte, scheidet Entwicklungschef Ulrich Hackenberg im Einvernehmen aus. Der 65 Jahre alte Manager, der sein komplettes Berufsleben bei Audi und VW verbracht hatte, hatte sich einem Insider zufolge gegen seine Suspendierung gewehrt. Nun verabschiedete ihn Audi mit Lob und Dank: Müller würdigte Hackenberg als "prägend für die technische Entwicklung des gesamten Volkswagen-Konzerns". Von seiner Idee der modularen Baukästen profitiere heute der ganze Unternehmensverbund. Der neue Entwicklungschef Stefan Knirsch, ein 49-jähriger promovierter Werkstofftechniker, startete seine Karriere bei Audi. Später wechselte er zu Porsche, danach in den Rheinmetall-Konzern. 2013 kehrte er als Leiter der Aggregateentwicklung zu Audi zurück.

Außer mit Personalien befasste sich der Aufsichtsrat mit der Affäre um manipulierte Abgas-Werte. Audi-Chef Rupert Stadler musste den Kontrolleuren in intensiven Diskussionen Rede und Antwort stehen und erläutern, wie es zu dem Skandal kommen konnte und wie die Aufklärung vorangeht. "Die bisher getroffenen Maßnahmen des Vorstands zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Audi-Betriebsratschef Peter Mosch. "Zudem müssen jetzt weiter Konsequenzen gezogen werden, damit so etwas nicht mehr passiert." Der neue Entwicklungschef Knirsch müsse Stadler bei der weiteren Aufklärung unterstützen.

Untersuchungen zur Abgasaffäre laufen

Vor knapp zwei Wochen hatte Audi einräumen müssen, eine nach US-Recht illegale Software bei 3-Liter-Dieselmotoren eingebaut zu haben. Zuvor war man im Konzern davon ausgegangen, dass die Technik gesetzeskonform ist. Seit dem Eingeständnis steht Stadler im Fadenkreuz der Kritik. Unterdessen ist die Zahl der Volkswagen-Fahrzeuge mit falschen Kohlendioxid-Werten offenbar nicht so groß wie anfangs erklärt. Die Überprüfung sei zwar noch nicht abgeschlossen, "aber es haben sich viele CO2-Werte inzwischen durchaus als korrekt gemessen erwiesen", sagte ein VW-Sprecher. Ein Zwischenstand der Untersuchungen werde voraussichtlich in der kommenden Woche im Rahmen einer Pressekonferenz veröffentlicht. (Reuters)

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