Abgasskandal hat Konsequenzen : VW investiert pro Jahr eine Milliarde Euro weniger

Der Abgasskandal bei VW hat scharfe finanzielle Konsequenzen für den Konzern. Pro Jahr spart man eine Milliarde Euro bei Investitionen ein.

Eine Milliarde Euro weniger wird VW im nächsten Jahr in Investitionen stecken. Der Konzern zieht die finanziellen Konsequenzen aus dem Abgasskandal.
Eine Milliarde Euro weniger wird VW pro Jahr in Investitionen stecken. Der Konzern zieht die finanziellen Konsequenzen aus dem...Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Volkswagen kürzt angesichts des Abgasskandals massiv die Investitionen in die Kernmarke VW. Wegen der hohen Kosten für die Aufarbeitung des Diesel-Dramas werde bei VW pro Jahr eine Milliarde Euro weniger als bisher geplant ausgegeben. Das Sparprogramm werde beschleunigt, teilte VW am Dienstag in Wolfsburg mit. Außerdem solle die Diesel-Strategie neu ausgerichtet werden. Zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen soll es einen neuen Standard-„Baukasten“ für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge geben. Auf die Wolfsburger könnten bis zu 40 Milliarden Euro an Strafen und Schadenersatz zukommen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Insider. Dafür müsse VW nicht nur konzernintern sparen. Auch Zulieferer sollen laut dem Bericht drei Milliarden Euro an Einsparungen beisteuern. Ein "großer deutscher Zulieferer" habe bereits bestätigt, dass VW "deutlich mehr Effizienz" einfordere, schrieb das "Handelsblatt". Konzernintern soll es Kürzungen bei Gehältern, im Marketing, bei den Sponsoringaktivitäten sowie der Modellvielfalt geben. Auch müssten sich die Mitarbeiter auf eine geringere Ergebnisbeteiligung einstellen, berichtete die Zeitung. VW wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern

Luxusmodell Phaeton wird Elektroauto

Die neue Version des Luxuswagens Phaeton soll elektrisch werden. VW hatte vor mehr als drei Wochen eingeräumt, mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Es drohen Milliardenkosten durch Klagen und Strafzahlungen. „Die Marke Volkswagen stellt sich für die Zukunft neu auf“, erklärte VW-Markenchef Herbert Diess. „Wir werden effizienter, richten die Produktpalette und Kerntechnologien neu aus und schaffen uns mit dem beschleunigten Effizienzprogramm den Spielraum für zukunftsweisende Technologien.“ Für Europa und Nordamerika wurde laut VW ein vollständiger Umstieg bei Diesel-Aggregaten auf eine fortschrittlichere und teurere Technologie für die Abgasreinigung „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“ beschlossen. „Nur noch die umwelttechnisch besten Abgassysteme werden in den Diesel-Fahrzeugen zum Einsatz kommen“, versprach Diess. Auch beim Zukunftsthema Digitalisierung will VW vorankommen.

6,5 Milliarden Euro zurückgestellt

Für Vernetzung und Fahrerassistenzsysteme werde ein neuer Standard definiert, hieß es. Der neue VW-Konzernchef Matthias Müller hatte bereits angekündigt, dass ein noch von seinem Vorgänger Martin Winterkorn angestoßenes „Effizienzprogramm“ noch verschärft werde. Damit wollte VW ursprünglich spätestens von 2018 an rund fünf Milliarden Euro jährlich sparen. Winterkorn war im Zuge des Abgasskandals zurückgetreten. Volkswagen müsse schnell auf die drohenden Kosten reagieren, hatte Müller vor einer Woche gesagt. „Nicht zuletzt, um unser gutes Rating an den Kapitalmärkten zu sichern. Das hat höchste Priorität.“ Zudem hatte Müller bei einer Betriebsversammlung im VW-Stammwerk in Wolfsburg erklärt, geplante Investitionen auf den Prüfstand zu stellen. Volkswagen hatte in einem ersten Schritt im dritten Quartal bereits 6,5 Milliarden Euro für die Folgen des Abgasskandals zurückgestellt - darin sind die erwarteten Kosten für die Nachbesserung der betroffenen Fahrzeuge enthalten.

Gabriel: VW wird deutsche Wirtschaft nicht runterziehen

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel rechnet nicht damit, dass der Abgasskandal bei Volkswagen die deutsche Konjunktur nach unten zieht. "Nein, ich gehe nicht davon aus", sagte der SPD-Chef am Dienstag in Berlin. Auch der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, äußerte sich ähnlich. Der Fall werde nicht dazu führen, dass der Industriestandort Schaden nehme. Der Präsident des Automobilverbandes VDA, Matthias Wissmann, warnte unterdessen davor, wegen der Abgas-Manipulationen bei VW die gesamte Branche oder gar die ganze deutsche Wirtschaft unter Generalverdacht zu stellen. "VW wird alles tun, um harte Konsequenzen zu ziehen. Wir bitten darum, dass nicht der Fehler gemacht wird, aus diesem völlig unakzeptablen Vorgang bei VW nun eine allgemeine Diskriminierung der Diesel-Technologie herbeizuführen." Von ihr hingen in Deutschland zwischen 75.000 und 80.000 Arbeitsplätzen direkt ab

(dpa, Reuters, AFP)

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