Wirtschaft : Abgerechnet wird zum Schluss

Die Bilanz kann sich sehen lassen: 2010 war für die meisten Unternehmen der Stadt ein erfolgreiches Jahr

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Für die meisten Berliner Unternehmen geht das Jahr 2010 mit einem erkennbaren Aufschwung nach dem Krisenjahr 2009 zu Ende. Fast überall gab es mehr oder weniger starke Umsatzzuwächse, auch wenn das Niveau aus der Zeit vor der Finanz- und Wirtschaftskrise häufig noch nicht wieder erreicht wurde. Wir haben einige positive Nachrichten des Jahres zusammengestellt:

NEUE FIRMEN SCHAFFEN JOBS

Die Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner rechnet in ihrer Bilanz vor, dass sie 2010 an 105 Unternehmensansiedlungen und Standorterweiterungen beteiligt war. 4540 neue Arbeitsplätze seien entstanden – mehr als doppelt so viele wie 2009. Zum Beispiel zieht die Mercedes-Benz-Bank ins Königstadt-Carrée nahe dem Alexanderplatz und schafft bis zu 700 Jobs. Die zu Pfizer gehörende Pharmafirma Wyeth siedelt sich mit 200 Jobs an. Der US-Kommunikationskonzern Sykes bringt 500 Stellen in die Stadt, und die Aufzugsfirma Thyssen Krupp Elevators baut ein Versorgungszentrum mit 50 Mitarbeitern auf. Der neue Unternehmensservice von Berlin Partner betreut nun auch ansässige Betriebe. So gelingt es, den traditionsreichen Speiseeishersteller „Florida Eis“ in Spandau zu halten, wo 40 weitere Mitarbeiter eingestellt werden.



WENIGER ARBEITSLOSE

Jüngste Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zeigen einen positiven Trend für die Stadt. Im November sind 215 293 Menschen als erwerbslos gemeldet – 4095 weniger als im Oktober und 10 740 weniger als Ende 2009. Der Berliner Arbeitsmarkt zeige sich „robust“, heißt es.

MEHR WACHSTUM

Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) stellt im Dezember einen Konjunkturbericht für das dritte Quartal vor und rechnet auf dieser Grundlage für Berlin mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,2 Prozent. Eine besonders große Steigerung um 18,9 Prozent gibt es bei Industrieaufträgen. Der neue „Masterplan Industriestadt Berlin 2010–2020“ und der „Steuerungskreis Industrie“ beim Regierenden Bürgermeister sollen die Entwicklung forcieren.

SIEMENS INVESTIERT 100 MILLIONEN

Im September kündigt Siemens an, das Berliner Schaltanlagenwerk „zu einer der modernsten Fabriken ihrer Art“ und zum „Zentrum der weltweiten Forschung und Entwicklung für Hochspannungsschalttechnik“ auszubauen. Bis 2015 investiert der größte industrielle Arbeitgeber der Stadt 100 Millionen Euro.

REKORDMARKE IM TOURISMUS

Erstmals überschreitet Berlins Hotellerie im Dezember die Zahl von 20 Millionen Übernachtungen pro Jahr – das bedeutet eine Verdoppelung im Laufe der letzten zehn Jahre. Die Gästezahl stieg im gleichen Zeitraum von fünf auf neun Millionen. Etwa die Hälfte der Übernachtungen wird von Deutschen gebucht. Internationale Besucher kommen vor allem aus Italien, Großbritannien, Spanien und den USA. Die Flughäfen Tegel und Schönefeld melden mit mehr als 22 Millionen Passagieren einen neuen Rekord. Die Touristen bescheren Hotels, Läden und anderen Betrieben einen Jahresumsatz von neun Milliarden Euro.

ILA BLEIBT IN SCHÖNEFELD

Monatelang schien zunächst fraglich, ob die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) in der Region verbleibt. Im Juni entscheidet dann der Bundesverband der Luft- und Raumfahrtindustrie: Die ILA zieht 2012 in den Schönefelder Vorort Selchow um. Am alten Standort kann sie nicht bleiben, weil der Platz für den künftigen Großflughafen BBI benötigt wird.

BAUBOOM IN DER CITY WEST

Ein Turm weckt Träume: Im Oktober feiern arabische Investoren das Richtfest für das 119 Meter hohe „Zoofenster“ zwischen Bahnhof Zoo und Breitscheidplatz, in dem Ende 2011 ein Waldorf-Astoria-Luxushotel eröffnen soll. Nicht nur der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) sieht in dem 230 Millionen Euro teuren Hochhaus ein Signal für den Aufschwung in der City West. Die Bayerische Hausbau hat derweil ihr Projekt „Bikini Berlin“ an der Budapester Straße gestartet: Bis Ende 2012 fließen 100 Millionen Euro ins Bikini-Haus, das Kino Zoo-Palast und Nachbarbauten (siehe Seite 9). Im alten Haus Cumberland am Kurfürstendamm planen drei Berliner Unternehmer für 130 Millionen Euro Wohnungen, Läden, Büros und ein Restaurant. Nebenan verbaut die Freo Group 100 Millionen Euro: Unter dem Titel „N° 195 Kudamm“ entstehen Büros, Läden und Wohnungen. 500 Millionen Euro will Ballymore aus Irland in das Ku’damm-Karree investieren; um die Zukunft der Ku’damm-Bühnen wird allerdings weiter gestritten.

AUFSCHWUNG IN ADLERSHOF

2009 hatten die Betriebe im Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof ein Umsatzminus von 3,7 Prozent hinnehmen müssen – doch jetzt gehe es „wieder kräftig aufwärts“, heißt es von der Betreibergesellschaft Wista Management. Bei den mehr als 400 Firmen ist der Umsatz auf 537 Millionen Euro und damit um zwölf Prozent gestiegen. Für 2011 rechnen rund 60 Prozent der Firmen mit steigenden Erlösen.



ERSTE BERLIN MUSIC WEEK

Nach der Absage der Musikmesse Popkomm im Vorjahr kehrt diese 2010 als Teil der neuen „Berlin Music Week“ auf den Flughafen Tempelhof zurück – mit 7500 Fachbesuchern und 470 Ausstellern aus 20 Ländern. Weitere 2000 Besucher kommen zu einem Kongress im Rahmen der Music Week.

ICC-SANIERUNG BESCHLOSSEN

Nach langem Hin und Her beschließt der Senat ein Konzept für die Sanierung des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Charlottenburg: Die Deutschlandhalle wird für eine neue Messehalle abgerissen, die ab 2013 als Ersatzstandort für Tagungen und Kongresse zur Verfügung stehen soll. Die Sanierung des ICC dauert anschließend voraussichtlich zwei Jahre.

EINZELHANDEL MIT UMSATZPLUS

Berliner und Brandenburger Händler setzen 2010 ein bis zwei Prozent mehr um als im Vorjahr. Ein Zeichen setzt der schwedische Möbelkonzern Ikea, der Mitte Dezember in Lichtenberg seine vierte Filiale in der Region eröffnet. Mit 40 000 Quadratmetern Fläche ist sie die zweitgrößte nach dem Stammsitz in Stockholm.

RENAISSANCE DER MARKTHALLEN

Die Arminiusmarkthalle in Moabit ist seit November wieder geöffnet. Eine Tochtergesellschaft der Zunft AG aus Rheinland-Pfalz hat das Baudenkmal übernommen. Im Oktober kommen die „Markthallen am Gleisdreieck“ an der Luckenwalder Straße in Kreuzberg hinzu, wo es an jedem zweiten Wochenende einen „Lifestyle-Wochenmarkt“ mit Lebensmitteln, Mode, Kunst, Musik und Erlebnisgastronomie gibt. Um die Wiederbelebung der Kreuzberger Eisenbahnmarkthalle bemüht sich die Projektgruppe „Markthalle IX“, die einen „sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkt des Kiezes“ schaffen will und dort bereits Kulturveranstaltungen organisiert.

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