Wirtschaft : Abgeschirmter Gipfelalltag auf dem Bonner Petersberg

ANDREAS HOFFMANN

BONN .Allzu viel werden die Journalisten am Sonnabend nicht mitbekommen.Wenn sich die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden sieben Industriestaaten auf dem Petersberg in Bonn treffen, dann werden sie weitgehend abgeschirmt von der Öffentlichkeit zusammenkommen.Das ist Gipfelalltag, und diesmal dürfte es den Beteiligten sehr recht sein.Bei einzelnen Themen ist Streit programmiert.Etwa wenn es um die künftige Wechselkurse zwischen Euro, Dollar und Yen geht.

Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine (SPD) hatte bereits vergangenes Wochenende angekündigt, die künftige Wechselkurspolitik zum Thema zu machen.Er will dabei vor allem weltweit stabile Wechselkurse erreichen.Früher warben er und sein Staatssekretär Heiner Flassbeck sogar für sogenannte Zielzonen, in denen die Währungen schwingen sollen.Inzwischen freilich propagieren sie diese Ideen nicht mehr offen.Allzu viele Freunde haben sie für ihre Pläne nicht, sieht man vom japanischen Finanzminister Kiichi Miyazawa einmal ab.Selbst der französische Finanzminister Dominique Strauss-Kahn ist skeptisch - getreu dem Motto: Im Prinzip eine gute Idee, aber leider noch nicht durchführbar.

Viel kritischer klingen die Töne von jenseits des Teiches.US-Finanzminister Robert Rubin hält nichts von Wechselkurszielzonen.Selbst ein Gremium, das den Kursschwankungen entgegensteuern soll, lehnt er als zu dirigistisch ab.Deutsche und Franzosen sollten sich lieber darauf konzentrieren, wie sie die Binnennachfrage in ihren Ländern ankurbeln.Rubin riet ihnen: "Wir glauben, Stabilität wird vor allem durch die Anwendung ökonomischer Grundsätze erreicht." Selbst in Europa findet Lafontaine wenig Mitstreiter.So lehnten der italienische Finanzminister Carlo Azeglio Ciampi und sein niederländischer Kollege Gerrit Zalm die deutschen Pläne ebenfalls ab.

Anders als bei der Wechselkurspolitik dürften die weiteren Gipfel-Themen weniger strittig sein.So stellt Bundesbank-Chef Hans Tietmeyer seinen Bericht vor, wie er sich eine verbesserte Finanzmarktaufsicht vorstellt (siehe unten).Außerdem diskutieren die Finanzminister und Notenbankchefs über die Situation der Weltwirtschaft und die Stellung des Euro.Dazu werden der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, sowie der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, ihre wirtschaftspolitischen Ideen präsentieren.

Am Sonnabendnachmittag werden aus Rußland auch der liberale Finanzminister Michail Sardonow und der kommunistische Vize-Premier Jurij Masljukow dazukommen.Sie werden einen Überblick darüber geben, wie sie die Talfahrt ihrer Wirtschaft stoppen wollen.Die Finanzminister und Notenbankchefs der G7 werden von ihnen besonders wissen wollen, wie verläßlich sie künftig ihren Wirtschaftskurs verfolgen.

Nicht teilnehmen an dem Petersberger Gipfel wird der EU-Währungskommissar Yves-Thibault de Silguy.Stattdessen ist die EU-Kommission nur durch einen Beamten auf dem Treffen vertreten.Auf dem Wiener Gipfel hatte die EU beschlossen, daß neben dem EZB-Präsidenten und dem Präsidenten der Euro-Zone auch ein Vertreter der EU-Kommission teilnehmen soll.Vor allem die USA hatten sich dagegen gewehrt.

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