Wirtschaft : Abgesichert für die Berufsunfähigkeit Aber die privaten Versicherer nehmen nicht jeden

Andreas Kunze

Das größte Vermögen der Arbeitnehmer ist ihre Arbeitskraft. Doch während das neue Auto mit einer Kaskopolice und das Aktiendepot mit Optionsscheinen abgesichert wird, fehlt oft die Vorsorge für den Fall, dass die eigene Arbeitskraft ausfallen könnte. Doch die private Berufsunfähigkeitsversicherung ist kein Rundum-Sorglosschutz.

Die frühere Erwerbs- und Berufsunfähigkeitsrente innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung gibt es für alle nach 1961 Geborenen inzwischen nicht mehr. Neu geschaffen wurde dafür eine „Erwerbsminderungsrente". In voller Höhe erhält sie aber nur, wer weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann. Wer drei bis sechs Stunden täglich arbeiten kann, erhält die halbe Erwerbsminderungsrente – das sind etwa 20 Prozent des letzten Bruttoeinkommens.

Wer durch Krankheit seinen erlernten Beruf nicht mehr ausüben kann, für den kommt es noch schlimmer. Er muss in der gesetzlichen Versicherung jetzt eine nahezu unbegrenzte „Verweisung" auf andere Berufe hinnehmen. Das heißt: Qualifizierte Sachbearbeiter, Ingenieure oder Ärzte müssen also im Zweifel als Pförtner oder Telefonist arbeiten, wenn ihre „verbliebene Restarbeitsfähigkeit" dazu reicht. Wer also mehr als sechs Stunden noch einen Pförtnerjob ausüben könnte, geht leer aus.

Die privaten Versicherer bieten sich als Retter an und trommeln für die private Berufsunfähigkeitsversicherung. Wer sich dafür interessiert, merkt aber schnell einen markanten Unterschied: Während bei Vater Staat jeder versichert wird, nehmen Allianz und Co. nur Kunden, die gute Geschäfte versprechen. Antragsteller mit Erkrankungen müssen entweder hohe Zuschläge zahlen oder werden überhaupt nicht aufgenommen. Frauen zahlen immer drauf. Anders als beim Einheitstarif in der Gesetzlichen müssen sie für die private Berufsunfähigkeitsversicherung etwa zehn Prozent mehr als Männer zahlen (siehe Tabelle). Begründet wird dies unter anderem damit, dass Frauen häufiger wegen psychischer Erkrankungen ihren Job nicht mehr ausüben könnten.

Wer für den Fall der Berufsunfähigkeit vorsorgen will, sollte eine ausreichende Rente vereinbaren. Mini-Renten von 300 Euro nutzen im Ernstfall nur dem Sozialamt. Um diesen Betrag würden die öffentlichen Leistungen gekürzt. Mehr Lebensqualität wäre damit nicht gewonnen. Nur Renten, die deutlich über das Niveau von Sozialleistungen hinausgehen, also mehr als etwa 700 Euro, verbessern die Vorsorge wirklich.

Entscheidend bei der Auswahl eines privaten Versicherers sind die Versicherungsbedingungen. Die Versicherung sollte unbedingt auf die „abstrakte Verweisung“ verzichten. Sonst kann sie wie die Gesetzliche einen Erkrankten darauf verweisen, er könne immer noch als Pförtner arbeiten – selbst wenn niemand ihn einstellen würde.

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