Wirtschaft : Abris Lelbach

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Die Unternehmen in trockene Tücher packenalf

"Die letzten sechs, sieben Jahren waren sehr intensiv", blickt Abris Lelbach zurück.Die Jahre nach der Wende - in Ostdeutschland ein weites Betätigungsfeld für junge Betriebswirte, Wirtschaftsprüfer, Berater.Dabei sei es gar nicht so einfach, "als 35jähriger Chef eine kleine Laudatio auf einen Mitarbeiter zu dessen 40jährigem Betriebsjubiläum zu halten".Lelbach ist heute alleiniger Vorstand bei einem der traditionsreichsten Ost-Berliner Industrieunternehmen, der Elpro AG.Er hat die Firma durch das schwierige vergangene Jahr gesteuert, Arbeitsplätze abgebaut und Unternehmensteile verkauft.Er rationalisiert gewissermaßen auch seinen eigenen Arbeitsplatz weg, denn "irgendwann ist das Unternehmen zu klein".Und dann zieht Lelbach weiter. 1960 in Jugoslawien geboren, gab die Mutter dem Jungen den für deutsche Ohren ungewöhnlichen Namen Abris.Der stammt aus dem ungarischen, Lelbachs Großmutter war Ungarin, der Großvater Deutscher.In den sechziger Jahren zog die Familie in die Bundesrepublik, Lelbach wuchs in Frankfurt (Main) auf und studierte dort Betriebwirtschaft.Nach dem Examen arbeitete er in einer Frankfurter Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, wollte dann, Anfang der 90er, nach Budapest und blieb in Berlin hängen.Wendezeit.Lelbach verdiente nun sein Brot als Berater des "Leitungsausschusses" bei der Treuhandanstalt, stieg bei einer Management KG der Treuhand ein und wurde Anfang 1994 Vorstandsmitglied beim Berliner Anlagenbauer KAB, damals ein Unternehmen mit rund 900 Mitarbeitern und gut 40 Mill.DM Verlust im Jahr."Ich habe dort die Restrukturierung durchgeführt", formuliert Lelbach den bitteren Prozeß von Spartenverkäufen, Stillegungen, Arbeitsplatzabbau. Seit dem Oktober 1996 ist Lelbach bei Elpro.Und wieder dasselbe Programm: Einige Unternehmensteile müssen abgewickelt werden, für andere sucht Vorstand Lelbach Käufer.Ein ehemals großes Unternehmen schrumpft in kleine, wirtschaftliche Einheiten."Man muß ein Händchen für die Situation finden, mit Transparenz Vertrauen schaffen", sagt der Vorstand.Und die vielen hundert Beschäftigten, die dem Sanierer zum Opfer fallen? "An die darf man nicht denken, sonst steht man das mental nicht durch." Seinen Erfahrungen zufolge "ist die Leidensfähigkeit im Osten größer"; auch deshalb, weil die Menschen "nicht gewohnt sind, Widerstand zu leisten". Es selbst "lebt im Büro", liebt die "Herausforderung, ein Unternehmen in trockene Tücher zu bringen".Freizeit ist da nachrangig.Lelbach, der vom 15.Lebensjahr an in der Tischtennis-Bundesliga spielte, hat "seit fünf Jahren keinen Schläger in der Hand gehabt".Wie es nach der Wende im Osten gelaufen ist, bedauert der Manager."Viele wurden von Neppern und Schleppern über den Tisch gezogen", außer dem grünen Pfeil sei den Ossis nichts geblieben."Die Chance eines Neubeginns wurde nicht genutzt."

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