Absatzkrise : GM-Ausputzer nimmt Opel ins Visier

Stephen Girsky soll das Europa-Geschäft von General Motors retten. Dass er etwas bewegen kann, hat er bei der Opel-Mutter schon bewiesen. Damit hat er sich nicht nur Freunde gemacht.

Sharon Terlep
Düstere Aussichten: In Bochum ist der letzte Opel vom Band gelaufen.Weitere Bilder anzeigen
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05.12.2014 11:10Düstere Aussichten: In Bochum ist der letzte Opel vom Band gelaufen.

Als Analyst der Automobilbranche hatte Stephen Girsky den Verantwortlichen bei General Motors (GM) immer wieder schwer zugesetzt. In seinen fast zwanzig Jahren als Branchenbeobachter hatte der jetzige GM-Manager dem US-Autogiganten wiederholt vorgeworfen, „der Realität nicht ins Auge blicken zu wollen“. Die Firma bewege sich wie ein Supertanker, der den Kurs nicht ändern wolle. „Es ist ziemlich offensichtlich, dass wir die Dinge in Europa anders anpacken müssen“, sagt Stephen Girsky. Der Vice Chairman von GM meint damit im speziellen Opel.

Dann wechselte Girsky die Seiten, rückte zum Vice Chairman des amerikanischen Autobauers auf. Und plötzlich steht er selbst unter Druck. Er soll aufräumen, wo das größte Chaos herrscht: im Europa-Geschäft. „Wir sind da drüben ein Haufen Amerikaner, die versuchen, Franzosen deutsche Autos zu verkaufen. Und dann wundern wir uns, warum das nicht funktioniert.“

Drei Jahre nach der Rettungsaktion durch die US-Regierung verbuchte GM einen Rekordgewinn von 7,6 Milliarden Dollar. Fast überall auf der Welt stiegen die Absatzzahlen. Die Aktien, immer noch zu 27 Prozent im Besitz der US-Regierung, dümpeln allerdings weiter vor sich hin. Und das ist zum größten Teil auf die Probleme der Firma in Europa zurückzuführen. Auf dem Alten Kontinent erzielte GM im vergangenen Jahr 18 Prozent des Gesamtumsatzes - und verbuchte einen Verlust über 747 Millionen Dollar.

Das ist nichts Neues: Die europäischen Probleme bestehen seit 1999. Inzwischen summieren sich die Fehlbeträge auf insgesamt mehr als 14 Milliarden Dollar. Im Schnitt verlor das Unternehmen 630 Dollar (480 Euro) bei jedem Auto, das 2011 in Europa gebaut wurde. In Nordamerika dagegen erzielte GM pro Fahrzeug einen Gewinn von 2460 Dollar.

Gute alte Zeit I: Der Rekord-Rekord

Der Schönling aus Rüsselsheim
Im Frühjahr 1972 stellt Opel sein neues Mittelklassemodell vor: Den Rekord D. Die Erwartungen sind hochgesteckt, denn die Vorgaben des Vorgängers sind denkbar schwierig. Der Rekord C verkaufte sich mehr als 1,2 Millionen Mal und durchbrach als erstes Fahrzeug der Baureihe die Millionengrenze. Wie sollen die Rüsselsheimer an diesen Erfolg anknüpfen?Weitere Bilder anzeigen
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17.02.2012 10:33Im Frühjahr 1972 stellt Opel sein neues Mittelklassemodell vor: Den Rekord D. Die Erwartungen sind hochgesteckt, denn die Vorgaben...

GM hätte sich 2009 fast von Opel getrennt. Aber Girsky und andere überredeten den Verwaltungsrat des Unternehmens dazu, die Verkaufspläne fallen zu lassen. Jetzt befindet sich Europa aus amerikanischer Sicht in einer miserablen wirtschaftlichen Verfassung. Und die Verluste bei Opel dürften sich ausweiten.

Nun kommt es auf den 49-jährigen Girsky an, das Steuer herumzureißen: Eine Herkules-Aufgabe. Opel hat Image-Probleme. GM hat zu viele Fabriken in Europa. Aber aufgrund von Gewerkschaftsverträgen können die Amerikaner vor 2014 keine Anlage schließen. Politiker vor Ort und Gewerkschaften geben zwar zu, dass sich bei Opel etwas ändern muss. Gleichzeitig bekämpfen sie aber Werksschließungen auf eigenem Boden.

Vom Erfolg Girskys in Europa könnte abhängen, ob GM ein vollständiger Wiederaufstieg gelingt. Und wie sich der Vice Chairman auf dem Alten Kontinent schlägt, das könnte auch das Rennen um die Nachfolge von Chief Executive Officer Dan Akerson beeinflussen.

Girsky war die treibende Kraft hinter der Allianz mit dem französischen Hersteller PSA Peugeot Citroën - einem Abschluss, den Analysten als wenig vorteilhaft für GM kritisiert haben.

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