Wirtschaft : Abschied unter Beifall

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Von Daniel RheePiening

Die Nachricht war nach dem Geschmack der Aktionäre. Mit einem Kurssprung der MLP-Aktie um mehr als neun Prozent honorierte die Börse den angekündigten Rücktritt des MLP-Vorstandschefs Bernhard Termühlen. Dabei hat das Unternehmen dem scheidenden Chef viel zu verdanken. Unter seiner Regie wuchsen die Heidelberger zu einem der führenden Finanzdienstleister Europas. Doch der verbissene Arbeiter Termühlen, der von seinen Mitarbeitern viel verlangte, hatte offenbar Defizite bei einer Eigenschaft, die bei jedem seiner Finanzberater unverzichtbar ist: der Kommunikationsfähigkeit. Mit seinem Stil schuf er sich Neider und Feinde, die nicht davor zurückschreckten, Abhöranlagen in seinem Büro zu installieren. Und mit seiner kreativen Buchführung überforderte er die Öffentlichkeit und rief sogar den Staatsanwalt auf den Plan. Selbst wenn es juristisch korrekt sein sollte, künftige Provisionserlöse zu verkaufen und direkt als Erträge zu verbuchen – das ging den Beobachtern dann doch zu weit. Als Termühlen, klüger geworden, das Rad zurückdrehte, bescherte dies MLP einen Verlust von 50 Millionen Euro.

Das Vermögen der Aktionäre schmolz binnen Jahresfrist auf ein gutes Siebtel zusammen. Nun traute die Börse MLP alles zu, das Papier war auf dem Weg zur Zockeraktie, und MLP flog aus dem Dax. Zu spät duldete Termühlen auch einen Finanzvorstand neben sich: Uwe Schroeder-Wildberg. Der wird nun als Nachfolger gehandelt und hat doch ein Handicap: Rückt er in die Spitze auf, muss sich MLP schon wieder einen neuen Finanzvorstand suchen. Das wäre keine gute Nachricht für die Börse.

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