Wirtschaft : Abschied vom Gigantismus

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Im brandenburgischen Briesen-Brand südlich von Berlin will die 1996 gegründete Cargolifter AG eines der ambitioniertesten Projekte in der jüngeren Luftfahrtgeschichte verwirklichen: Ein riesiges Luftschiff, das gigantische Lasten wie Turbinen oder Brückenteile über mehrere tausend Kilometer durch die Welt fliegen soll. Gewichte von bis zu 160 Tonnen soll der Cargolifter (CL) 160 heben können – daher der . Wegen Finanzproblemen musste sich die Firma Anfang Juni dieses Jahres von ihrem wichtigsten Projekt verabschieden und danach Insolvenz anmelden.

Gigantisch waren auch die geplanten Ausmaße des Luftschiffes: 260 Meter lang, 82 Meter hoch, mit einem Durchmesser von 65 Metern – gefüllt mit 550000 Kubikmeter Helium-Gas, das leichter als Luft ist. Nach diesem „Leichter-als-Luft“-Prinzip steigen auch Luftballons auf dem Jahrmarkt auf. Angetrieben werden sollte der CL 160 von Propellern und Turbinen, die eine Reisegeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern ermöglicht hätten.

Nach dem Aus für den CL 160 ruhten die Hoffnungen auf dem CL 75 („Aircrane“), der seit März 2002 außerhalb der Werfthalle getestet wurde. Er ist praktisch die abgespeckte Version des Luftschiffs: Ein Ballon mit einem Volumen von 110000 Kubikmeter, der Lasten mit einem Gewicht von bis zu 75 Tonnen transportieren kann. Der „fliegende Kran“ soll auch stationär auf schwer zugänglichen Baustellen zum Einsatz kommen. Das schwere Unwetter Anfang August zerstörte die Außenhülle des Aircrane-Prototypen.

Seit Mai 2000 ist die Cargolifter AG an der Frankfurter Börse notiert. Der Kurs, zwischenzeitlich bei mehr als 20 Euro, bewegte sich zuletzt um die Ein-Euro-Marke. Mit dem Bau der riesigen Werft in Brand wurde 2000 begonnen. Von der Insolvenz sind rund 260 Beschäftigte bedroht. dpa

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