Wirtschaft : Abschied von Nicorette

Pfizer verkauft seine rezeptfreien Medikamente

Maren Peters

Berlin - Der Bieterwettkampf um Pfizers Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneimitteln, für das sich auch Bayer interessiert hatte, ist entschieden: Der weltgrößte Pharmakonzern verkauft die Sparte für 16,6 Milliarden Dollar ( 13,2 Milliarden Euro) an den US-Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson, wie die Unternehmen am Montag bestätigten. Das sind zwei Milliarden mehr als die Branche erwartet hatte. Die Übernahme soll Ende 2006 abgeschlossen sein.

Pfizer hatte seine Sparte mit verschreibungsfreien Medikamenten (in der Branchensprache OTC für „over the counter“), zu der auch das Mundwasser Listerine und Nicorette zur Raucher-Entwöhnung gehören, im Februar zum Verkauf gestellt. Dafür hatte sich nach Brancheninformationen auch Schering-Käufer Bayer interessiert. Bayer hatte erst vor zwei Jahren die OTC-Sparte von Roche gekauft und wollte eigentlich zum Weltmarktführer aufsteigen. Ein Bayer-Gebot an Pfizer galt zuletzt aber als unwahrscheinlich: Der Leverkusener Konzern übernimmt gerade für 17 Milliarden Euro den Berliner Schering-Konzern. Bayer selbst hatte einen Kommentar zu Pfizer stets abgelehnt.

Der Käufer Johnson & Johnson hatte es in der Endphase des Bieterrennens nur noch mit dem Pharmakonzern Glaxo-Smithkline und dem ebenfalls britischen Konsumgüterhersteller Reckitt Benckiser zu tun.

„Diese Kombination schafft das weltweit führende Consumer-Healthcare-Unternehmen“, sagte Johnson & Johnson-Chef William Weldon gestern. Der Markt für solche Produkte böte zunehmend attraktive Wachstumsgelegenheiten, da Verbraucher sich immer stärker um ihre eigene Gesundheit kümmerten. Hintergrund ist, dass Patienten – nicht nur in Deutschland – immer mehr Medikamente für Bagatellerkrankungen wie Schnupfen, die früher von den Kassen erstattet wurden, selbst bezahlen müssen. Für Pharmafirmen wird dieser Markt trotz vergleichsweise niedriger Gewinnspannen immer attraktiver. Viagra-Produzent Pfizer will sich dagegen ganz auf rezeptpflichtige Mittel konzentrieren. Die OTC-Sparte sei zu klein gewesen, hieß es. Mit knapp 3,9 Milliarden Euro setzte Pfizer damit 2005 nicht einmal ein Zehntel des Konzernumsatzes von 51,3 Milliarden Dollar um.

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