Abwrackprämie : Autobranche will Nachschlag

VW-Chef Winterkorn und ADAC fordern Aufstockung der Schrottprämie. Bislang liegen 35.000 Anträge vor.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Abwrackprämie bringt den Autohandel in Schwung – über das tatsächliche Ausmaß der Nachfrage gehen die Meinungen aber weit auseinander. Nach Angaben von VW-Konzernchef Martin Winterkorn hätten die Auftragseingänge bei Volkswagen zuletzt um den Faktor drei bis vier über dem sonst üblichen Volumen gelegen, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Dem Magazin zufolge will Winterkorn in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommende Woche Möglichkeiten prüfen, die bis zum Jahresende befristete Abwrackprämie zu verlängern und die Fördersumme von 1,5 Milliarden Euro aufzustocken.

Auch der ADAC spricht von einem „Ansturm auf die Autohäuser“. Dies zeige, dass das von der Bundesregierung aufgelegte Förderprogramm angenommen werde. „Damit das so bleibt, muss die Bundesregierung zusagen, dass sie die Fördersumme notfalls aufstockt“, sagte der ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker. Nach einer Umfrage des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) vom Wochenende sind eine Million Verbraucher bereit, dieses Jahr ein neues Auto zu kaufen. Damit interessierte Neuwagenkäufer nicht in Hektik geraten, weil sie fürchten müssen, dass der Fördertopf zur Neige geht, plädiert der ZDK für eine Stichtagsregelung: Wer bis zum 30. Juni oder 31. Juli sein altes Auto verschrotte und ein neues kaufe, müsse die 2500 Euro Prämie garantiert bekommen.

Die Resonanz auf die Prämie wird aber bei den Autohändler sehr unterschiedlich bewertet. „Ich halte eine Million zusätzliche Neuwagenkäufe in diesem Jahr für unrealistisch“, sagte Hans-Peter Lange, Präsident des Landesverbands des Kfz-Gewerbes Berlin-Brandenburg, dem Tagesspiegel. „Es dürften maximal 400 000 werden. Was im Fördertopf ist, reicht aus.“ Die Sorge, dass Neuwagenkäufer wegen langer Lieferzeiten bei der Prämie leer ausgehen könnten, bezeichnete Lange als „reine Panikmache“.

Die „Umweltprämie“ erhält, wer einen mindestens neun Jahre alten Gebrauchten verschrottet und dafür einen Neu- oder Jahreswagen kauft. Insgesamt stellt der Bund 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die rein rechnerisch für 600 000 Anträge reichen. Jedoch müssen aus dem Budget auch Verwaltungskosten gezahlt werden. Bislang erhalten Autokäufer das Geld für die Verschrottung erst mit der Zulassung des Neu- oder Jahreswagens. Der ZDK fordert deshalb, die Prämie mit der verbindlichen Bestellung eines Autos für den Kunden zu reservieren. Gezahlt werden solle sie dann, wenn das Auto auch tatsächlich geliefert und zugelassen wird. Am Dienstag zählte das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle 34 210 eingereichte Anträge.

Der VDA hatte berichtet, die Nachfrage nach Neuwagen sei in der letzten Januarwoche spürbar gestiegen. Allerdings fiel der Januar insgesamt für die Branche verheerend aus: Die Zahl der Neuzulassungen fiel im Vergleich zum Vorjahresmonat um 14 Prozent. Erst für Februar wird das Kraftfahrtbundesamt belastbare Zahlen zur Wirkung der Schrottprämie liefern.

Umstritten ist, ob sie vor allem Kleinwagenherstellern hilft und weniger deutschen Herstellern. „Renault- und Fiat-Händler können sich vor Anfragen kaum retten“, berichtet ZDK-Landeschef Lange. „Bei den deutschen Premiummarken ist der Andrang lange nicht so groß.“ Anders sieht es offenbar in Frankreich aus, wo es bereits seit Anfang Dezember eine Abwrackprämie gibt. Berichten zufolge sollen dort vor allem deutsche Produzenten wie VW, Audi und Mercedes von der Prämie profitieren.

Ford registrierte in der zweiten Januar- Hälfte einen gestiegenen Auftragseingang für die Kleinwagen-Modelle Fiesta, Ka und Fusion. Er habe sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 10 000 Stück vervierfacht. Die spanische VW-Tochter Seat will die Produktion wegen der gestiegenen Nachfrage wieder erhöhen. VW-Chef Winterkorn sagte, die geplante Kurzarbeit im Werk Pamplona sei abgesagt worden. Bei Volkswagen wurden Winterkorn zufolge vom Kleinwagen Polo bereits 40 000 Exemplare mehr produziert als ursprünglich geplant. Positive Effekte habe es auch im Geschäft mit dem neuen Golf, dem Scirocco und dem Passat gegeben.

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