Abwrackprämie : Prämie und Psyche

Es kommen wieder mehr Menschen in die Autohäuser. Die Aussicht auf 2500 Euro macht Stimmung- die Autoverkäufer freut es.

Hannes Heine

BerlinMartin Boethelt, fester Händedruck und dezenter Anzug über farbenfrohem Hemd, ist zufrieden. Nicht nur weil heute sein 34. Geburtstag ist, sondern weil das Autohaus, in dem Boethelt Verkaufschef ist, wieder voll wird. Voll von Kunden, die bei Kroymans am Spandauer Juliusturm auf 3000 Quadrat metern zwischen Dutzenden kleinen und mittleren Wagen umherschlendern.

Zwischen Juli und Ende Dezember 2008 hatten Boethelt und seine Kollegen nur rund 500 Autos verkauft. „Ab November lief es richtig schlecht“, sagt der Verkäufer unumwunden. An den Samstagen seien oft nur ein paar Pärchen gekommen. Die elf Verkäufer – „alles leidenschaftliche Fachleute“ – habe das zunehmend frustriert.

Bis vor einigen Tagen, als die Bundesregierung am 14. Januar die Abwrackprämie beschlossen hat: 2500 Euro bekommt man für das eigene gebrauchte Auto beim Kauf eines umweltfreundlichen Neuwagens. Am vergangenen Samstag seien dann 150 Leute hier gewesen – fast zehnmal mehr als noch vor einem Monat, sagt Martin Boethelt. Er rückt die in modisch hellem Rand gefasste Brille zurecht: „1500 Autos werden wir in diesem Jahr verkaufen, 1000 neue und 500 Gebrauchtwagen.“ Eine klare Ansage, von Absatzkrise ist wenig zu spüren.

"Autos sind einfach im Gespräch"

Zwei junge Damen, solariumgebräunt und in engen Stiefeln, wandern durch den Ausstellungsraum. „Was soll’s denn werden?“, fragt ein Verkäufer. „Klein bis mittel“, antworten die beiden und streicheln einen eisgrauen Fiat, als wäre er ein großer Hund. Gut gelaunt führt der Verkäufer durch die Halle: Neben Fiat könne er auch Opel, Nissan oder Ford anbieten. Spritsparende und kleine Modelle seien gefragt, wobei Boethelt eher an eine Mode als an gestiegenes Umweltbewusstsein oder leere Portemonnaies glaubt. Ihm sind aber alle Kunden recht.

„Die Abwrackprämie ist bei den Leuten angekommen“, sagt Boethelt. Offenbar so sehr, dass die Hälfte der Menschen, die in den vergangenen Tagen zu Kroymans gekommen sind, gar keinen Anspruch auf die Prämie hat. „Deren Auto ist schlicht jünger als neun Jahre“, sagt Boethelt. Doch die Debatte um die Krise in der Autoindustrie habe dazu geführt, dass sich potenzielle Kunden wieder Gedanken über einen neuen Wagen machten. Seit in der Öffentlichkeit etwa um den angeschlagenen Opel-Konzern diskutiert werde, glaubten viele, nun einen Opel besonders günstig kaufen zu können. „Autos sind einfach im Gespräch“, sagt Boethelt. Dabei könne man schon seit Monaten bei fast jedem Typ ein Schnäppchen machen, wundert sich der Fachmann: „Die Abwrackprämie hat vor allem einen psychologischen Effekt.“

Die Preise können nich weiter fallen

Auch Michael Franz, Chef der Autohäuser der Weller-Gruppe, ist zufrieden. „Wir haben bis zu 20 Prozent mehr Kaufverträge“, sagt Franz, in dessen drei Berliner Häusern vor allem Toyota verkauft wird. „Nun kommen Leute, die seit langem ein Auto kaufen wollten, es aber immer wieder verschoben haben.“

Doch Boethelt warnt: „Weiter runter mit den Preisen können wir nicht.“ Vor sechs Monaten kostete ein Ford Fusion 17.300 Euro. Für 20 Prozent weniger, 13.500 Euro, gibt es den Wagen nun bei Kroymans. „Wer Anspruch auf die Prämie hat, bezahlt nur noch 11 000 Euro“, sagt Boethelt sehr ernst. 

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