Wirtschaft : Ackermann attackiert Pierer

Deutsche-Bank-Chef zu der Siemens-Affäre: Ich wäre sofort zurückgetreten

Alfons Frese
Deutsche Bank - Josef Ackermann dpa
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann, beantwortet am Donnerstag (02.02.2006) auf der...dpa

Berlin - Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank und Aufsichtsratsmitglied bei Siemens, hat sich ungewöhnlich deutlich über die Zustände in der früheren Spitze des Elektrokonzerns geäußert. „Wenn in der Deutschen Bank systematisch solche Dinge aufbrechen würden, würde ich morgen zurücktreten. Denn entweder war ich Teil davon, dann gehöre ich sowieso weg, oder ich habe es nicht gewusst, dann habe ich nicht geführt.“ Ackermann zielt mit diesen Worten im Rahmen eines Interviews mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ auf den langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Aufsichtsratschef von Siemens, Heinrich von Pierer. Der war vor wenigen Wochen und damit erst gut fünf Monate nach den ersten Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft zurückgetreten. Pierer hatte stets betont, nichts von schwarzen Kassen und Schmiergeldern gewusst zu haben. Kurz nach Pierer hatte Vorstandschef Klaus Kleinfeld seinen Rücktritt angekündigt. Erst am vergangenen Sonntag hatte dann der Aufsichtsrat den bisherigen Pharma-Manager Peter Löscher zum 1. Juli als neuen Vorstandsvorsitzenden bestellt.

Ackermann sagte nun zu Kleinfeld, der „musste nicht gehen“. Vielmehr habe der Aufsichtsrat vor der Verlängerung des Kleinfeld-Vertrags „weitere Untersuchungen zu den Korruptionsvorwürfen“ abwarten wollen. „Das wollte er nicht und ist deshalb zurückgetreten.“ Ähnlich hatte sich bereits Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber im Tagesspiegel geäußert. „Wir konnten Herrn Kleinfeld zu diesem Zeitpunkt keinen neuen Vertrag über fünf Jahre geben, weil vieles, wie zum Beispiel der Bereich USA, für den Kleinfeld zuständig war, noch nicht untersucht ist“, hatte der zweite Vorsitzende der IG Metall gesagt. „Ungesetzliches Verhalten mit System, wie es bei Siemens offenbar vorliegt, können wir nicht billigen“, so Huber.

Ackermann sagte zu dem Thema, „es gibt kein Geschäft, das es wert ist, den eigenen Ruf zu ruinieren“. Ihn persönlich würde „der Vorwurf, dass ich nicht ehrbar oder nicht moralisch bin, viel mehr treffen als der Vorwurf, ich hätte das Unternehmen nicht erfolgreich geführt“. Deshalb habe ihn auch „die Debatte um die Mannesmann-Prämien verletzt“. Als Mitglied der Aufsichtsratsspitze hatte Ackermann enorme Abfindungen für die Mannesmann-Führung nach der Übernahme durch Vodafone gebilligt. Ackermann und andere, darunter der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, waren daraufhin wegen Verdachts auf Untreue angeklagt worden. Der Prozess endete mit einer Millionenzahlung Ackermanns. Die Gewährung der Abfindungen bezeichnete Ackermann nun im Interview als „eine Handlung, die nach meinem Verständnis rechtmäßig und international üblich war“.

Alles in allem, so der Banker, sei die Wirtschaft „viel moralischer, als sie dargestellt wird“. Die Deutsche Bank etwa mache im steuerlichen Bereich keine Transaktionen mehr, „wenn wir davon ausgehen, dass das Schlupflöcher sind, die in den nächsten Jahren geschlossen werden könnten“. Ferner bemühe sich die Bank, keine Geschäfte mit Kriminellen zu machen: „Wenn die Vermutung besteht, dass jemand durch Geldwäscherei oder andere kriminelle Machenschaften zu Geld gekommen ist oder wenn es sich um einen Diktator handelt, der sich mit unrechtmäßigen Machenschaften Vermögen angeeignet hat, akzeptieren wir ihn als Kunden nicht“, sagte Ackermann.

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