Wirtschaft : Ackermann provoziert Bankenstreit

Sparkassen lehnen Notfallplan der Deutschen Bank ab / Bundesbank warnt vor Krisengerede

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Berlin (fo/ro). Der Vorschlag des Chefs der Deutschen Bank, Josef Ackermann, eine besondere Bank für faule Kredite zu gründen, hat zu heftigem Streit in der Finanzbranche geführt. Die Sparkassen werfen den privaten Banken vor, von eigenen Managementfehlern ablenken zu wollen. Die Bundesbank hält eine Auffanggesellschaft für völlig überflüssig. „Es gibt keine Bankenkrise, ein Vergleich mit Japan ist ebenfalls unsinnig“, sagte Direktoriumsmitglied Edgar Meister.

Eine Auffanggesellschaft mit staatlicher Unterstützung lehnte Meister am Montag in Frankfurt erst recht ab: „Dies ist nicht im geringsten die Zeit, über den Einsatz von Steuermitteln zu diskutieren“, sagte er. Es gebe zwar Probleme, von einer Gefährdung der Banken könne aber keine Rede sein. „Die Stabilität des deutschen Finanzsystems und die Liquidität der Banken stehen nicht infrage.“ Er wisse im übrigen nichts von einem Vorschlag zur Gründung einer „Bad Bank“, in der faule Kredite der Großbanken gebündelt und zum Teil mit staatlicher Hilfe abgewickelt werden sollten.

Einen solchen Vorschlag hatte Ackermann in einem Gespräch mit anderen Spitzenbankern und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gemacht. In diese so genannte „Bad Bank“ sollten zunächst Dresdner, Commerz und Hypo-Vereinsbank ihre faulen Ausleihungen einbringen, nicht aber die Deutsche Bank. Sie will ihre notleidenden Kredite über Derivate-Geschäfte selbst absichern (siehe Kasten). Dem Vernehmen nach sollen Kredite mit einem Gesamtvolumen von bis zu 40 Milliarden Euro auf diesem Weg gestützt werden. Ende des Jahres 2002 betrug das gesamte Kreditvolumen der Deutschen Bank 170 Milliarden Euro.

Bundesbank-Vorstand Meister zeigte sich in Frankfurt verwundert über die Diskussion der letzten Tage. Er räumte ein, dass 2002 für die Banken ein sehr schwieriges Jahr gewesen sei und der Ausblick auf 2003 nicht viel besser sei. Die Banken hätten aber die Lage erkannt und aggressive Kostensenkungsschritte eingeleitet. Diese Maßnahmen bräuchten Zeit. Meister: „Ich bin sicher, dass die deutschen Banken ihre spezifischen Probleme aus eigener Kraft lösen.“ Nach Ansicht der Zentralbank gibt es generell keinen Anlass, an der Stabilität und Solidität der Banken in Europa zu zweifeln. Zwar seien ihre Gewinne merklich zurückgegangen, sie seien aber nicht niedriger als Anfang der Neunzigerjahre. Die Eigenkapitalbasis sei im letzten Jahr sogar noch stärker geworden. Damit seien die Institute auch auf eine anhaltende Konjunkturflaute und auf die Folgen eines möglichen Krieges im Irak vorbereitet. „Die Banken haben genügend Puffer, um weitere Schocks zu verkraften“, sagte Meister.

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte, es gebe keine Anzeichen für eine Bankenkrise. Es erübrigten sich damit auch Spekulationen über eine angebliche Auffanggesellschaft. Die Deutsche Bank selbst kommentierte den Vorschlag Ackermanns nicht, dementierte ihn aber auch nicht. Unter der Hand ist in der Zentrale der Bank die Rede von einer „schrägen Darstellung“.

In Frankfurt jedenfalls ist man entsetzt. Grund: Gerade die Banken, die immer wieder auf möglichst wenig staatliche Regulierung pochen, könnten nicht nach dem Staat rufen. Zum anderen könnte Ackermanns Vorschlag so gedeutet werden, dass die Banken viel tiefer im Schlamassel stecken als bisher angenommen. So sehen das auch die Sparkassen. Man habe fast den Eindruck, dass das Gerede von einer Bankenkrise dazu diene, „den deutschen Bankenmarkt schlecht zu reden und so eigene unternehmerische Interessen zu verfolgen“, heißt es beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband. Konkret wird bei einigen Privatbanken vermutet, dass sie die angebliche Krise nur dazu nutzen wollten, „besser positionierte Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu übernehmen“.

Bankenfachmann Wolfgang Gerke wertet die Debatte über eine Auffanggesellschaft als „fatales Signal“, da damit Zweifel an den Banken geweckt würden. Er habe immer gesagt: „Stoppt das Gerede über eine Bankenkrise“, betonte der Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Erlangen-Nürnberg. Es gebe eine Struktur- und Ertragskrise, aber Panik sei nicht angebracht.

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