Ackermann & Co : Manager in Not

Ackermann hat einen Schwächeanfall, Jobs zieht sich bei Apple zurück – und die Kurse brechen ein. Wie wichtig sind die Chefs?

Alfons Frese
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Foto: dpa

Berlin - Am Essen soll es gelegen haben, dass sich Josef Ackermann unwohl fühlte und mit dem Rettungswagen ins Bundeswehrkrankenhaus in Berlin-Mitte bringen ließ. So erklärt es jedenfalls die Deutsche Bank offiziell. Waren etwa die Currywürste und die anderen Häppchen, die beim Neujahrsempfang des Instituts am Mittwochabend gereicht wurden, nicht in Ordnung? Es gibt durchaus Zweifel an der offiziellen Linie der Bank. „Unsinn, das hat mit dem Essen überhaupt nichts zu tun gehabt. Herr Ackermann hatte einen Schwächeanfall“, sagte ein Bankmanager dem Tagesspiegel. Der Unterschied in der Diagnose ist ein Vermögen wert. Am Donnerstag verloren die Aktien der Bank zunächst 4,5 Prozent ihres Werts – immerhin rund eine halbe Milliarde Euro. Als die These von der Magenverstimmung ankam, erholte sich der Kurs zumindest zeitweise wieder etwas.

Nur Stunden zuvor hatte der Gesundheitszustand eines andere Top-Managers die Märkte noch weitaus heftiger bewegt. Apple-Chef Steve Jobs zieht sich aus gesundheitlichen Gründen vorerst aus der Unternehmensführung zurück, die Aktie fiel um rund zehn Prozent auf ihren tiefsten Stand seit mehr als zwei Jahren. Wohl und Wehe des Konzerns hängt offenbar eng zusammen mit dem Wohlbefinden der Person an der Spitze.

„Schönheit strahlt von innen“, sagt Walter Jochmann, Geschäftsführer der Personal- und Unternehmenberatung Kienbaum, über die Wirkung des Chefs oder der Chefin. Gemeint sind hohe Glaubwürdigkeit, Anerkennung und gewissermaßen Verkörperung des Geschäftsmodells im Unternehmen selbst, also vor allem Strahlkraft auf die eigene Belegschaft. „Ein CEO macht selber kein finales Geschäft mehr, der strahlt über seine Multiplikatorfunktion“, sagt der Kienbaum-Mann. „Die Substanz nach innen ist entscheidend.“ Was eher nicht funktioniert, sei der Typus Thomas Middelhoff: Der Noch-Chef von Arcandor agiere nach außen als glänzender Verkäufer, die interne Kommunikation aber wirke verheerend. Kurzum: Middelhoff, der Anfang März ausscheidet, ist für Arcandor verzichtbar.

Bei Jürgen Hambrecht von BASF sieht das nach Einschätzung des Kienbaum-Beraters anders aus. „Nach außen ist das sicher nicht der Beweger der Massen“, sagt Jochmann über den Vorstandsvorsitzenden. Aber bescheidenes Auftreten und nachhaltige Strategie passten gut zum Geschäftsmodell des Chemiekonzerns und stießen deshalb bei den Mitarbeitern auf positive Resonanz. Ein anderes Geschäftsmodell und entsprechend ein anderer Auftritt in der Öffentlichkeit kennzeichne dagegen Apple. Mit Steve Jobs verbinden Mitarbeiter und Kunden starke Produkte und die Wiederauferstehung Apples in den 90er Jahren. Nicht nur für Jochmann „eine seltene Story“.

In den 70er Jahren hatte Jobs, nach einem Indientrip langhaarig und bärtig nach Kalifornien zurückgekehrt, mit Steve „Woz“ Wozniak Apple gegründet. In den 80ern wird der begnadete Verkäufer Jobs vom Aufsichtsrat aus der Firma gedrängt. Ende der 90er Jahre kommt er zurück, wird 2001 Chef und landet mit iMac, iPod und iPhone einen Volltreffer nach dem anderen. Jobs wird zur Ikone.

Vor vier Jahren erkrankt der Zen-Anhänger und Vegetarier an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Und jetzt räumt der 53-Jährige nach monatelangen Spekulationen ein, dass er nicht nur an einem „hormonellen Ungleichgewicht“ leidet, sondern ernsthafter erkrankt ist. Ist der Krebs zurück, fragen Analysten und Aktionäre. Immerhin gibt es mit seinem Vize Tim Cook und weiteren Top-Managern ein erfahrenes Team an der Apple-Spitze, das Jobs vertreten kann. Der Meister selbst äußerte sich vor vier Jahren im Zusammenhang mit der Krebsdiagnose geradezu philosophisch: „Sich der Sterblichkeit zu erinnern ist die beste Methode, um dem Irrglauben zu entgehen, dass man etwas zu verlieren hat.“

Mitarbeit: M. Döbler, R. Neubauer

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