Wirtschaft : Ackermann verdient eine Million extra

Deutsche-Bank-Chef löst Aktienoptionen ein/Anlegerschützer kritisieren Verfahren

Stefan Kaiser

Berlin – Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat für 2,7 Millionen Euro Aktien seines eigenen Unternehmens gekauft. Er löste Optionen ein, die ihm als flexibler Anteil seines Gehalts für das Jahr 2002 gewährt worden waren. Ackermann erhielt die Aktien am 28. Februar zum Preis von 47,53 Euro. An der Börse notierte das Deutsche-Bank-Papier an diesem Tag bei 66,30 Euro. Die Differenz von knapp 19 Euro pro Aktie und insgesamt etwa einer Million Euro konnte Ackermann als Buchgewinn einstreichen.

Der Vorstandschef erhielt 2002 nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bank rund zehn Prozent seines Gehalts in Form von Optionen – insgesamt 57420 Stück. Zu diesem Zeitpunkt lag der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie bei 39,61 Euro und damit etwa zwanzig Prozent unter dem Ausübungspreis. Zwei Jahre musste Ackermann warten, seit 1. Februar dieses Jahres durfte er die Aktienoptionen einlösen. Für ihn bestand also der Anreiz, den Kurs der Aktie durch gutes Management über den Ausübungspreis von 47,53 Euro zu treiben.

Bei Aktionärsschützern stößt das Optionsmodell trotzdem auf Kritik. „Wir finden solche Optionen nicht gut, weil die Einlösung weder an ein bestimmtes Kursziel, noch an eine Benchmark, also einen zu schlagenden Vergleichsindex geknüpft ist“, sagt Klaus Schneider, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Da kann man aber nichts machen, die Hauptversammlung hat das so beschlossen.“

Die Deutsche Bank ist bei den Management-Optionen laut Schneider Vorreiter in der Deutschen Bankenlandschaft. Sie mache als einzige „exzessiven Gebrauch“ von solchen Modellen. International sei es dagegen üblich, einen großen Teil des Gehalts von Vorstandsmitgliedern in Form von Optionen auszugeben.

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) sieht generell zwar kein Problem in der Bezahlung durch Aktienoptionen, „solange sie nicht einen Großteil des Gehalts ausmachen“. Mangelnde Zielvorgaben für den Aktienkurs hält allerdings auch er für problematisch. Außerdem fordert Kurz, die Optionen mit einem so genannten Cap, also einer Begrenzung nach oben, zu versehen, „damit die Gewinne nicht ins Unendliche steigen“. Auch eine solche Begrenzung gab es bei dem Modell der Deutschen Bank nicht.

Weniger skeptisch als die Aktionärsschützer sehen Analysten Ackermanns Entlohnung. „Es ist nicht ungewöhnlich, dass Manager einen Teil ihres Gehalts in Form von Aktienoptionen bekommen“, sagt Bankenanalyst Dieter Hein von Fairesearch. So werde die Entlohnung an ihren Erfolg gekoppelt. „Die Belastung für das Unternehmen durch solche Geschäfte ist relativ unbedeutend“, erklärt Hein. Dass Ackermann die Optionen jetzt eingelöst hat, könne für die künftige Entwicklung der Aktie sogar ein gutes Zeichen sein. „Institutionelle Anleger achten genau darauf, ob das Management eines Unternehmens Aktien kauft oder verkauft und verhalten sich entsprechend.“ Ackermann hat also auch ein Signal für steigende Kurse ausgesendet.

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