Ackermann : Vom strahlenden Sieger zum bescheidenen Angeklagten

Als strahlender Sieger hatte Josef Ackermann vor gut zwei Jahren das Düsseldorfer Landgericht verlassen. Als bescheidener Angeklagter kehrte er zum Auftakt des zweiten Mannesmann-Prozesses zurück.

Düsseldorf - Statt zu einem Victory-Zeichen wie am Beginn des ersten Verfahrens ließ sich der Chef der Deutschen Bank diesmal nur zu einem kurzen Lächeln für die Kameras hinreißen. Drei Stunden später verließ Deutschlands mächtigster Banker mitsamt Bodyguards das Gerichtsgebäude so, wie er gekommen war - schweigend.

Ackermanns Zurückhaltung auf dem Weg zu dem ihm wohl vertrauten Verhandlungssaal L 111 des Düsseldorfer Gerichts dürfte aus Sicht seiner Berater gute Gründe haben: Das damalige Foto des Top-Managers mit siegesgewiss gespreiztem Zeige- und Mittelfinger dient Kritikern bis heute als Beleg dafür, dass die Arroganz der Mächtigen auch vor der Justiz nicht halt mache. Doch nachdem der Bundesgerichtshof die Freisprüche für die sechs Angeklagten im ersten Mannesmann-Prozess gekippt hatte, steht für Ackermann nun wieder viel auf dem Spiel: Sollte der 58-Jährige bei der Neuauflage des spektakulären Untreue-Prozesses um die Mannesmann-Millionen verurteilt werden, würde dies auch seinen Abschied vom Amt bedeuten.

Klartext sprachen am ersten Prozesstag andere

Mit Spannung wurde daher am ersten Verhandlungstag erwartet, welche Taktik der Deutsche-Bank-Chef und seine Staranwälte in dem neuen Prozess einschlagen würden. Freilich ließ sich Ackermann mit der Antwort auf diese Frage noch ein wenig Zeit: Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Stefan Drees teilte Ackermann über einen seiner beiden Verteidiger mit, er sei am zweiten Prozesstag zu einer Stellungnahme bereit - die Aussage Ackermanns wird nun für den kommenden Donnerstag erwartet. Dann wird sich voraussichtlich auch der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser äußern. Zu Verfahrensbeginn gab sich Esser wie Ackermann sehr zurückhaltend: Auf die Frage, mit welchen Gefühlen er erneut den Verhandlungssaal betrete, antwortete der 58-Jährige kurz und knapp: "Nur mit den besten."

Klartext sprachen dagegen bereits am ersten Prozesstag zwei weitere Angeklagte. Dabei ging Klaus Zwickel, ehedem als Chef der IG Metall einer der mächtigsten Gewerkschaftsführer des Landes, vor der Strafkammer mit der deutschen Justiz scharf ins Gericht. Nach einem 50-jährigen Arbeitsleben habe er es sich nicht vorstellen können, einmal in einem Strafverfahren wegen Veruntreuung vor Gericht zu stehen - und schon gar nicht nach einem Freispruch nun zum zweiten Mal, klagte der frühere Metaller-Chef. Er habe "nicht im Traum daran gedacht", dass er jemals auf eine Stufe mit Menschen gestellt werde, die sich am Eigentum anderer vergehen.

Die Staatsanwaltschaft zeigte sich unbeeindruckt von der Kritik

Wie der 67-jährige Zwickel ließ auch der frühere Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk keinen Zweifel daran, dass er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wegen der Millionen-Zahlungen an die Mannesmann-Manager für unberechtigt hält. Und wie Zwickel äußerte auch der 72-jährige Funk völliges Unverständnis über das Vorgehen der Justiz: Erst habe die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wegen der Zahlungen nach der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone eingestellt, dann hätten die Strafverfolger dennoch Anklage erhoben, die aber vom Gericht nur teilweise zugelassen worden sei. Dann die Freisprüche, schließlich deren Aufhebung durch den Bundesgerichtshof. Angesichts dieser Vorgeschichte bemühe er sich, "Emotionen zu unterdrücken", ließ Funk die Richter wissen - "auch wenn es schwer fällt".

Die beiden Düsseldorfer Staatsanwälte Peter Lichtenberg und Dirk Negenborn dürften allerdings von der Kritik der beiden Angeklagten kaum beeindruckt gewesen sein. Lichtenberg stellte bei der Verlesung der Anklageschrift klar, dass die umstrittenen 57 Millionen für aktive und frühere Mannesmann-Manager eindeutig "auf Veranlassung der Angeklagten" überwiesen worden seien. Genau fest stehe für die Staatsanwaltschaft, dass die Zahlungen "in keiner Weise den Interessen der Mannesmann AG" entsprochen hätten. (Von Richard Heister, AFP)

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