Wirtschaft : Ackermann will kein „Kapitalist pur“ sein

Deutsche-Bank-Chef muss sich auf der Hauptversammlung gegen heftige Kritik wehren – Aktionäre fordern höhere Dividende

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main – Ungeachtet lautstarker Proteste der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und eindringlicher Appelle des Betriebsrates wird die Deutsche Bank am geplanten Stellenabbau festhalten. Auf der Hauptversammlung am Mittwoch in Frankfurt verteidigten Vorstandssprecher Josef Ackermann und Aufsichtsratschef Rolf Breuer die „schmerzhaften“ Maßnahmen als unausweichlich. Betriebsbedingte Kündigungen sollten aber vermieden werden.

Insgesamt wird die Bank bis Ende 2006 weltweit 6400 Stellen streichen, davon rund 1900 in Deutschland. Ackermann wies vor rund 5200 Aktionären in der Frankfurter Festhalle die Kapitalismus-Kritik entschieden zurück. „Niemand will einen Kapitalismus pur und schon gar nicht einen Raubtier-Kapitalismus. Das sind Vokabeln aus der Zeit des realen Sozialismus, und wohin der geführt hat, ist ja bekannt.“ Der Bank gehe es nicht um kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern um die „bestmögliche Leistung für unsere Kunden“.

Vor Beginn der Hauptversammlung hatten etwa 100 Verdi-Mitglieder vor der Festhalle gegen den Personalabbau protestiert. „Wenn Herr Ackermann nicht freiwillig den Personalabbau stoppt, dann werden wir für ein gesetzliches Kündigungsverbot für Unternehmen mit hohen Gewinnen kämpfen“, erklärte Verdi-Bundesvorstand Uwe Foullong. „Ein solcher Stellenabbau passt nicht zu einer erstklassigen Bank“, sagte Verdi-Vorstandsmitglied Margret Mönig-Raane, die als Arbeitnehmer-Vertreterin auch im Aufsichtsrat der Bank sitzt. Die Mitarbeiter wollten an der Entwicklung der Bank teilhaben und nicht nur zur Kostensenkung beitragen. Vertreter des Deutsche-Bank-Betriebsrates kritisierten die Äußerungen der Gewerkschafterin. Sie seien verlogen, schließlich habe Mönig-Raane im Aufsichtsrat den Stellenabbau durchgewunken. Der Betriebsrat übergab Ackermann eine Liste mit 7000 Unterschriften von Bank-Mitarbeitern, die gegen den Stellenabbau sind.

In der Hauptversammlung selbst musste sich Vorstandssprecher Ackermann Kritik vor allem wegen der Entwicklung des Aktienkurses, der Dividende und der „schlimmen“ Öffentlichkeitsarbeit anhören. Angesichts des Milliardengewinns sei die um 20 Cent auf 1,70 Euro erhöhte Dividende kümmerlich, sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). „Seit Alfred Herrhausen war keiner seiner Nachfolger vom medialen GAU ausgenommen“, betonte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Die Intensität der öffentlichen Fehltritte nimmt zu.“ Offenbar fehle dem Vorstand das Gespür für die Wahrnehmung von Äußerungen in der Öffentlichkeit. „Wir dürfen uns deshalb nicht wundern, dass die Heuschrecken auch die Gesichtszüge von Herrn Ackermann tragen.“

Ackermann räumte ein, dass der Aktienkurs enttäuschend sei. „Wir tun alles, dass es besser wird“. Die Vorwürfein Sachen Öffentlichkeitsarbeit wies er zurück. „Wir sagen, was wir denken und wollen offen und ehrlich kommunizieren“. Allerdings sei dies schwieriger geworden, weil „die Deutsche Bank weltweit im Fokus steht.“ Die Erträge müssten weiter gesteigert, sagte Ackermann, an der Kosteneffizienz müsse weiter gearbeitet werden. Auch Übernahmen schließt er nicht aus.

Aufregung in die insgesamt ruhige Hauptversammlung kam nur am Anfang, als Vertreter des Ex-Medien-Unternehmers Leo Kirch die Abwahl von Rolf Breuer als Versammlungsleiter wegen massiver Interessenskonflikte durchsetzen wollten. Der Antrag wurde mit 99,5 Prozent der Aktionärsstimmen abgeschmettert.

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